Schwetzingen Zum 295. Geburtstag von Charles Burney

Charles Burney: Hier auf dem Gemälde von Joshua Reynolds aus dem Jahr 1781.
Charles Burney: Hier auf dem Gemälde von Joshua Reynolds aus dem Jahr 1781.
Ein Freund der Künste: Kurfürst Carl Theodor.
Ein Freund der Künste: Kurfürst Carl Theodor.
Der Hofmusikraum: Im Mannheimer Barockschloss wurde jetzt dieser Raum eingerichtet, der an die große Zeit der Hofkapelle unter K
Der Hofmusikraum: Im Mannheimer Barockschloss wurde jetzt dieser Raum eingerichtet, der an die große Zeit der Hofkapelle unter Kurfürst Carl Theodor erinnert.
Aus dem zweiten Teil von Burneys Reisebericht: das Kapitel über Schwetzingen auf Deutsch in der Hamburger Version von 1773.
Aus dem zweiten Teil von Burneys Reisebericht: das Kapitel über Schwetzingen auf Deutsch in der Hamburger Version von 1773.

Der am 7. April vor 295 Jahren geborene englische Musiker und Musikhistoriker Charles Burney war in den 1770er-Jahren auf seiner zweiten Europa-Reise auch in Mannheim und Schwetzingen. Auch über das Musikleben am Hof Carl Theodors hatte Burney viel zu berichten – noch heute ein wichtige Quelle.

Wer wirklich wissen will, wie Händel, Mozart oder Gluck waren und wie wo wer Musik im 18. Jahrhundert machte, kommt noch heute nicht an den Schriften von Charles Burney vorbei. Sie sind nach wie vor eine bedeutende musikhistorische Quelle für das Musikleben in Europa zwischen Spätbarock und Klassik. Gut, dass er auch in der Kurpfalz war.

Der britische Musikhistoriker, Komponist und Organist Charles Burney, geboren am 7. April vor genau 295 Jahren, reiste ab 1770 quer durch Europa. Sein Weg führte ihn im August 1772 an den Hof des Kurfürsten Carl Theodor, nach Mannheim und Schwetzingen. In seinem Tagebuch lobte der Reisende „das Orchester des Churfürsten (…), welches mit Recht durch ganz Europa so berühmt ist.

1772 in Mannheim

Anfang August 1772 traf er in Mannheim ein, der Residenzstadt von Kurfürst Carl Theodor. Jedoch war sein erster Eindruck der Quadratestadt musikalisch wenig beeindruckend, wie Burney in seinem Reisetagebuch vermerkte: „Die ersten Töne, die ich hier hörte, war Regimentsmusik. Mein Gasthof lag am Paradeplatze; die Retraite bestund bloß aus Trommeln und Pfeifen, und des Morgens fiel auch nichts vor, das des Hörens verlohnt hätte.“

Doch der britische Musikwissenschaftler ließ sich vom ersten Eindruck nicht täuschen. Kurfürst Carl Theodor hatte zu diesem Zeitpunkt das Kunststück vollbracht, zahlreiche herausragende Musiker an seine Residenz geholt zu haben. Als aufgeklärter Fürst und Freund der schönen Künste leistete er sich ein Ensemble von rund 75 Musikern. Mannheim gab damals musikalisch den Ton an: Eine der größten, besten und zugleich innovativsten Hofkapellen Europas spielte in der Kurpfalz. Das Ausbildungssystem „Mannheimer Schule“ setzte neue Maßstäbe: Die Hofmusiker waren fest angestellt, junge Talente wurden umfassend gefördert. Carl Theodor, der selber Flöte und Cello spielte, kümmerte sich gemeinsam mit Kurfürstin Elisabeth Auguste darum, dass an seinem Hof moderne Opernstücke aufgeführt wurden.

Besonders beeindruckt war Charles Burney vom Mannheimer Hoforchester, das er im August 1772 anlässlich einer Opernaufführung in der Sommerresidenz Schwetzingen hörte: „Ich kann diesen Artikel nicht verlassen, ohne dem Orchester des Churfürsten Gerechtigkeit zu erweisen, welches mit Recht durch ganz Europa so berühmt ist. Ich fand wirklich alles daran, was mich der allgemeine Ruf hatte erwarten lassen. ... Es sind wirklich mehr Solospieler und gute Komponisten in diesem, als vielleicht in irgend einem Orchester in Europa. Es ist eine Armee von Generälen, gleich geschickt einen Plan zu einer Schlacht zu entwerfen, als darin zu fechten.“

Lob für den Fürsten

Von der hohen Qualität der Musiker konnte sich Burney bei seinem Besuch in der Kurpfalz also persönlich überzeugen. Er lobte das besondere Engagement des Kurfürsten: „Musik scheint Sr. Churfürstl. Durchl. liebster und beständigster Zeitvertreib zu seyn; und die Opern und Concerte, wozu alle seine Unterthanen Zutritt haben, bilden durchs ganze Churfürstenthum den musikalischen Geschmack.“

Charles Burney wurde am 7. April 1726 in Shrewsbury im Westen Englands. Bereits in jungen Jahren zeigte er ein großes Interesse und Verständnis für Musik. Mit 15 Jahren verfeinerte er seine Kenntnisse mit der Hilfe seines Halbbruders, des Organisten James Burney, und war ab 1744 Schüler des Komponisten Thomas Arne (der Schöpfer von „Rule Britannia“) in London. Hier konnte er sogar Violine und Viola im Orchester des weltberühmten deutschen Komponisten Georg Friedrich Händel spielen.

Musiker und Forscher

Charles Burney verdiente in den kommenden Jahren seinen Unterhalt als Organist verschiedener Kirchengemeinden. 1769 erlangte er den Titel „Doctor of Music“, den ihm die Universität von Oxford verlieh. Burney fühlte sich in seinem Wunsch bestärkt, ein Buch zur europäischen Musikgeschichte zu schreiben. Seine große Forschungsreise durch Europa trat er im Juni 1770 von London aus an.

Bis 1771 reiste der britische Musikexperte von einer europäischen Hochburg der Musik zur nächsten: Paris, Genf, Venedig, Rom sind nur einige seiner Stationen. Was er sah und erlebte, schrieb er sogleich nieder. Im Jahr darauf besichtigte Burney Musikstätten zuerst in den Niederlanden, anschließend dem Rhein aufwärts folgend.

Wieder nach seinen Reisen im heimischen England angekommen, schrieb s Charles Burney an seinem Großwerk „A General History of Music“. 1776 erschien der erste Band, sechs Jahre später der zweite. Darin verarbeite er auch die Erkenntnisse, die er auf seinen Reisen durch Europa gewonnen hatte – eine lohnende Quelle auch für die Rezeption der Mannheimer Hofmusik. Am 12. April 1814 starb Charles Burney in Chelsea bei London.

Seine Reiseberichte wurden schon kurz nach ihrem Erscheinen ins Deutsche übersetzt und in Hamburg verlegt. Charles Burneys Tochter ist die bekannte Schriftstellerin Frances Burney.

Info über Öffnungen

Aktuelle Informationen über den Zugang zu Schlössern und Gärten unter: www.schloesser-und-gaerten.de.