SCHWETZINGEN Städtebau im Dialog

Größtes Projekt seit Jahrzehnten: Auf dem brachliegenden Pfaudler-Industriegelände (Bildmitte) soll ein neues Stadtquartier ents
Größtes Projekt seit Jahrzehnten: Auf dem brachliegenden Pfaudler-Industriegelände (Bildmitte) soll ein neues Stadtquartier entstehen.

Urban, kreativ und nachhaltig sollen sie werden, die künftigen „Schwetzinger Höfe“. Dort, wo die Maschinenbaufirma Pfaudler bis vor vier Jahren Produkte für die Industrie herstellte, soll nach dem Willen von Investoren und Verwaltung ein neues Stadtquartier mit Wohnungen und Gewerbe entstehen. Die Arbeiten sollen noch in diesem Monat beginnen.

Rund 650 Wohnungen für zirka 1450 Menschen soll der neue Stadtteil im Schwetzinger Osten umfassen, wenn er einmal fertig ist. Nach den Plänen der Stadtverwaltung und der Heidelberger Epple Projekt Kurpfalz GmbH als Investor soll das zu Beginn des kommenden Jahrzehnts der Fall sein – im günstigsten Fall schon 2027. Der Gemeinderat in Speyers badischer Nachbarstadt jedenfalls hat nun dem Erstellen eines Bebauungsplans für die 6,9 Hektar große ehemalige Industriefläche in der Nähe des Freizeitbades Bellamar zugestimmt.

Parallel dazu steht die Genehmigung für den ersten Bauabschnitt schon kurz bevor. Er soll 145 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten auf einer Fläche von 11.200 Quadratmetern umfassen. Die Bauzeit dafür soll zwei bis zweieinhalb Jahre betragen.

Thementische und Workshops

Die Geschichte der „Schwetzinger Höfe“ begann 2017: Damals beschlossen die Pfaudler Werke, ihren Produktionsstandort ins rund 18 Kilometer entfernte Waghäusel zu verlegen und das Gelände an eine Wohnungsbaugesellschaft zu verkaufen. Nachdem die Heidelberger Immobilienentwickler den Zuschlag erhalten hatten, setzten sie auf Transparenz und einen „dialogischen Prozess“ mit den Schwetzingern, wie sie es nennen. Bürgerbeteiligungen mit Thementischen habe es ebenso gegeben wie Workshops und Steuerungsgruppen.

So erhielten drei Architekturbüros aus Berlin, Frankfurt und Darmstadt in einem konkurrierenden Verfahren gleichzeitig den Auftrag, das neue Stadtquartier zu planen. Durchgesetzt hat sich schließlich das Konzept des Darmstädters Florian Krieger: ein Innenstadtquartier, das großzügig und kleinteilig zugleich wirken soll. Dabei standen Schwetzinger Schloss und Schlossgarten ebenso Pate wie zahlreiche historische Wohnhäuser um einen kleinen Hof mit Wirtschaftsgebäuden und Ställen aus der kurfürstlichen Vergangenheit.

Acht Wohnquartiere um „Grüne Mitte“

Kriegers Entwurf sieht den Angaben zufolge eine große, parkähnliche „Grüne Mitte“ vor. Acht Wohnquartiere mit unterschiedlichen Gebäuden, die ihrerseits wiederum kleine Höfe ausbilden, sollen sie umschließen.

Ein Quartiershandbuch soll den gesamten Entwicklungsprozess dokumentieren. Dazu zählt auch, dass die beiden im Wettbewerb unterlegenen Architekturbüros einzelne Quartiershöfe gestalten sollen.

Brücke zur Innenstadt

Eine neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Bahntrasse soll die „Höfe“ mit der Innenstadt verbinden. Oberbürgermeister René Pöltl (parteilos) spricht mit Blick auf die Pläne schon mal von „Schwetzinger Urbanität“.

Für den im Motto formulierten Anspruch auf Kreativität sollen nach dem Willen der Investoren das Stuttgarter Künstlerkollektiv „Umschichtung“ und der Saarbrücker Bildhauer Georg Winter sorgen, deren künstlerische Ansätze in die Entwicklung eingearbeitet worden seien. Darüber hinaus seien in den „Schwetzinger Höfen“ ein Kunst-Kindergarten, eine Kreativwerkstatt und eine Wohnung für Künstler in Residenz vorgesehen. Ein ehemaliges Karbid-Gaswerk auf dem Gelände, das sogenannte Pigmenthaus, solle ebenso erhalten bleiben wie Teile der historischen Mauern, heißt es weiter.

Sonnenenergie und Ladestationen

Unter dem Stichwort Nachhaltigkeit verweisen die künftigen Bauherren schließlich auf Pläne für Effizienzhäuser, Fernwärmeversorgung, Solarkollektoren zur Versorgung von 500 bis 600 Haushalten mit Strom und ein Regenwasserkonzept. Gründächer, Fußbodenheizungen, „intelligente Straßenbeleuchtungen“ sowie eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos und E-Bikes sollen sie ergänzen.

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