Discgolf
Reportage: Eine Runde im Pirmasenser Strecktal mit einem Winter-Open-Starter
Die Sonne scheint aufs Pirmasenser Strecktal, das Handy zeigt angenehme 16 Grad an. Zwei Frauen machen ein Picknick am Weiher, andere drehen mit ihren Hunden eine Runde durch den Park. Im Hintergrund hallen die Geräusche eines Baggers wider – der Park wird offenbar für die bevorstehende Sommersaison auf Vordermann gebracht. Plötzlich schneidet eine Frisbeescheibe mit beeindruckender Leichtigkeit durch die Luft, fliegt rund 60 Meter weit und landet zwei Meter neben einem gelb umrandeten Metallkorb.
„Das ist mein erster Wurf seit zwei Jahren – da fehlt noch die Kraft in der Schulter“, sagt Dominik Hemmer, der die Scheibe geworfen hat. Der gebürtige Pirmasenser spielt seit über einem Jahrzehnt Discgolf – eine abgewandelte Version des klassischen Golfsports. „Die letzten zwei Jahre hatte ich wenig Zeit zum Spielen“, berichtet er, jetzt wolle er aber wieder an Turnieren teilnehmen. Beim Discgolf geht es wie beim Golf darum, mit möglichst wenigen Würfen das Ziel zu treffen. Das ist jedoch kein Loch im Boden, sondern ein Ständer mit Ketten und einem Metallkorb – und anstelle eines Balls fliegt eine spezielle Frisbeescheibe durch die Luft.
Generalprobe für Turnier
Hemmer startet als einziger Lokalmatador bei der 13. Auflage der „Dynamikum Winter Open“ am Samstag, 7. März, im Strecktalpark. Das Turnier in Pirmasens wird vom Schwäbischen Albverein Ortsgruppe Eningen organisiert, 52 Discgolfspieler treten an. Gespielt werden 13 der 15 Bahnen des Parcours – und das über drei Runden hinweg. An diesem Nachmittag absolviert Hemmer seine Generalprobe für das Turnier.
An Station fünf angekommen, segelt die Scheibe erneut durch die Luft – diesmal unter der Streckbrücke hindurch, auf die andere Seite des Parks. Etwa 100 Meter fliegt das Spielgerät. Der Zielkorb in der Distanz ist kaum zu erkennen, doch der erfahrene Spieler weiß genau, welche Flugkurve die Scheibe nehmen muss – und welche Disc er dafür wählt. Hemmer hat einen ganzen Rucksack voller Scheiben dabei. „Heute haben wir Gegenwind – da benutze ich eine schwerere Scheibe, die liegt stabiler in der Luft.“ Jede Disc sei anders, erklärt er. Einige sind auf der Rückseite unterschrieben: „Mit denen habe ich dann schon mal im ersten Wurf direkt den Korb getroffen“, erzählt Hemmer. Das sei in seiner Laufbahn allerdings höchstens zehnmal vorgekommen.
Auf die Technik kommt es an
Nach jedem Wurf heißt es: Auf die Suche nach der geworfenen Scheibe gehen. Der Regen der vergangenen Wochen hat den Boden weich gemacht – die Schuhe rutschen im schlammigen Grund. Vor allem an den Hängen des Strecktalparks ist da Vorsicht geboten. „Festes Schuhwerk ist das Wichtigste – nach den Scheiben natürlich“, sagt Hemmer, während er vorsichtig einen Hang hinuntergeht. Der Parcours im Strecktalpark sei im Vergleich zu anderen eher technisch anspruchsvoll, erklärt er. Mit reiner Kraft komme man hier nicht weit.
Der Sport hat dem 44-jährigen Lehrer nach eigenen Worten von Anfang an Spaß gemacht: „Als der Parcours 2012 im Strecktalpark gebaut wurde, habe ich es einfach mal ausprobiert.“ Die Mischung aus frischer Luft, dem Werfen und dem Spazieren zwischen Würfen gefalle ihm. „Ich war auch schon mit meinen Schülern hier“, berichtet Hemmer. Discgolf sei eine gute Möglichkeit, Kinder von den Bildschirmen wegzulocken. „Es braucht nicht viel beim Discgolf“, sagt er. Im Grunde reiche eine einzige Scheibe. Im Dynamikum, das direkt an den Strecktalpark angrenzt, können Spieler eine Scheibe für drei Euro ausleihen. Ein Starterset mit verschiedenen Discs koste etwa 30 Euro.
„Sehr zufrieden mit der Probe“
Während Hemmer von Station zu Station geht, bleiben immer wieder Parkbesucher stehen und beobachten ihn. „Schau mal, wie viele Frisbees der Mann dabeihat“, ruft ein Kind, das mit seiner Familie Boccia spielt, als es Hemmer mit dem vollgepackten Rucksack sieht.
Knapp zwei Stunden nach dem ersten Wurf ist die Runde beendet – und damit auch Hemmers Generalprobe für das Turnier. „Ich bin sehr zufrieden mit der Runde“, resümiert er. Das Ziel des 44-jährigen Lokalmatadors für das Turnier ist es vor allem, Spaß zu haben: „Jedes Turnier ist wie ein großes Familientreffen.“