Wer schafft’s
Warum die Arbeitgeber ausländisches Personal brauchen werden
Wer spontan unter der Woche essen gehen will, hat es gar nicht so leicht. Vermehrt haben Restaurants nicht mehr nur einen Ruhetag, sondern öffnen nur noch von Donnerstag bis Sonntag. Wer mittags etwas essen gehen will, der sollte das vorher ebenfalls gut planen, denn auch der klassische Mittagstisch ist deutlich seltener geworden. Andere Restaurants haben die Anzahl ihrer Sitzplätze reduziert. Ein Grund dafür ist der Personalmangel in der Gastronomie, der sich infolge der Corona-Pandemie noch deutlicher zeigt als zuvor.
Wer auf einen Termin im Krankenhaus oder bei Handwerkern wartet, kann ebenfalls ein Lied singen vom vielbeklagten Fachkräftemangel. Eine schnelle Lösung des Problems ist nicht in Sicht, aber vermehrt richten die Verantwortlichen den Blick über die Grenzen Deutschlands hinaus.
Für die Südwestpfalz liegen keine Zahlen vor, aber eine bundesweite Berechnung der Agentur für Arbeit geht davon aus, dass es jährlich (!) eine Zuwanderung von 400.000 Arbeitskräften bräuchte, um das Angebot an Arbeitskräften konstant zu halten.
Flüchtlinge oder Zuwanderer?
Dabei unterscheiden die Verantwortlichen zwischen Flüchtlingen gezielter Zuwanderung, beziehungsweise gezielter Anwerbung von Arbeitern im Ausland. In beiden Fällen gilt die Sprache jedoch als Grundvoraussetzung, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
„Das Thema ist in der Region angekommen“, sagt Ronny Kobel. Er unterstützt Arbeitgeber seitens der Agentur für Arbeit bei der Suche nach Mitarbeitern. Er sagt, ausländische Fachkräfte seien ein wichtiger Faktor, um die Beschäftigungsquote in der Südwestpfalz überhaupt halten zu können.
Keine kurzfristige Lösung
Die Agentur für Arbeit, die viele vor allem mit Arbeitslosigkeit verbinden, steht in diesem Fall aber auch Firmen zu Seite, um das anspruchsvolle Verfahren zu meistern. Und so viel sei vorweg gesagt: Ausländische Arbeitskräfte sind keine kurzfristige Lösung.
Ein Dolmetscher unterstützt einen ersten Online-Kontakt zwischen Arbeitgeber und potenziellem Arbeitnehmer. Werden sich die beiden Seiten einig, folgt die Sprachqualifizierung im Heimatland, die schnell mal ein halbes Jahr dauern kann. Von Fachkräften wird in der Regel das Niveau A2 erwartet, sie sollen also Sätze, die bekannte Wörter und Wendungen enthalten, verstehen. Bei Azubis wir d B1 erwartet, sie müssen dafür aus einer deutlich gesprochenen Unterhaltung über vertraute Themen wie Schule, Arbeit, Freizeit oder Reisen die wichtigsten Punkte herausfiltern können. Die notwendigen Prüfungen werden meist beim Goethe-Institut in den Heimatländern absolviert.
Stichwort Azubis: Im Gegensatz zu vielen deutschen Auszubildenden sind die ausländischen Lehrlinge deutlich älter, etwa Mitte 20. Zudem hätten sie fast alle Abitur, berichtet Kobel.
Arbeitgeber zahlen Anreise
Die Kosten für die Anreise bezahlt der Arbeitgeber. Er unterstützt den neuen Mitarbeiter zudem bei der Suche nach einer Unterkunft. „Es braucht Kümmerer in den Betrieben“, sagt Peter Weißler, der Leiter der hiesigen Agentur für Arbeit. Die Leute müssten betreut werden, beispielsweise bei der Eröffnung eines Kontos oder, wenn es um eine Krankenkasse geht.
Die ersten im Ausland gezielt rekrutierten Arbeitskräfte seien bereits in der Region angekommen, berichten Weißler und Kobel. In den kommenden Monaten will die Arbeitsagentur gezielt auf Betriebe zugehen und jetzt schon für die Ausbildungsjahre 2024 und 2025 werben.
Geworben werden die Fachkräfte laut Weißler und Kobel nur in Ländern, die selbst keinen Arbeitskräftemangel haben. So gibt es etwa Absprachen, Ärzte und Köche aus Mexiko anzuwerben. Elektroniker werden in Tunesien und Ägypten von deutscher Seite angesprochen, Verfahrensmechaniker in Marokko. Gut möglich, dass Fachkräfte aus diesen Ländern in nicht allzuweiter Zukunft den Alltag auch in der Südwestpfalz prägen.
Kontakt
Arbeitgeber, die sich für ausländische Fachkräfte oder Azubis interessieren, können sich an Ronny Kobel wenden, Telefon 06331 147375, ;Mail: ronny.kobel@arbeitsagentur.de