Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Land in die Stadt: Raquet Bestattungen eröffnet Ladengeschäft am Exe

Christof und Martina Heß leiten das Bestattungsinstitut Raquet. Mitarbeiterin Gina Feldner (rechts) ist seit September dabei.
Christof und Martina Heß leiten das Bestattungsinstitut Raquet. Mitarbeiterin Gina Feldner (rechts) ist seit September dabei.

In der Pirmasenser Innenstadt gibt es einen weiteren Bestatter. Christof Heß von Raquet Bestattungen freut sich über einen Luxus-Standort – besonders in Sachen Bürokratie.

Seit rund fünf Jahren leitet Christof Heß das Bestattungsinstitut Raquet. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Betrieb einen Namen in der Südwestpfalz gemacht. Gerade im ländlicheren Bereich, Heß nennt Thaleischweiler-Fröschen und Höheinöd als Beispiele, kümmere sich das Unternehmen mit Sitz in Petersberg um eine Vielzahl an Beerdigungen. Das soll, wenn es nach dem Geschäftsführer geht, auch in den kommenden Jahrzehnten so bleiben.

Künftig will das Bestattungsinstitut gezielt mehr Kundschaft in Pirmasens ansprechen. „Wir haben ganz gezielt nach einer Immobilie in der Stadt gesucht“, sagt Christof Heß. Zentraler hätte er nicht fündig werden können: Seit Ende November hat Raquet Bestattungen ein Ladengeschäft in der Schlossstraße, direkt gegenüber vom Exerzierplatz. Ein Grund für die Expansion sieht Heß im neuen rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetz. „Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Thema Vorsorge und beobachten, dass der Beratungsbedarf deutlich größer geworden ist.“

Viele offene Fragen

Durch das neue Gesetz ist es unter anderem erlaubt, Flussbestattungen durchzuführen oder die Asche von Angehörigen zu Hause aufzubewahren. All das geht nur, wenn es vor dem Ableben in einer sogenannten Totenfürsorgeverfügung schriftlich festgehalten wurde. Obwohl das Gesetz bereits im September verabschiedet wurde, stehen noch etliche offene Fragen im Raum. „Es gibt noch Klärungsbedarf, was die Durchführung angeht“, berichtet Heß. So gebe es etwa noch keine Vorgaben dafür, an welchen Stellen Asche in Flüssen verstreut werden darf oder wie mit daheim aufbewahrter Asche umzugehen ist, wenn der „Besitzer“ selbst stirbt.

Nichtsdestotrotz seien bei Raquet Bestattungen bereits einige Vorsorgeverträge geschlossen worden. „Die meisten wollen, dass ihre Hinterbliebenen die Urne mit nach Hause nehmen können“, weiß der Bestatter. Aufgrund dieser Nachfrage denkt Heß darüber nach, feierliche Ascheübergaben in den neuen Räumlichkeiten am Exe anzubieten. „Was sonst in der Friedhofshalle wäre, können wir bei uns im engsten Kreis machen – mit Musik, einem Redner und entsprechender Dekoration“, so der Geschäftsführer.

Es wird mehr gesprochen

Obwohl Heß das neue Bestattungsgesetz grundsätzlich nicht ablehnt, gebe es auch Nachteile: „Wenn eine Urne zu Hause aufgestellt wird, nimmt man Freunden und Bekannten des Verstorbenen einen Ort der Trauer, den sie jederzeit besuchen können.“ Deshalb bevorzuge er persönlich nach wie vor den Friedhof. „Der ist öffentlich. Jeder kann hingehen und auf seine Weise trauern“, sagt Heß.

Der Bestatter empfiehlt, dass sich Familien intern mit dem Thema beschäftigen. Generell beobachte er bereits eine positive Entwicklung: „Es ist kein Tabuthema mehr. Es wird viel mehr über das Sterben und Tod gesprochen.“ Sowohl in Petersberg als auch in Pirmasens biete er dafür unverbindliche Beratungstermine an.

„Weg zum Standesamt lässt sich nicht vermeiden“

Ein Dauerthema für Heß – sowie für alle Bestatter – ist die Bürokratie. „Wir arbeiten mit unterschiedlichen Voraussetzungen“, klagt er. Zwar werde versucht, den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich zu halten, doch das liege nicht allein in der Hand der Bestattungsinstitute. „Manche Standesämter verlangen bei allen Dokumenten das Original, bei anderen reicht es aus, wenn man sie per Mail schickt“, berichtet Heß. Die Totenbescheinigung muss allerdings grundsätzlich im Original vorgelegt werden. „Der Weg zum Standesamt lässt sich nicht vermeiden“, sagt Heß. Sein neuer Pirmasenser Standort gleicht in dieser Hinsicht einem Sechser im Lotto. „Das hier ist ein Luxus-Standort. Das Standesamt ist nur einen Steinwurf entfernt.“

Neben Christof Heß arbeitet seine Frau Martina im Betrieb. Sie kümmert sich um die Buchhaltung, hilft aber auch bei Einbettungen und Überführungen. Seit September bekommt das Paar Unterstützung von einer Mitarbeiterin. Die 27-jährige Gina Feldner ist ganz frisch in dem Beruf. „Es gibt seit einiger Zeit einen Trend, dass immer mehr junge Frauen in die Branche einsteigen“, erzählt sie. Feldner hat die letzten Jahre im Ausland verbracht und im Tourismus gearbeitet. Dabei kam sie erstmals in Kontakt mit dem Kernthema ihres jetzigen Berufs: dem Tod. „Ich habe dort Erfahrungen mit verstorbenen Urlaubern gemacht“, berichtet die 27-Jährige. Mit der Entscheidung wieder in die Südwestpfalz zu kommen, entschied sich Feldner für den Quereinstieg bei einem Bestatter. Für das kommende Jahr habe sie bereits verschiedene Fortbildungen geplant. „Später legt sie idealerweise ihre Meisterprüfung ab“, sagt ihr Chef.

Zum Start am neuen Standort sind laut Christof Heß Beratungsgespräche noch mit einem Termin möglich. „Langfristig wollen wir feste Öffnungszeiten anbieten“, kündigt er an.

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