Pirmasens Sammler mit Schlabbeflickerblut
Es ist dem Pirmasenser Sammler Manfred Rossel zu verdanken, dass die historische Aufarbeitung der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Schuhregion Pirmasens bald auch in Buchform auf den Markt kommen wird: „Im Land der Schlabbeflicker – 600 Schuhfabriken in 40 Gemeinden der Südwestpfalz“ heißt der Titel des Buches, dessen Inhalt das Ergebnis einer jahrzehntelangen Sammelleidenschaft und akribischer Quellenstudien ist.
Heute, Mittwoch, feiert Manfred Rossel seinen 90. Geburtstag und seine geistige Frische lässt ihn auch in diesem Alter nicht müde werden, jeden Tag weiterzuarbeiten und weiter zu erforschen, wie aus dem ehemals unbedeutenden Garnisonsstädtchen Pirmasens die Metropol-Schuhregion Europas geworden ist. Vor Jahresfrist wurde die Lebensarbeit Rossels in einer Ausstellung in der Kunsthalle Neuffer am Park Tausenden interessierten Besuchern zugänglich gemacht, nachdem zuvor bereits die Museumsleitung des Deutschen Schuhmuseums Hauenstein die Bedeutung der Originaldokumente und der Sammlerpersönlichkeit von Manfred Rossel in einer Schau hervorgehoben hatte. Es ist dem nimmermüden Pirmasenser Kunstmäzen Bernd Hummel zu verdanken, dass die Ausstellung „Schlabbeflicker“ auch in der Vaterstadt des Jubilars überregionale Beachtung fand. Manfred Rossel fand seine berufliche Erfüllung als erfolgreicher Geschäftsführer (1956 -1998) des Elektro-Großhandelsunternehmens Krieger (Pirmasens, Saarbrücken, Trier) und kam schon früh über seinen Vater Heinrich Rossel (1898-1972) zu seiner „Schlabbeflickerleidenschaft“. Er widmete einen Großteil seines Lebens nach dem Tod des Vaters der Schuhgeschichte, die von Pirmasens ausgehend innerhalb eines Jahrhunderts die Lebensumstände einer ganzen Region prägte. Vater Heinrich Rossel war von 1945 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1956 Geschäftsführer der AOK Pirmasens. Und da liegen auch die eigentlichen Ursachen der späteren Sammel- und Forschungsarbeiten des heutigen Geburtstagskindes Manfred Rossel: Über die Sammlung politischer Karikaturen war Manfred Rossels Vater auch zu einer weiteren Passion gekommen. Er schuf eine umfangreiche Darstellung Pirmasenser Fabrikgeschichte(n). Manfred Rossel übernahm als Sammler und Erhalter die kostbaren Dokumente und verfeinerte das väterliche Erbe. Seine fleißigen und akribischen Studien ließen das Ganze zu einer fast vollständigen sozial- und kulturgeschichtlichen Darstellung von 600 Fabrikationsstätten in über 40 Gemeinden in und um Pirmasens werden. Und Manfred Rossel bringt es im Gespräch mit der RHEINPFALZ auf den Punkt: „Mein Schlabbeflickerblut und meine Liebe zur Vaterstadt Pirmasens waren in der Nachfolge meines Vaters die Auslöser meiner Forschungs- und Sammlerleidenschaft, die mich auch in den letzten Jahren immer wieder auch zu Veröffentlichungen motivierte.“ Eine Dokumentation des Lebenswerks von Manfred Rossel wird die bereits im Konzept fertiggestellte und von der Daniel-Theysohn-Stiftung geförderte Buchveröffentlichung werden.