Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Verfallene Wohnblocks werden saniert

In den Tannen Auf dem ganzen Gelände der Wohnsiedlung liegt Müll, Fenster und Türen stehen offen. Es sind aber schon Handwerker
In den Tannen Auf dem ganzen Gelände der Wohnsiedlung liegt Müll, Fenster und Türen stehen offen. Es sind aber schon Handwerker im Einsatz.

Für die fünf Wohnblocks „In den Tannen“ hat sich ein Käufer gefunden. Sogar mit der Sanierung wurde schon begonnen. Es wird allerdings bei einzelnen Wohnungen schwierig sein.

Das als „Happy Forest Quarter“ gestartete Projekt hatte vor zehn Jahren überregionale Aufmerksamkeit erregt, weil angeblich kuwaitische Touristen dort eine buchstäbliche Sommerfrische finden wollten. 2014 hatte ein Investor aus dem Nahen Osten zusammen mit einem Frankfurter Anwalt die fünf Wohnblocks mit 68 Wohnungen gekauft und schon bald mit dem Weiterverkauf als Eigentumswohnungen begonnen.

Angeboten wurden die Einheiten insbesondere Geschäftsleuten aus dem Nahen Osten, China, Vietnam, Sudan und dem Jemen. Mit der Wohnung zusammen bekamen die meist im Import-Export tätigen Unternehmer auch eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland. Viele wohnten nie in den nur einfach sanierten Wohnungen am Sommerwald. Die Aufenthaltsgenehmigung war das Wichtigste. Zeitweise waren an Briefkästen der Wohnungen mehr als vier Unternehmen aufgelistet, die von einem sogenannten Businesscenter geleert wurden.

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Vor zwei Jahren gab es schließlich eine Razzia in einzelnen Wohnungen, dem Frankfurter Anwaltsbüro und einem Saarbrücker Büro. Von „Edelschleusung“ war die Rede. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat inzwischen Anklage gegen mehrere Beteiligte erhoben. Die Wohnblocks gingen mit der Eigentümer-Gesellschaft GK Real Estate in Insolvenz. Die Firma ist inzwischen liquidiert.

In den Tannen Auf dem Gelände der Wohnsiedlung „In den Tannen“ tut sich was.
In den Tannen Auf dem Gelände der Wohnsiedlung »In den Tannen« tut sich was.

Vor Ort „In den Tannen“ sieht es immer schlimmer aus. Überall liegt Müll. Der Bewuchs greift um sich. Auf einer Hauswand prangt der Schriftzug „Stopp Privat“. Haustüren stehen sperrangelweit offen. Nur in einem Wohnblock wohnen noch mehrere Familien aus Vietnam und China. Andere sind inzwischen ausgezogen. Im April hatte es ein Problem mit dem Heizdienstleister gegeben, der die Wärmelieferung vorübergehend abstellte, weil GK Real Estate nichts mehr zahlte, obwohl die Bewohner ihre Abschläge gezahlt hätten, wie sie gegenüber dieser Zeitung versicherten.

Jetzt soll es wieder aufwärts gehen: Es wird inzwischen in mehreren Wohnblocks gearbeitet. Eine renommierte Pirmasenser Heizungsfirma ist mit drei Mann im Einsatz. Einzelne Wohnungen werden an die Gaszentralheizung angeschlossen. In mehreren Wohnungen arbeiten polnische Handwerker am Innenausbau.

Neuer Eigentümer ist vom Fach

Eine baden-württembergische Immobilienfirma hat die Wohnblocks gekauft, soweit diese noch nicht in Eigentumswohnungen überführt worden waren. Der neue Eigentümer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist in Pirmasens kein Unbekannter. Mehrere andere Objekte mit vielen Wohnungen gehören dem Unternehmer bereits und sind vermietet. Die Wohnungen im Winzler-Viertel und auf dem Horeb machen einen gepflegten Eindruck. Das soll „In den Tannen“ auch so sein, verspricht der Unternehmer.

„Die müssen alle saniert werden“, erzählt der Mann. Manche der Wohnblöcke habe er komplett kaufen können. Andere teilt er sich mit einzelnen Wohnungseigentümern, von denen er zwar gerne die Wohnung abkaufen würde, was jedoch nicht immer gelinge. „Das wird nie der Fall sein“, meint der Unternehmer und verweist auf Wohnungsbesitzer, die irgendwo in Saudi-Arabien oder Fernost sitzen und überhaupt nicht auf Anfragen reagierten.

Aktuell sei er mit der Grundsanierung aller Wohnungen beschäftigt, die er kaufen konnte. Auch die Wohnungen werden überarbeitet, die von dem Vorbesitzer angeblich bereits saniert waren. „Die waren nie zum Wohnen gedacht“, so die Einschätzung des neuen Besitzers. Viele der Wohnungen seien mehr als Schauwohnungen hergerichtet worden. Bei den meisten fehle sogar der Anschluss an die Heizung.

Außengelände wird hergerichtet

Der Unternehmer will die Heizanlage von dem Dienstleister übernehmen und künftig alles aus einer Hand für die Mieter und Eigentumswohnungsbesitzer anbieten. Die ersten sanierten Wohnungen habe er bereits wieder an den Markt gebracht und zur Neuvermietung inseriert. 372 Euro Kaltmiete will er für eine Dreizimmerwohnung mit 73 Quadratmetern Wohnfläche.

Wenn weitere Wohnungen fertig sind, soll auch das Außengelände aufbereitet und der Baumbewuchs zurückgeschnitten werden, kündigte er an. „Das wird kein Schandfleck mehr sein“, so der Unternehmer.

Was er investieren muss, kann er noch nicht sagen. Es werde aber eine sehr große Summe sein, schätzt der Investor. Für Probleme sorgten derzeit vermeintliche Käufer mehrerer Eigentumswohnungen, die sich bei ihm gemeldet hätten. Diese behaupteten, von einem Anwalt Wohnungen gekauft zu haben. Im Grundbuch sei jedoch nichts eingetragen.

In einem Wohnblock haben die Stadtwerke im April Strom und Wasser abgestellt. Firmen, die angeblich unter der Adresse „In den Tannen“ angesiedelt waren, sorgen weiterhin für Arbeit bei den Behörden. Das Finanzamt beispielsweise hat an ein dortiges Unternehmen eine öffentliche Zustellung der Steuerbescheide für 2022 vollziehen müssen. Diese sind jetzt im Internet zu sehen, weil sich von dem Unternehmen niemand gemeldet hat und der Bescheid nicht zustellbar war.

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