Pirmasens/Zweibrücken Wo sind die Zeugen? Warum ein Prozess aus 2023 jetzt noch einmal anfängt

Ein Angeklagter „verpeilte“ den Start seines Prozesses am Landgericht in Zweibrücken.
Ein Angeklagter »verpeilte« den Start seines Prozesses am Landgericht in Zweibrücken.

Es war ein turbulentes Debüt von Kristina Benz als Vorsitzende Richterin. Nicht nur, dass der Prozess vor dem Landgericht bereits zum zweiten Mal beginnt. Auch die Prozessbeteiligten waren nicht dort, wo sie sein sollten.

Die sechste Strafkammer beim Landgericht Zweibrücken verhandelt seit Donnerstag gegen zwei 33 und 43 Jahre alten Angeklagten aus Zweibrücken wegen schweren Raubes. Laut Staatsanwalt Patrick Langendörfer sollen die beiden Männer am 5. Mai 2020, um 3 Uhr in der Früh einen 32-jährigen Bekannten in dessen Wohnung in der Lindenstraße in Pirmasens aufgesucht, zusammengeschlagen und beraubt haben. Sie sollen nach „gemeinsam gefasstem Tatplan“ den 32-jährigen mit dem Baseballschläger gegen dessen Kopf und Körper geschlagen und gezielt den Rucksack mit Inhalt mitgenommen haben. In dem Rucksack befanden sich neben Schlüsseln, einer blauen Powerbank, einer Deo-Dose, sechs Flaschen Bier und ein Handy. Wegen der Verletzungen an Kopf und Körper musste das mutmaßliche Opfer im Pirmasenser Krankenhaus stationär behandelt werden.

Dieser Vorfall wurde bereits 2023 vor dem Landgericht verhandelt. Der Prozess wurde damals wegen Erkrankung eines Richters ausgesetzt. Zu Prozessbeginn am Donnerstag fehlte der 43-jährige Angeklagte. Er hatte nach der Aussage seines Verteidigers trotz ordnungsgemäßer Vorladung den Zeitpunkt des Prozessbeginns „verpeilt“. Er musste den Zug von Pirmasens nach Zweibrücken nehmen und traf eine Stunde später auf seinem Platz im Gerichtssaal ein. Bis dahin sollten bereits zwei wichtige Zeuginnen vernommen werden. Auch die beiden Frauen fehlten trotz ordnungsgemäßer Ladung durch das Gericht. Ihr Aufenthaltsort ist unbekannt. Für Richterin Kristina Benz war dies bei ihrem Debüt als Vorsitzende Richterin der sechsten Strafkammer ein Einstieg mit Hindernissen. Sie ordnete die polizeiliche Vorführung der beiden Zeuginnen für den nächsten Morgen – Freitag – an. Doch auch bis dahin konnte nicht ermittelt werden, wo sie sich die Zeuginnen aufhalten. Für den 18. April hat die Kammer ihre erneute Vorführung angesetzt. Die beiden Frauen wurden zu einem Ordnungsgeld von je 150 Euro, ersatzweise drei Tage Haft, verdonnert.

Angeklagte schweigen, Opfer redet

Die beiden Angeklagten schwiegen zu dem Vorwurf des Staatsanwaltes. Der 33-jährige erklärte lediglich seine Vita. Nach der Hauptschule lernte er den Beruf des Kochs, war auch dabei einige Monate tätig, ehe er als Arbeiter unter anderem bei Amazon anheuerte. Er habe in dieser Zeit Alkohol und Cannabis konsumiert und eine Drogentherapie in Landau hinter sich. „Zwei Monate war ich clean. Dann rauchte ich wieder“, sagt er. Seit August 2023 sitzt er wegen einer anderen Sache in der JVA Zweibrücken und werde innerhalb der nächsten Tage entlassen.

Während die beiden Angeklagten zur Sache schweigen, wurde am Freitag das Opfer, das momentan ebenfalls im Knast sitzt, von der Kammer zum Vorfall in dieser Nacht im Mai gehört. Der 32-Jährige bestätigte den Überfall am frühen Morgen in seiner Wohnung. Er erkannte auch die beiden Angeklagten als Täter. „Sie haben die Wohnungstür eingetreten. Der 43-jährige hielt mich fest, der 33-jährige schlug einmal mit dem Baseballschläger auf meinen Kopf. Mit einer Eisenstange haben sie mir auf den linken Unterarm geschlagen. Das Blut lief mir von der linken Schläfe herunter. Der Unterarm war gebrochen“, schilderte er. „Sie forderten mich auf, den Schlüssel meiner Freundin rauszurücken. Erst als ich ihnen diesen übergab, sind sie abgezogen.“ Die Freundin des Angeklagten ist eine der beiden Frauen, die als Zeuginnen vor Gericht hätte erscheinen müssen. Der Überfallene mutmaßte, dass bei dem Überfall Eifersucht das Motiv gewesen sein könnte. Denn: Während des Überfalles durch die beiden Männer hätte er draußen im Flur eine weibliche Stimme wahrgenommen, die hustete. Er habe aber diese Person nicht erkannt. Der Prozess wird am 18. April fortgesetzt.

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