Pirmasens
Wie das Städtische Krankenhaus einem Mangel an Blutkonserven vorbeugt
In vielen Bundesländern ist Blut Mangelware – und das schon seit Wochen. „Die von den Ärzten georderten Blutpräparate konnten nicht mehr vollumfänglich geliefert werden“, informiert Daniel Beiser vom Zentrum für Transfusionsmedizin Bad Kreuznach, von wo aus der Verteilungsprozess gesteuert wird. Deswegen sei sein Haus vor ein paar Tagen lautstark an die Öffentlichkeit gegangen, um Blutspender zu motivieren.
Betroffen vom Notstand seien drei Versorgungsgebiete, erklärt Beiser. Denn der DRK-Blutspendedienst West in Bad Kreuznach beliefere nicht nur Rheinland-Pfalz, sondern auch Nordrhein-Westfalen und das Saarland.
Doppelt hält besser
„Pirmasens ist von dem Notstand verschont“, betont Marion Littau, Pressesprecherin des Städtischen Krankenhauses Pirmasens – und das, obwohl das Blut vom DRK-Blutspendedienst West in Bad Kreuznach kommt. „Als Traumazentrum haben wir ein Blutdepot im Haus, welches ausreichend bevorratet ist“, versichert sie.
Das Zertifikat „Traumazentrum“ gewährleistet die Maximalversorgung von schwer verletzten Patienten mit starken Blutungen. Deswegen sichert sich das Städtische Krankenhaus doppelt ab. „Unser Haus hat in der Vergangenheit Blutspenden von Mitarbeitern des Krankenhauses vor Ort organisiert“, erklärt Littau. So gewinnen sie selbst Blutkonserven. Zusätzlich gebe es Blutspende-Termine für Bürger, die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) organisiert werden.
Von Pirmasens nach Hagen
Bevor das georderte Blut in der Pettenkofer Straße ankommt, geht es erst einmal auf Reisen. „Nach dem Spendetermin holen wir das Blut aus Pirmasens ab, um es dem Verarbeitungs- und Testungsprozess zuzuführen“, erklärt Pressesprecher Beiser vom DRK-Blutspendedienst. Der finde im nordrhein-westfälischen Hagen statt, wo es eines der größten Bluttestlabore in Europa gibt. „Dorthin gelangen die in Boxen gekühlten Vollblutbeutel noch in der gleichen Nacht mit einem Shuttle“, informiert er.
In Hagen finde auch die Präparation statt, weil die Vollblutspenden nicht eins zu eins an die Patienten weitergegeben werden. „Das hat man früher so gemacht“, sagt er. Heute werde das Blut in die einzelnen Bestandteile aufgearbeitet, weil nicht jeder Patient jeden einzelnen Blutbestandteil brauche. Nach 24 bis 36 Stunden erfolge in der Regel die Freigabe durch das Labor. Nachdem die Präparate gelabelt sind, geht die Reise wieder zurück in die Depots nach Bad Kreuznach. „Von dort aus werden die Krankenhäuser in der Region und auch Pirmasens versorgt“, berichtet Beiser.
Blutprodukte sparsam einsetzen
Wieviele Blutprodukte in Pirmasens nachgefragt seien, variiere je nach der Anzahl der im Hause behandelten Patienten und der Schwere der Erkrankung beziehungsweise Operation, erklärt Pressesprecherin Littau vom Städtischen Krankenhaus in Pirmasens.
„Bei uns wird das Patient-Blood-Management umgesetzt“, betont Littau. Dies solle durch verschiedene Maßnahmen Einsparungen von Bluttransfusionen bewirken. Blutprodukte würden nahezu ausschließlich bei akuten Mangelsituationen wie Blutverlust oder Blutarmut eingesetzt, wenn keine anderen Therapiemöglichkeiten bestünden, erklärt die Pressesprecherin des Städtischen Krankenhauses.
Unterschiedliche Bestandteile
Die unterschiedlichen Blutkonserven haben verschiedene Haltbarkeitsdaten. Wie lange ein Blutprodukt halte, hänge von seinen Bestandteilen ab, erklärt der Pressesprecher Beiser aus Bad Kreuznach. Bei Therapien und in der Notfallversorgung brauche man beispielsweise nur die roten Blutkörperchen, bei anderen Behandlungen nur die Blutplättchen und bei anderen wiederum nur das Plasma. „Komplett herausgefiltert werden die weißen Blutkörperchen, weil die beim Patienten nur Schaden anrichten würden“, erklärt er.
„Plasma kann man tiefgefroren über zwei Jahre lang einlagern“, informiert Beiser. Die roten Blutkörperchen seien 42 Tage haltbar, die Blutplättchen sage und schreibe nur vier Tage. Die kurze Haltbarkeit der Blutplättchen sei der Grund dafür, warum auch an komisch anmutenden Terminen wie am zweiten Weihnachtsfeiertag oder am Ostermontag Blutspendetermine angeboten werden.
Dies sei wichtig, damit die Versorgungskette auch an Feiertagen aufrechterhalten werden könne. Gerade die Blutplättchen gingen in die Krebstherapie, die keine Pause dulde. Gut sei, dass Rheinland-Pfalz insgesamt ein sehr blutspendefreudiges Bundesland sei, betont Beiser.