Pirmasens
Tierdarstellungen in der Alten Post
Ziegen, Vögel, Rinder, Rehe und Raubkatzen schauen da von den Wänden den Betrachter an. Metergroße Leinwände hat der 1965 geborene Künstler mit der Technik des Holzschnitts gefüllt. Viel weißen Raum hat Shek gelassen. Das Tier steht absolut im Mittelpunkt, ist aber nicht selbst direkt der Gegenstand. Manche Darstellungen lassen bewusst offen, um welches Tier es sich hier genau handelt. Ist es nun ein Hund oder ein Reh, was da auf der Leinwand springt? Es soll mehr die Ahnung des Tiers sein.
Abi Shek ist mit vielen Tieren groß geworden in einem israelischen Kibbuz und hat die Tiere mitgenommen in seine Kunst. Er beschreibt aber nicht die Tierart oder das speziell gezeigte Tier wie ein Biologe. Das Tierische an sich fesselt den Künstler, und über das Tierische kommt er zum Menschen. Die Tiere sollen auch Menschen zeigen, erzählt der Künstler und schickt damit den Betrachter auf eine Gedankenreise zu Aspekten eines Hasen in sich selbst oder des Rinds, das in einer ganz besonderen Pose den Besucher ansieht.
Tagelange Arbeit am Tier
Das Tier wird zu etwas Außergewöhnlichem in den Bildern Sheks erhoben. Auf DIN-A4-Blättern entwickelt er immer seine Figuren mit Tusche und Pinsel. Dann folgt die Umsetzung in den Holzschnitt. Große Holzplatten stehen in Sheks Atelier, auf denen in tagelanger Arbeit die Tierfigur ausgeschnitten wurde, um sie dann mit Farbe einzufärben und auf die Leinwände per Handabzug aufzutragen. Das Druckergebnis belässt er nicht und arbeitet die Figur stellenweise mit weißer oder schwarzer Farbe nochmal nach. Shek hat eine genaue Vorstellung von Haltung und Ausdruck des Tiers, das er zeigen will und die setzt er auf den Zentimeter genau um.
Die Motive haben eine bestimmte Auflage. Die dient aber nur als Begrenzung in der Zukunft. Shek druckt nicht in einer Reihe gleich alle zehn Exemplare einer Reihe. Erst wenn ein Bild verkauft wurde, werde das nächste gedruckt, erzählt er. Auch ein Künstler wie Abi Shek muss mit seinem Platzangebot haushalten, sonst würde er in kürzester Zeit vom eigenen Werk erdrückt.
Zwischen Tier und Mensch
Viele der in Pirmasens zu sehenden Arbeiten wurden zusätzlich mit blauen Elementen ergänzt. Die hat der Künstler mit dem Pinsel immer individuell dazu gefügt. Das helle Blau kontrastiert maximal mit dem vollflächigen Schwarz, das alles zu schlucken scheint. Im Blau erlaubt der Künstler auch Schattierungen und Wellen.
Shek verzichtet auf Bildtitel, lässt die genaue Tierart offen. Der Betrachter muss selbst die Geschichten erzählen, die sich zwischen Tier und Mensch und zwischen den im Raum hängenden Tieren ergeben. Die Hängung ist dem Künstler sehr wichtig, ebenso wie das Format des Bildes. Der in Stuttgart lebende Israeli will nichts dem Zufall überlassen. Und so können bis zum 11. April die Besucher in die Räume der Alten Post treten und ihre eigenen Geschichten mit den Tieren entwickeln. Was sagt der Hase? Wieso wird hier ein Fisch gezeigt und ist der Adler auf den beiden Leinwänden gefährlich? Abi Shek schickt die Betrachter auf eine Reise zu ihrem Tier in sich selbst und den Tieren, die viele nicht mal mehr aus dem Zoo kennen.
Von Baselitz bis Grieshaber
Auf die Idee zur Ausstellung mit Abi Shek ist Kulturamtsleiterin Heike Wittmer gekommen. Kuratiert wurde die Schau von Lara Winona Basso, die ergänzend zu Shek noch 13 Holzschnitte aus den Beständen des Reutlinger Kunstmuseums ausgeliehen hat. Das dortige Museum hat eine der größten grafischen Sammlungen des Landes. In einer Ecke der Ausstellungsräume hängen nun Holzschnitte des für diese Technik berühmten HAP Grieshaber, Georg Baselitz oder Wilhelm Laage. Es sind aber auch gänzlich unbekannte Künstler dabei wie Hinrikus Bicker-Riepe, der als einer der wichtigsten Künstler Ostfrieslands zählt und eine Landschaft mit Rehen für die Ausstellung in der Alten Post beigesteuert hat. Alle 13 Holzschnitte zeigen Tiere wie Shek auch. Allerdings meist vergleichsweise üppig im Ausdruck, womit der Minimalismus des Israeli noch betont wird.
Ausstellung
Bis 11. April, mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr.