Pirmasens
Schusterbrunnen ohne Schuster: Was ist da los?
Seit Dezember 1980 steht der Schusterbrunnen vor der Lutherkirche in der Fußgängerzone. Derzeit präsentiert er sich allerdings in einem ungewohnten Anblick. Auf dem Sockel, den normalerweise die lebensgroße Bronzefigur des Schuhmachers Joß ziert, herrscht gähnende Leere. Nichts erinnert mehr an die Figur des Arbeiters, der in seiner rechten Hand einen Hammer und in der Linken einen fertigen Halbschuh hält – ein Symbol für die Schuhstadt Pirmasens.
Erstmals 1809 hatten die Pirmasenser die Idee, Schuster Joß für dessen Verdienste ein Denkmal zu setzen. Doch es folgten keine Taten. 1874 dann nahmen die Pirmasenser einen erneuten Anlauf, ihren Schuster Joß mit einem Denkmal zu würdigen. Doch an den ungünstigen Zeitverhältnissen und der „Verständnislosigkeit gewisser Personenkreise“, scheiterte auch dieses Mal das Vorhaben. So jedenfalls ist es in einem älteren Zeitungsartikel zu lesen. 1910 nahm dann die Absichtserklärung der Pirmasenser konkrete Formen an, insbesondere weil ein anonymer Spender 8000 Mark für den Bau eines Brunnens stiftete. 1911 beschloss der Stadtrat einen Brunnen, der 16.000 Mark kosten sollte, zu errichten.
Werk eines Münchner Bildhauers
Nicht weniger als 110 Bildhauer beteiligten sich an einem von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb für das Brunnendenkmal. Der Münchner Bildhauer Georg Müller erhielt den Zuschlag. Er sollte die Figur bis zum 15. Mai 1915 fertigstellen. Eigentlich. Denn der Weltkrieg machte diese Pläne zunichte. 1919 konnte Müller dann der Stadt den Schuster in Bronze übergeben. Im Juni 1921 wurde der Brunnen mit Joß auf dem oberen Schlossplatz errichtet, dort wo heute die VR-Bank steht.
1944 schlug eine Bombe in Brunnennähe ein, die Druckwelle fällte Joß. Er blieb zwar fast unversehrt, der Brunnen allerdings wurde vollständig zerstört. Der im Krieg zerstörte Brunnen wurde viele Jahre später exakt nachgebaut und Joß kam wieder auf den Sockel.
Vandalen am Werk? Nein!
Dort wurde er allerdings kürzlich entfernt. Allerdings nicht von Vandalen, sondern von städtischen Mitarbeitern. Die Stadt teilt auf Anfrage mit, dass vor der Inbetriebnahme des Schusterbrunnens nach der Winterpause festgestellt worden sei, dass die Wasserleitungen verstopft sind. Die Stadt will dabei nicht ausschließen, dass das mutwillig geschah.
Eine Beseitigung der Verstopfung sei jedoch gescheitert, weshalb nun Teile der Wasserleitungen erneuert werden müssten. Um besser an die Leitungen zu gelangen und den Schuster nicht zu beschädigen, haben ihn WSP und Gebäudemanagement laut Stadtverwaltung in einer Gemeinschaftsaktion abgebaut und eingelagert. Wenn alles klappt wie geplant, treffen die benötigten Teile bald ein. Dann könnte der Brunnen voraussichtlich bis Ende nächster Woche in Betrieb genommen werden, heißt es aus dem Rathaus.
Brunneninschriften
Verläßt der Schuh die städtisch’ Grenz, soll Lob er sein für Pirmasens.
Der Schuh hat uns hier groß gemacht, drum Schuh und Schuster nicht veracht!
Das wahre Leben Arbeit ist, ein deutscher Mann das nie vergißt!
