Pirmasens
Zwischen Vogelspinne und Vinyl: So berät Karl Geistlich regionale Unternehmen
Das Erste, was den meisten ins Auge fällt, wenn sie das Büro von Karl Geistlich betreten, ist ein mysteriöser durchsichtiger Quader, der hinter seinem Schreibtisch steht. Darin lebt, verborgen zwischen Holz und Erde, eine ausgewachsene Vogelspinne. „Meine Kunden fragen oft, was dort drin ist – bisher ist aber noch niemand deswegen aus dem Büro gerannt“, sagt der Unternehmensberater und schmunzelt.
Als die Spinne in seinem Büro einzog, war sie noch ganz klein. Inzwischen ist der exotische Achtbeiner so groß wie Geistlichs Handfläche. „Als sie noch klein war, ist sie einmal ausgebüchst – seither ist das aber nicht mehr passiert.“ Schon seit er ein Kind war ist Geistlich von Spinnen fasziniert, erzählt er.
„Ich muss immer einen Stift zur Hand haben“
Seit 2008 ist der 42-Jährige bei der Unternehmensberatung Sefrin und Partner in Pirmasens tätig: zunächst als Praktikant, dann als Werkstudent – mittlerweile ist er Partner zur Geschäftsführung. Der studierte Finanzdienstleister berät kleine bis mittelständische Unternehmen, überwiegend aus der Region. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Thema Marketing.
Trotz der modernen Technik in seinem Büro – zwei Monitore auf dem Schreibtisch und ein 85-Zoll-Fernseher an der Wand – setzt Geistlich noch immer auf Stift und Papier. „Egal ob im Büro, bei Kollegen in der Firma oder beim Besuch anderer Unternehmen – ich muss immer einen Stift zur Hand haben“, sagt er.
Beastie Boys, Nirvana und Limp Bizkit
Der gebürtige Pirmasenser verbringt nur etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit an seinem Schreibtisch. Den Großteil des Tages ist er entweder im Büro bei Kollegen oder direkt vor Ort bei seinen Kunden. „Am liebsten arbeite ich im Laufen“, verrät er. Doch wenn Geistlich allein in seinem eigenen Büro sitzt, darf eines nicht fehlen: Musik von seinem Plattenspieler.
„Das ist ein ganz anderes Erlebnis, als Musik über Spotify zu hören.“ Über die Lautsprecher, die aus dem Jahr 1984 stammen, läuft meist entspannende Musik. Hin und wieder jedoch auch Songs von den Beastie Boys, Nirvana und Limp Bizkit. „Mit der Musik bin ich aufgewachsen“, erinnert sich Geistlich. In einem Regal neben dem Plattenspieler stehen rund 70 Vinylplatten. „Zuhause sind es noch einige mehr.“
Das Büro ist aufgeräumt, alles hat seinen Platz. Ordnung sei wichtig, betont der 42-Jährige, aber es dürfe nicht pedantisch werden. „Fast alles in meinem Büro hat einen persönlichen Bezug.“ So auch der Bremssattel der Marke Porsche auf seinem Schreibtisch. Der erinnert ihn daran, dass er an seinem Auto zweimal denselben Bremssattel austauschen musste – weil er beim ersten Mal zu hastig und unkonzentriert gearbeitet hatte. Die Lehre, die er daraus gezogen hat, lautet: „Manchmal muss man sich einfach Zeit für Dinge lassen, damit sie gelingen.“
Kunst aus der Familie im modernen Büro
Hinter Geistlichs Schreibtisch hängt ein großes Werk des britischen Künstlers Banksy. Die Wand daneben zieren zwei weitere Motive. Darunter eine Zeichnung einer französischen Bulldogge auf einem Schachbrett, die sein Vater gemalt hat.
Sein Büro habe Geistlich bewusst modern gestaltet. Schwere Holztische und klassische Ledersessel seien nicht sein Stil. „Die Einrichtung ist ähnlich wie bei mir zu Hause – nur herrscht hier etwas mehr Ordnung“, sagt der 42-Jährige und lacht. Schließlich, so ist der Unternehmensberater überzeugt, arbeite es sich am besten in einer Umgebung, in der man sich wohlfühlt.
Die Serie
Der Schreibtisch ist das Herzstück eines jeden Büros und dabei genau so individuell wie die Person, die an ihm arbeitet. Doch was findet sich alles auf den Möbelstücken, an denen die meisten von uns den Großteil ihrer Arbeitszeit verbringen? In einer neuen Serie stellen wir ihnen Menschen und ihren Arbeitsplatz vor.