Pirmasens / Mainz
Zwei Monate vor der Landtagswahl: Kandidaten und ihre Chancen – eine Analyse
Derzeit sitzen drei Abgeordnete aus dem Wahlkreis im Mainzer Landtag. Christof Reichert (CDU) holte bei der letzten Wahl die meisten Stimmen, deshalb ist er der direkt gewählte Abgeordnete. Steven Wink (FDP) und Alexander Fuhr (SPD) wurden über die Landeslisten ihrer Parteien ins Parlament gewählt. Fuhr hat angekündigt, sich aus dem Landtag zurückziehen zu wollen. Er tritt nicht mehr an. Zum Wahlkreis gehören neben der Stadt Pirmasens die Verbandsgemeinden Pirmasens-Land, Rodalben, Hauenstein sowie das Dahner Felsenland. Der Rest der Südwestpfalz bildet den Wahlkreis Zweibrücken.
Seit Dienstag steht das Personaltableau fest, über das die Wählerinnen und Wähler am 22. März entscheiden können. Der Wahlausschuss hat folgende sechs Bewerber zugelassen: Markus Keller (SPD, Bobenthal), Christof Reichert (CDU, Hauenstein), Lutz Wendel (AfD, Eppenbrunn), Steven Wink (FDP, Pirmasens), Philipp Burkhart (Freie Wähler, Bruchweiler-Bärenbach) und Barbara Schwarz (Tierschutzpartei, Dahn).
Wer hat welche Chancen?
Zur Wahl antreten und einen Sitz im Landtag zu gewinnen, sind zwei Paar Schuhe. Die Chancen der sechs Bewerber sind höchst unterschiedlich. Die geringste Chance, in den Landtag gewählt zu werden, dürfte Barbara Schwarz haben. Es ist absolut unwahrscheinlich, dass sie in der Region das Direktmandat gewinnt und einen Einzug ihrer Partei ins Parlament halten die Wahlforscher für nahezu ausgeschlossen.
Was die Chance auf das Direktmandat angeht, dürfte es bei Philipp Burkhart ähnlich aussehen wie bei Barbara Schwarz. Er hat allerdings den Vorteil, dass die Freien Wähler schon im Landtag vertreten sind. Ob sie den Einzug erneut schaffen, gilt als unklar.
Gleiches gilt für Steven Wink. Der Pirmasenser spielt bei der FDP als Fraktionsvorsitzender im Landtag eine zentrale Rolle. Entsprechend wurde er auch mit einem guten Listenplatz seiner Partei ausgestattet. Sollte die FDP am 22. März die Fünf-Prozent-Hürde meistern und es in den Landtag schaffen, bleibt Wink Landtagsabgeordneter. Nach derzeitigen Umfrageergebnissen sieht es jedoch so aus, dass die FDP zittern muss, nicht aus dem Parlament zu fliegen. Es wird wohl auf jede Stimme ankommen.
Berechtigte Chancen auf das Direktmandat macht sich Christof Reichert. Er hat den Wahlkreis beim letzten Mal gewonnen. Sollte er es am 22. März nicht erneut schaffen, wäre er wohl raus aus dem Landtag, da er einen vergleichsweise aussichtslosen Listenplatz seiner Partei hat. Für Reichert gilt: Alles oder nichts.
Ähnlich sieht es bei der SPD aus. Markus Keller steht dort auf Listenplatz 47 von 52. Derzeit haben die Sozialdemokraten 39 Sitze im Landtag. Damit Keller eine Chance hat, über die Landesliste einzuziehen, müsste die SPD ein sensationelles Ergebnis einfahren und der ein oder andere Gewählte sein Mandat nicht annehmen, beispielsweise weil ihm ein attraktiver Posten in der Regierung angeboten würde. Nach derzeitiger Sicht, scheint das eher unwahrscheinlich. Also gilt für Keller wie für Reichert: Direktmandat oder nichts.
Schwer einschätzen lässt sich derzeit die Situation von Lutz Wendel. Bei den letzten Bundestagswahlen und auch bei den Kommunalwahlen hat die AfD in Pirmasens, aber auch in einigen Dörfern im Landkreis gute Ergebnisse eingefahren. Sollte die Partei das ausbauen können und vom Bundestrend profitieren, wäre ein Direktmandat für den AfD-Kandidaten gar nicht mal so unrealistisch. Bei der Wahl 2021 holte die AfD 8,3 Prozent der Stimmen. Für die Wahl am 22. März peilt sie ein Ergebnis jenseits der 20-Prozent-Marke an. Für Lutz Wendel spielt das keine Rolle. Sein Name findet sich nicht auf der Landesliste seiner Partei.
AfD mit zwei Kandidaten aus der Region
Dafür findet sich dort der Name eines anderen Pirmasensers: Ferdinand Weber. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der AfD im Stadtrat ist Mitarbeiter des einflussreichen AfD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier. Weber steht auf Listenplatz 19. Das könnte zu folgendem Ergebnis führen. Wenn es für die AfD am 22. März gut läuft, gewinnt sie das Direktmandat und Weber zieht über die Liste ein. Sollte die FDP parallel dazu an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, würde die Region nur von der AfD in Mainz vertreten – und das gleich von zwei Personen.
Während landesweit zwölf Parteien zugelassen sind, gibt es im Wahlkreis Pirmasens keine weiteren Bewerber. Das BSW hat einen zunächst vorgeschlagenen Bewerber wieder zurückgezogen. Die Grünen haben erst gar niemanden nominiert.
