Pirmasens Sheryl Hackett: Eine Karriere mit Zwischenstopp in Pirmasens
In Pirmasens war Sheryl Hackett zweimal live zu erleben: Im September 1996 beim Festival „Rock im Wald“ mit der Band von Peter Maffay und noch einmal fünf Jahre später als Gesangspartnerin von Wolfgang Niedecken bei einem Bap-Konzert in der Messehalle.
In Rheinland-Pfalz, genauer in Lissendorf in der Vulkaneifel, hatte die Sängerin und Perkussionistin ein neues Zuhause gefunden, nachdem sie 1980 mit der Reggae- und Soulband Hightimes durch die Vermittlung einer Künstler-Agentur von der Karibikinsel Barbados nach Deutschland kam und beschloss, hier zu bleiben. Ihre erste Station war Mannheim. „Die haben eine Band für amerikanische Militär-Clubs gesucht. Wir sind durch ganz Deutschland getourt und waren damals in den großen Air-Force-Basen wie Spangdahlem oder Bitburg“, erzählte Sheryl Hackett später einmal.
In ihrer Heimat hatte die am 4. Mai 1959 in Bridgetown geborene Hackett mit 13 Jahren Gesangs- und Gitarrenunterricht und mit 15 wurde sie Schlagzeugerin in einer der ersten Frauenbands in Barbados. „Mein Bruder hatte eine Gitarre. Und ich liebte es, darauf zu spielen“, erinnerte sie sich ein Jahr, nachdem sie mit Bap in Pirmasens aufgetreten war, an ihre musikalischen Anfänge. „Zum 13. Geburtstag schenkte mir mein Vater endlich meine erste eigene Gitarre. Und dann kam das Angebot, in der All Girls Band mitzusingen. Zufälligerweise wurde auch die Schlagzeug-Position frei, sodass ich da reingerutscht bin.“ Da war sie 18 und hatte gerade die Schule beendet. Als Profimusikerin spielte sie in ihrer Heimat noch in diversen anderen Bands. Und sie wurde bald ein Star, wurde unter anderem 1979 als beste Sängerin ihres Landes ausgezeichnet.
Mit Bap auf Platz eins der Albumcharts
In Deutschland fand Hackett schnell Anschluss an die Band von Jule Neigel, lernte als Studio- und Gastmusikerin Gitte Haenning kennen und ging mit ihr auf Tournee. Sie arbeitete mit Edo Zanki, Peter Maffay aber auch mit international erfolgreichen Künstlern wie Robert Palmer und Sidney Youngblood, für den übrigens auch schon der Pirmasenser Produzent Dom Rivinius tätig war. Und da war vor allem die Kölner Formation Bap, der sie von 1999 bis 2004 angehörte. „Der Kontakt zu Bap kam 1996 über Peter Maffay, für den ich damals spielte. Wolfgang Niedecken war eingeladen, ein Lied mitzusingen – so lernten wir uns kennen“, erinnerte sich Hackett 2002.
Ihr Debüt bei Bap gab Sheryl Hackett auf dem 1999er Album „Comics & Pin-ups“, mit dem Niedecken und Kollegen zum ersten Mal seit dem Album „X für 'e U“ (1990) wieder Platz eins der deutschen Charts erreichten. Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Amerika“ gab es auf „Comics & Pin-ups“ eine personelle Veränderung: Sheryl Hackett übernahm für Mario Argandoña den Job der Perkussionistin. Und noch im gleichen Jahr erschien mit „Tonfilm“ ein weiteres Bap-Album mit Sheryl Hackett, die hier bei den sogenannten Credits aber nur als Perkussionistin aufgeführt ist. Es wurde ein weiteres Erfolgsalbum für die Band aus Köln – es kletterte auf Platz zwei der Albumcharts.
Mit Stones-Hit in Pirmasens das Publikum erobert
2001 folgte dann das Bap-Album „Aff un zu“ – wieder mit Sheryl Hackett. Und mit diesem Album im Gepäck war die Band am 11. Dezember 2001 in der Pirmasenser Messehalle zu hören. 33 Songs standen damals auf der Setlist, darunter viele Bap-Klassiker wie „Verdamp lang her“, „Waschsalon“, „Für 'ne Moment“, „Jraaduss“ oder „Kristallnaach“, an deren Ur-Versionen Hackett noch nicht beteiligt war. Und als die Sängerin schon beim zweiten Lied des Abends, dem Rolling-Stones-Cover „Hück ess sing Band en der Stadt / Let's Spend The Night Together“ ihre gewaltige Soulstimme in die Messehalle schickte, hatte das Publikum einen neuen Liebling an der Seite von Wolfgang Niedecken auserkoren. Sheryl Hacketts markante Stimme war eine gefeierte Bereicherung auf den Bap-Tourneen, was auch auf dem Live-Album „Övverall“ aus dem Jahr 2002 zu hören ist. Und in Wim Wenders Bap-Film „Viel passiert“ sieht man, was Sheryl Hackett einmal sagte: „Singen ist für mich der Wunsch, vor Freude loszuschreien“.
Bei Maffay singt sie Marvin Gaye
Und so war es auch zuvor in der Band von Peter Maffay, die am 13. September 1996 bei „Rock im Wald“ auf dem Erlenbrunner Sportplatz auftrat – dem bislang einzigen Konzert von Maffay in der Südwestpfalz.
Ende des Jahres 1995, die Aufnahmen für Maffays Album „96“ waren weitgehend abgeschlossen, empfahl Jule Neigel die aus Barbados stammende Sängerin. Hackett kam in Maffays Studio nach Tutzing und sang mit Felicia Taylor die letzten Chöre zum neuen Album ein. Und weil es ohnehin klar war, dass man mit den neuen Songs auf Tournee gehen würde, fragte Maffay bei Hackett nach, ob sie ihn dabei vielleicht begleiten wolle. Und Hackett wollte.
Die Konzerte starteten mit einem 30-minütigen Medley aus Klassikern unter anderem von den Beatles, Bobby Womack und Simon & Garfunkel. Sheryl Hacketts Part fiel auf Marvin Gayes „I Heard It Through the Grapevine“ – und sie überzeugte, sang sich in die Herzen des Publikums. Dennoch blieb es ihre einzige Tournee mit Peter Maffay.
Hacketts Repertoire war vielseitig. Der Song „I Am Calling“ aus dem Film „Out of Rosenheim“ gehörte ebenso dazu wie Werke des italienischen Barock-Komponisten Thomas Albinoni, für die sie zuletzt 2003 auf der „Christmas Moments Tour“ des Thomas-Schwab-Ensembles in der Trierer Arena gefeiert wurde.
Nach langer schwerer Krankheit ist Sheryl Hackett am 29. Januar 2005 gestorben. Außer ihrer Familie hat sie, die einige Jahre in Heidelberg gelebt hat, viele Freunde in der Pfalz und Kurpfalz hinterlassen. Und die organisierten am 1. Dezember 2018 anlässlich ihres 14. Todestages in Germersheim ein Erinnerungskonzert, an dem unter anderem Jürgen Zeltinger und viele frühere Weggefährten von Sheryl Hackett teilnahmen.