Pirmasens / Abu Dhabi
Wüste statt Pfälzerwald: Fürs Praktikum nach Abu Dhabi
Wer sich durch ein Studium der Rechtswissenschaften zum Juristen aufschwingen will, muss nicht nur Paragrafen pauken, sondern auch mehrere Praktika absolvieren. In aller Regel gelten die Kanzlei um die Ecke oder das örtliche Amtsgericht als simpelste Anlaufstellen. Der Pirmasenser Jan Weimann hat eine Nummer größer gedacht: Der 23-Jährige hat zwei Monate in der deutschen Botschaft in Abu Dhabi verbracht – der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Mittlerweile studiert Weimann, der seit diesem Jahr für die CDU im Pirmasenser Stadtrat sitzt, im siebten Semester an der Uni Heidelberg. „Es geht in Richtung Examensvorbereitung“, sagt er – wohlwissend, dass ihn anstrengende Monate und Jahre erwarten. Schon vor mehr als einem Jahr hat er sich für ein Praktikum beim Auswärtigen Amt beworben. „Ich fand es schon lange spannend, mal etwas im Ausland zu machen. Ein ganzes Semester oder Jahr wäre mir aber zu lange, deshalb waren die acht Wochen ein guter Kompromiss“, berichtet er. Bei seiner Bewerbung konnte er bis zu neun verschiedene Orte angeben, an denen er sich vorstellen könnte, kurzfristig zu arbeiten. Seine Auswahl war bunt gemischt, reichte sie doch von Brüssel über den Vatikan bis nach Madagaskar. Und eben Abu Dhabi. „Abu Dhabi beziehungsweise die VAE fand ich interessant, weil die wirtschaftliche Bedeutung immer größer wird. Außerdem haben sie ein ganz anderes Staatsverständnis“, begründet Weimann seine Wahl.
Mit dem Rad über die Formel-1-Strecke
Dank einer guten Bewerbung – und einigen Monaten Geduld – bekam Weimann schließlich eine Zusage, um von Mitte August bis Mitte Oktober in der deutschen Botschaft auszuhelfen. Seine Aufgaben dort gingen weit über juristische hinaus, wie der 23-Jährige erzählt: „Es ist vergleichbar mit der Arbeit in einem Bundestagsbüro, wo ich auch schon mal ein Praktikum machen durfte. Ich hatte politische, wirtschaftliche und kulturelle Themen auf dem Tisch.“ Zudem hat er dabei geholfen, Veranstaltungen in der Botschaft zu organisieren, besuchte aber auch solche in den Niederlassungen anderer Nationen. „Egal, wo man hingeht, ist man ein Repräsentant seines Landes – selbst als Praktikant“, sagt er. Wirklich juristisch ging es im Konsularbereich zu. Darüber darf Weimann aber wegen einer Verschwiegenheitserklärung nicht sprechen.
Während seinen zwei Monaten fernab der Heimat stand aber nicht nur die Arbeit im Vordergrund. „Es war gut, dass der Zeitraum begrenzt war. So zwingt man sich dazu, möglichst viel zu unternehmen“, so Weimann. Ganz allein musste der Pirmasenser aber nicht auf Entdeckungstour gehen: „In der deutschen Botschaft gab es noch einen zweiten Praktikanten und wir konnten uns mit Praktikanten aus anderen europäischen Ländern vernetzen“, berichtet er. Neben Wüstensafaris und einer Fahrradtour über die Formel-1-Strecke in Abu Dhabi nutzte er die Wochenenden für Kurztrips in umliegende Länder. „Mit Praktikanten aus Dänemark und Norwegen war ich ein Wochenende im Oman. Es ist krass, mit Leuten, die man eigentlich gar nicht kennt, ein fremdes Land zu erkunden“, erzählt Weimann. Die Zeit reichte auch für Abstecher nach Bahrain, Kuwait und Indien. Wenig überzeugt hat ihn allerdings Dubai: „Ich verstehe nicht, was daran so besonders sein soll. Für mich ist es nur eine große Shopping-Mall. Da muss ich nicht noch mal hin.“
„Viel zu heimatverbunden“
Obwohl Weimann auf eine „supercoole Erfahrung“ zurückblickt, sei es für ihn aktuell unvorstellbar, nach seinem Studium langfristig im Ausland zu arbeiten. „Dafür bin ich viel zu heimatverbunden“, sagt er und ergänzt: „Da fehlen schon die Vorzüge, im Pfälzerwald zu wohnen. Vor allem, wenn man den ganzen Tag nur Wüste sieht.“