Reiten
Stadionatmosphäre in Winzeln: Drei Meister der Höhen teilen sich den Sieg
Im Westen tauchte die untergegangene Sonne den Horizont in Purpur, auf dem Springplatz des Reit- und Fahrvereins Pirmasens-Winzeln setzte das Flutlicht Reiter und Pferde in gleißendes Licht. Mehr als 300 Zuschauer sorgten dafür, dass am Samstagabend beim Barrierespringen eine Stimmung wie im Stadion herrschte. „Das Publikum hier macht eine sehr gute Stimmung, es hat sich an diesem Abend gesteigert“, sagte Heinz Roevenich. Der Stammgast aus Merzenich am Niederrhein ist der erfolgreichste Teilnehmer am Barrierespringen des Sommerturniers. Bereits sechsmal hat der 51-Jährige den Wettbewerb über die hohen Hürden gewonnen. Auch an diesem Samstagabend sollte er wieder bis zum Finale vertreten sein.
Mit elf Startern war das Feld erfreulich groß. Zwei Amazonen sattelten, neben der erfahrenen Melanie Bischoff-Zutavern trat Vivienne Wodarczyk an. Die Neunkirchenerin gehört zu den besten Nachwuchsreitern Deutschland, sie hat bereits mehrere Junioren-Nationenpreise bestritten. Am Samstag musste die 17-Jährige als jüngste Starterin im Feld aber schon in der ersten Runde die Segel streichen. Am vorletzten Sprung fiel die Stange, die letzte Hürde über 1,45 Meter passierte sie mit Oberon van’t Zorgvliet.
Das Aus kommt schon am ersten Sprung
Dass auch ganz erfahrene Reiter frühzeitig ausscheiden, erlebte der Rumäne Mihai Canta auf bittere Art. In den ersten beiden Runden des Barrierespringens ist ein Parcours mit sechs Sprüngen aufgebaut, die Höhe steigert sich von Sprung zu Sprung. Los ging es in der ersten Runde mit einer Hindernishöhe von 1,10 Metern. Am sechsten und letzten Sprung mussten 1,45 Meter überwunden werden. Dem 45-Jährigen, der im Rheinland lebt, unterlief das Maximalmissgeschick. Mit Erville Lad kassierte er am ersten Sprung einen Fehler, die folgenden fünf Hindernisse überwand er mühelos, war aber ausgeschieden.
Die Miesauerin Melanie Bischoff-Zutavern trat mit einem klaren Ziel an: „Ich wollte die zweite Runde erreichen“, sagte sie lachend. An Pfingsten in Zeiskam, wo sie ihr letztes Barrierespringen absolvierte, war es ihr wie Wodarczyk und Canta am Samstagabend ergangen, da war sie in der ersten Runde ausgeschieden. In Winzeln übererfüllte sie ihr Ziel. Mit Forestville DB schaffte sie es bis in die vierte Runde, dort wartete ein 1,75 Meter hoher Steilsprung als finale Hürde. An diesem Abend war er zu hoch für den 15-jährigen Wallach, der die oberste Stange mit den Hinterbeinen abräumte. „Heute habe ich das geschickter gemacht“, sagte die 40-Jährige, die sich über Platz vier freute. Barrierespringen sei immer mit Adrenalin verbunden, sagte sie, „ich fand’s spannend“.
Hätte Bischoff-Zutavern den letzten Sprung überwunden, dann hätte sie zu den Siegern gehört. Denn nach dem vierten von fünf möglichen Durchgängen und einer Höhe von 1,75 Metern war Schluss – das war ganz im Sinne der Pferde und der Reiter. Und so gab es ein Sieger-Trio. Das hat in Winzeln schon Tradition, genau wie zwei der drei Erstplatzierten Stammgäste auf dem Podest sind. Heinz Roevenich überwand mit Action Hope den finalen Sprung über 1,75 Meter genauso wie Mikka Roth (RFV Zeiskam) auf Rossmount Flamenco B und Wilhelm Vohrmann-Heiser (RG Berghof) auf Coconut. Wobei es Roevenich spannend gemacht hatte: An den letzten drei Springen klapperte es hörbar, aber alle blieben liegen.
Zum dritten Mal in Folge siegte der 20-jährige Freimersheimer Mikka Roth beim Winzler Barrierespringen. „Rossmount Flamenco ist ein Kämpfer. Er ist mein bestes Pferd im Stall und es ist schon etwas Besonderes, wenn man so einen hat“, sagte Roth. Bereits am Donnerstag hatte er mit dem 13-jährigen Irischen Sportpferd ein schweres Springen gewonnen. Das Barrierespringen trainiere er nicht speziell, es entspreche aber dem Springen von Reihen, eine Abfolge von Hindernissen mit steigenden Höhen, die zum normalen Springpferdetraining gehören.
Eine neue Siegerin gab es am Sonntag beim Großen Preis von Pirmasens. Thomas Kuck aus Aachen, der zuletzt zweimal in Serie mit Opium van’t Klavertje Vier gewonnen hatte, scheiterte dieses Mal schon im Normalumlauf. Am Ende triumphierte Britt Roth vor ihrem Bruder Mikka.
Beste Winzlerin war Laura Guterl, die zwei L-Springen gewann, einmal mit ihrem eigenen Pferd Donna Diarada, einmal mit Cassedyy. Sie gehörte auch zum Helferteam des Vereins, das zum Gelingen des Turniers beitrug. „Das Team war super“, lobte der Vorsitzende Maximilian Müller, der sich über die vier Turniertage freute. „Das war Hammersport, wir haben Werbung für uns gemacht“, sagte er. Müller hofft, dass der Verein in ein, zwei Jahren wieder an das Vor-Corona-Niveau der Turniere anknüpfen kann.