Pirmasens Zur Sache: Lager, Produktion und Dienstwohnungen

Die im niedersächsischen Alfeld beheimatete Schuhleistenfabrik Carl Behrens errichtete in den 20er Jahren in allen wesentlichen Schuhzentren Europas Filialen und damit auch in Pirmasens den von den Pirmasensern als „Wolkenkratzer“ benannten Bau am Oppenheimer Tor. Architekt war kein geringerer als Professor Carl Mühlenpfordt, der zu dem Zeitpunkt an der Technischen Hochschule Braunschweig unterrichtete. Mühlenpfordt war ein Verwandter des Unternehmensgründers Carl Behrens, wie dessen Urenkel und heutiger Firmenchef Carl Behrens erzählen kann. Der Architekt ist allgemein für Reformarchitektur bekannt, realisierte in Pirmasens aber einen klaren Bauhausstil. Mühlenpfordt wurde 1934 an der TU Braunschweig von den Nationalsozialisten aus politischen Gründen entlassen. Das Gebäude war laut Behrens so aufgeteilt, dass im Untergeschoss der Keller mit Heizung untergebracht war. Das Erdgeschoss beinhaltete das Lager der Leistenmodelle und den Versand. In der ersten Etage fanden sich Büro und Musterzimmer. In der zweiten Etage wurden die Schuhleisten produziert. Die dritte Etage diente als Dienstwohnung des Betriebsmeisters mit seiner Familie und darüber wohnte zeitweise noch die Sekretärin. Behrens beschäftigte in Pirmasens insgesamt zehn Personen, die vor Ort neue modische Schuhleistenformen für das Folgejahr entwickelten. Das Gebäude bietet auf jeder Etage 100 Quadratmeter Nutzfläche, also insgesamt 500 Quadratmeter. Das Unternehmen Behrens fertigt keine Schuhleisten mehr und ist heute im Werkzeugbau tätig.
