Schwetzingen/Mannheim Hofoper Mannheim abgebrannt, Schwetzingen gibt es noch

Historische Bild des Brandes heute vor 225 Jahren: ein Blatt von Andreas Szöts.
Historische Bild des Brandes heute vor 225 Jahren: ein Blatt von Andreas Szöts.

Drottningholm, Bayreuth, Ludwigsburg oder Schwetzingen: diese herrlichen Theater aus dem 18. Jahrhundert gibt es noch heute. In Mannheim aber brannte die Hofoper heute von 225 Jahren ab.

In dem riesigen Mannheimer Schloss mit einem Fenster mehr als in Versailles hatten die Kurfürsten der Pfalz einst eine imposante Hofoper mit rund 2000 Plätzen, die nach 1740 gebaut wurde. Doch die brannte heute vor 225 Jahren mit dem Westflügel des Schlosses ab. Überlebt hat aber mit ein paar Umbauten das Theater im Sommerresidenz im Schwetzinger Schloss, da heute sogenannte und gerne bespielte Rokokotheater.

Einen ihrer größten Tage erlebte die Mannheimer Hofoper 1777 mit der Uraufführung der Oper „Günther von Schwarzburg“ von Ignaz Holzbauer. Der Wiener Komponist hat auch mit Schwetzingen viel zu tun.

Pastorales in Schwetzingen

1753 wurde nämlich mit Holzbauers Oper „Il figlio delle selve“ (Der Sohn der Wälder) das Schwetzinger Schlosstheater eröffnet und der Komponist von Kurfürst Karl Theodor unter Vertrag genommen. Er komponierte in der Folge viele Opern für den Hof der pfälzischen Kurfürsten, eher pastorale für den Sommer in Schwetzingen und eher ernste für den Winter in Mannheim. Darunter war eben jenes von Mozart des „Feuers“ in der Musik wegen sehr gelobte Singspiel „Günther von Schwarzburg“. Es ist eine der ersten deutschsprachigen Opern von Rang. Eine Arie daraus hat übrigens auf sehr eindrucksvolle Weise auch der pfälzischen Tenor Fritz Wunderlich in einer SWR-Rundfunkaufnahme gesungen.

Doch während 2003 zur 250-Jahrfeier des Schlosstheaters Holzbauers Oper „Der Sohn der Wälder“ am Originalschauplatz im Rokokotheater in Schwetzingen wieder aufgeführt werden konnte, ist die alte Mannheimer Hofoper in ein längst untergegangenen Ort.

Keine Stunde mehr Ruhe

Denn im Ersten Koalitionskrieg erlitt Mannheim nach französischer Besatzung bei der Rückeroberung durch österreichische Truppen im November durch Artilleriebeschuss schwere Zerstörungen. Die Münchner Zeitung vom 1. Dezember 1795 berichtet von den Kämpfen am 20. und 21. November: „Mannheim war nun von allen Seiten eingeschlossen, und von jetzt an war fast keine Stunde mehr Ruhe weder bei Tage noch bei Nacht. Das fürchterliche Kanonenfeuer hielt den ganzen Tag an, Kugeln regneten in die Stadt; des Abends und die Nacht hindurch flogen Haubizen und Bomben, die mit gräßlichem Knall und Geprassel zerplazten […] Die Franzosen fingen Abends an, von der hinter dem Schloß und sonst am Rhein gelegenen Batterien heftig darauf zu feuern. Die Kaiserlichen erwiederten das Feuer gegen den Morgen so kräftig, daß am 21sten morgens ein Theil des kurfürstlichen Schloßes, das Opern- und Ballhaus in vollen Flammen stand. Bald ward der ganze Flügel bis an die Schloß-Cappelle davon ergriffen, und das ganze schien ohne Rettung verloren zu sein. Glüklicher Weise ward die weitere Verbreitung des Brandes durch Abwerfung des Daches bis an den pavillon an der Kapelle, und desjenigen, welches die Verbindung mit dem ehemaligen Jesuitenkollegium machet, gehempt. Durch diesen Brand ging das schönste physikalische Kabinet mit den kostbaren Instrumenten, die zum Oper- und National-Theater gehörigen Dekorationen, der zu Verfertigung derselben dienden Malersaal, der ganze Hausrath der in diesem Schloßflügel wohnenden Aufseher, und ein großer im Hof sizender Vorrat Kammeralholz verloren. Selbst die Schloßkapelle wurde dadurch beschädiget.“

Später war ein Gefängnis dort

Die ausgebrannte Oper und das Ballhaus blieben als Ruinen bis in die badische Zeit stehen. Nach 1860 riss man die Reste der Oper dann ab und baute dafür ein Amtsgefängnis.