Pirmasens / Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Versuchter Mord wegen hustendem Mitbewohner

Im Oktober kam es zu dem Brand am Beethovenplatz auf dem Kirchberg.
Im Oktober kam es zu dem Brand am Beethovenplatz auf dem Kirchberg.

Weil sein Mitbewohner zu laut hustet, setzt ein 19-Jähriger die eigene Wohnung in Brand. Vor Gericht inszeniert sich der Angeklagte als Opfer einer Verschwörung.

Paranoia, Wut, Angst, Schlafmangel – all das führt ein 19-Jähriger, der zuletzt auf dem Kirchberg in Pirmasens lebte, als Gründe an, für eine Tat, die ihm einen Platz auf der Anklagebank des Zweibrücker Landgerichts bescherte. Der junge Mann soll seine eigene Wohnung in Brand gesetzt haben – in der Absicht seinen Mitbewohner zu töten, weil dieser zu laut gehustet haben soll. Dabei soll der Angeklagte, so die Staatsanwaltschaft, den Tod von vier weiteren Personen, die zum Tatzeitpunkt im Gebäude waren, zumindest billigend in Kauf genommen haben. Basierend auf einem Gutachten geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Angeklagte aufgrund einer vorübergehenden psychotischen Störung – hervorgerufen durch Cannabis – vermindert schulfähig ist.

Noch bevor es um die eigentliche Tat geht, gibt es Zweifel am Alter des Angeklagten. 19 Jahre alt ist der gebürtige Afghane laut dem Datum, das er bei seiner Einreise nach Deutschland angab. In Wahrheit soll er zur Tatzeit im Oktober 2025 bereits älter als 21 gewesen sein, sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Laut dem Vorsitzenden Richter, Andreas Herzog liefern „wissenschaftliche Erkenntnisse“ den Beweis dafür, ohne Details zu nennen. Das ist wichtig, weil es ausschlaggebend dafür ist, ob der Angeklagte nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht verurteilt wird.

„Die haben sich nicht verstanden“

Seine Wohnung am Beethovenplatz habe der Angeklagte vom Pirmasenser Sozialamt vermittelt bekommen. Er selbst zog dort Anfang 2025 ein, ab September wurde ein heute 22-jähriger Pakistani sein Mitbewohner. „Die beiden haben sich nicht verstanden“, sagte der Vermieter der beiden vor Gericht. Der 83-Jährige lebte bis zu dem Brand gemeinsam mit seiner Ehefrau in der Wohnung über den beiden jungen Männern. Was genau zwischen ihnen vorgefallen ist, wisse er aber nicht.

Laut Anklage gerieten die Mitbewohner schon am Vormittag des Brandtags aneinander. Der junge Afghane soll sich derart vom Husten seines Wohnungsgenossen gestört gefühlt haben, dass er gegen dessen Zimmertür hämmerte, um ihn zur Rede zu stellen. Vor Gericht beteuerte der Angeklagte, dass sein Mitbewohner nicht husten musste, weil er krank war, sondern das absichtlich machte, um ihn zu quälen. „Das war kein einfacher Husten – das war zigfach innerhalb von Sekunden“, sagte er. Der Dauerhusten habe ihn drei Nächte lang nicht schlafen lassen.

Mitbewohner mit dem Tod gedroht

Sein ehemaliger Mitbewohner schilderte dem Gericht den Streit. So soll der Angeklagte ihm gedroht haben, ihn umzubringen, wenn er nicht aufhört zu husten. „Ich habe das ignoriert. Ich dachte, er will mir nur Angst machen“, berichtete der junge Pakistani. Schließlich habe der Angeklagte ihn attackiert und dabei mit einem Gegenstand – einer Schraubzwinge – gegen seinen Hinterkopf geschlagen. Der 22-Jährige erlitt dadurch eine blutende Wunde am Hinterkopf.

Noch am selben Abend erreichte der Streit eine ganz neue Eskalationsstufe. „Ich musste nachts wieder husten“, sagte der Pakistani. Das soll den Angeklagten dazu bewegt haben, ein Öl-Benzin-Gemisch unter der Zimmertür seines Mitbewohners durchzuschütten und anzuzünden. „Das Feuer hat sich schnell im ganzen Zimmer verbreitet“, erinnerte sich der 22-Jährige. Durch eine Verpuffung ging zudem die Fensterscheibe zu Bruch. Das rettete dem jungen Mann womöglich das Leben: „Ich habe nicht lange überlegt und bin aus dem Fenster gesprungen.“

Bewohner verhindern Schlimmeres

Das Feuer konnte in der Folge schnell unter Kontrolle gebracht werden. Der Sohn des Vermieters, der im obersten Stockwerk des Hauses lebte, eilte herunter und begann mit Löscharbeiten – sein Vater und der junge Pakistani unterstützten ihn dabei. Als die Pirmasenser Feuerwehr eintraf, war der Brand schon weitestgehend gelöscht. Das berichtete Einsatzleiter Tobias Roscher bereits am Tag nach dem Brand dieser Zeitung. Das Mehrfamilienhaus ist seit jenem Oktoberabend trotzdem unbewohnbar. Laut dem Hausbesitzer beziffert die Versicherung den Schaden auf rund 90.000 Euro.

Der Angeklagte hingegen hat andere Erinnerungen an die Tat. „Ich habe nur ein kleines Feuer gemacht“, sagte er und ergänzte, dass es eigentlich nur eine Stichflamme gab, die direkt wieder ausging. Er selbst sei direkt geflüchtet, als er den Sohn seines Vermieters die Treppe runterkommen hörte. „Ich dachte, die wollen mich alle zusammen verprügeln.“ Der Afghane ist davon überzeugt, dass sein Mitbewohner und sein Vermieter erst dafür gesorgt hätten, dass aus dem „kleinen Feuer“ ein großer Brand wurde. „Die wollten mich loswerden und dass ich im Gefängnis lande“, so der Angeklagte, der immer wieder beteuerte, niemanden verletzen zu wollen. Nach mehreren Nachfragen der Kammer zu seinen Beweggründen räumte er letztlich ein: „Ich habe das Feuer aus Wut gelegt.“

Der Prozess wird am Mittwoch, 15. April, um 9 Uhr fortgesetzt.

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