Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Werk von Beuys für 35.000 Euro: Kunstauktion in der Pirmasenser Neuffervilla

Kunstvereinsvorsitzender Frederic Krämer fungiert als Auktionator.
Kunstvereinsvorsitzender Frederic Krämer fungiert als Auktionator.

Kunstauktion in Pirmasens: Von Kellerfunden bis Beuys’ „Heiligem Rock“. Viel Lokalkolorit, kleine Preise, große Namen. Ein Werk sorgt für Staunen, doch bleibt unverkauft.

Der Heilige Rock, also das angebliche Gewand von Jesus Christus, wird in Trier verehrt und wurde dort in den letzten 200 Jahren nur sechs Mal ausgestellt. Am Samstag war es in Pirmasens zu sehen. Zumindest eine kleinere Version davon. Die allerdings hat auch einen gewissen Wert: Sie stammt nämlich vom berühmten Künstler Joseph Beuys. Der Kunstverein versteigerte das Werk für einen Startpreis von 35.000 Euro.

Erstmals hatte der Pirmasenser Kunstverein für Samstag in sein Vereinsdomizil, die Villa im Neufferpark, zu einer Kunstauktion eingeladen. „Abgehängt – abgestaubt! Vom Keller zum Heller“ lautete das Motto. Insgesamt rund 100 Kunstwerke wurden angeboten, teils wirkliche Kellerfunde, teils Spenden an den Verein, teils Werke von regionalen Künstlern, aber auch Werke von Kunstschaffenden, die schon international auf sich aufmerksam gemacht haben. Die Bandbreite reichte von Landschaftsmalereien, über maritime Motive bis hin zu abstrakter Kunst, asiatischen Zeichnungen und auch eine Skulptur fand sich unter den angebotenen Stücken. Begeistert von der Vielfalt und der Qualität der eingegangenen Werke zeigte sich Kunstvereinsvorstand Frederic Krämer beim Rundgang durch die Ausstellung vor der Auktion.

Kellerfund eines syrischen Künstlers

Während der Heilige Rock mit einem Startpreis von 35.000 Euro das mit Abstand teuerste angebotene Werk war, gab es auch deutlich günstigere Bilder, die bisweilen schon mit einem zweistelligen Startpreis in die Auktion gingen. Ein unerwarteter Höhepunkt unter den Bildern war ein Kellerfund des syrisch-deutschen Künstlers Marwan. Das Werk mit dem Titel „Spiegelung“ wurde mit 5000 Euro aufgerufen, fand aber letztlich keinen Käufer.

Bietergefecht um Burg Drachenfels

Ein wahres Bietergefecht hingegen lieferten sich zwei Männer um ein Gemälde, das ein Motiv aus der Südwestpfalz zeigt: die Burg Drachenfels bei Busenberg. 250 Euro wurden zunächst aufgerufen. In Zehn-Euro-Schritten ging es bis zu 410 Euro – dem endgültigen Verkaufspreis.

Das Werk von Joseph Beuys stößt bei der Ausstellung vor der Versteigerung auf großes Interesse.
Das Werk von Joseph Beuys stößt bei der Ausstellung vor der Versteigerung auf großes Interesse.

So spannend ging es jedoch nur selten zu. Meist endete der Bieterwettstreit nach zwei oder drei Angeboten. Einige Werke fanden überhaupt keine Interessenten, andere wiederum lediglich eine einzige Person, die sich dafür interessierte.

Rahmen „mit Heizwert“

Kunstvereinsvorsitzender Krämer moderierte routiniert durch die Auktion. Zwar ist er im normalen Leben Lehrer, aber am Samstag wirkte es, als ob an ihm ein Auktionator verloren gegangen wäre. So glänzte er bisweilen mit charmantem Humor, wenn er etwa ein Werk, das auf wenig Interesse gestoßen war, mit den Wort anpries: „Der Rahmen hat immerhin einen gewissen Heizwert.“

OB sichert sich ein Schnäppchen

Zu jedem Werk hatte Krämer ein paar Sätze parat, informierte kurz über den Künstler und das Alter und weitere Details – soweit die bekannt waren. Wenn auch die Werke beziehungsweise deren Erschaffer nicht immer prominent waren, so verfügte der ein der andere Käufer durchaus über einen gewissen Bekanntheitsgrad. Oberbürgermeister Markus Zwick beispielsweise sicherte sich eine Serie von fünf Stichen, die einen besonderen Charme versprühten. Die Werke stammen aus dem späten 18. Jahrhundert und zeigen Rotwild mit teils deformiertem Geweih. Angeblich sollen es die Tiere sein, die der Vater des Pirmasenser Stadtgründers, Ludwig VIII., erlegt hat. Der heutige Landgraf, Pardon: das heutige Stadtoberhaupt sicherte sich die fünf Werke, die auf überschaubare Nachfrage gestoßen waren für einen Preis von zehn Euro.

Ein gewisser Peter Haußer hat diese Szene aus dem Kreuzweg 1677 gemalt.
Ein gewisser Peter Haußer hat diese Szene aus dem Kreuzweg 1677 gemalt.

Die Stiche aus dem 18. Jahrhundert waren dabei jedoch nicht die ältesten Objekte, die am Samstag unter den Hammer kamen. Als „echte sakrale Kunst“ preiste Krämer eine historische Malerei auf Eichenholz an. Sie stammt laut einer Inschrift auf der Rückseite aus dem Jahr 1677 und wurde von einem Peter Haußer angefertigt. Das Motiv ist die fünfte Station des Kreuzwegs: Jesus fällt zum ersten Mal. 450 Euro waren der Startpreis für das gut erhaltene Stück, das allerdings auf wenig Resonanz stieß.

Interesse an Pirmasenser Motiven

Ganz anders hingegen Werke des Pirmasenser Künstler Ludwig Petzinger. Sowohl hiesige Motive als auch eine Landschaftsmalerei fanden Anklang bei den knapp 50 Besuchern, von denen einen Großteil weiblich und jenseits der 60-Jahre-Grenze war. Motive mit Bezug zu Pirmasens fanden mehrfach ihre Käufer, etwa eine Bleistiftzeichnung von Ludwig Kieffer, die die Schloßstraße vor dem Krieg zeigte, für 20 Euro. Eine Radierung von Edgar Blum startete bei einem Preis von 80 Euro und konnte letztlich sogar 130 Euro erzielen. Aus dem Stand bot eine Frau 50 Euro für ein Bild, das die Neustraße vor dem Krieg zeigt: „Ich habe eine besondere Beziehung zu der Straße, erklärte die Frau den Kauf.

Der Heilige Rock mit Fettflecken an den Armen – ein signiertes Kunstwerk von Joseph Beuys.
Der Heilige Rock mit Fettflecken an den Armen – ein signiertes Kunstwerk von Joseph Beuys.

Der Heilige Rock von Beuys, erklärte Krämer, sei über einen Geschäftsmann an den Kunstverein angetragen worden. Dieser wiederum habe ihn von einem Kunden in Kommission genommen, nachdem der seine Rechnungen nicht bezahlt hatte. Deutschlandweit existiert laut Krämer nur eine vergleichbare, signierte Version des Werks. Es wurde 2018 beim traditionsreichen Auktionshaus Sotheby’s für 28.000 Euro verkauft.

Eine vergleichbare Sensation blieb am Samstag beim Kunstverein in Pirmasens aus. Zwar bot niemand die geforderten 35.000 Euro – oder gar mehr – für den Heiligen Rock von Beuys, aber die Verantwortlichen sind dennoch zufrieden: Sie haben 50 Kunstwerke versteigern können und 4000 Euro umgesetzt. Eine zweite Auflage ist schon geplant.

Mehr zum Thema
Stierkopf und St. Pirmin: Die Wahrzeichen von Pirmasens zieren auch den neuen Newsletter der RHEINPFALZ

Kennen Sie schon unseren Pirmasens-Newsletter?

Der Name ist Programm: „PS Exklusiv“ versorgt Sie mit ausgewählten Nachrichten und Hintergründen. Sie werden von der Leitung der Pirmasenser Lokalredaktion aus erster Hand informiert. Mal augenzwinkernd, mal ironisch oder knallhart kommentiert, aber immer exklusiv: aus Pirmasens für Pirmasens und die Südwestpfalz.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x