Landtagswahl
Reichert: Enttäuscht über AfD-Sieg in Pirmasens
Die meisten Erststimmen im Wahlkreis Pirmasens gewann am Sonntag Christof Reichert: 32,7 Prozent. Zweiter wird AfD-Mann Lutz Wendel mit 25,9 Prozent. Er schafft es nicht in den Landtag, ebenso wenig wie Markus Keller von der SPD. Der Bobenthaler vereint zwar 25,5 Prozent der Wahlkreisstimmen auf sich, steht auf der Landesliste seiner Partei aber weit hinten auf Platz 47. Das reicht nicht für den Einzug. Wendels Parteikollege Ferdinand Weber, der auf der Landesliste der AfD Platz 19 belegt, erhält über die Auszählung der Zweitstimmen ein Abgeordnetenmandat.
Die FDP kommt gar nicht mehr ins Landesparlament. Mit drei Prozent der Erststimmen liegt der Pirmasenser Kandidat Steven Wink immerhin über dem Landesdurchschnitt seiner Partei. Gleiches gilt für die Kandidaten der Freien Wähler und der Tierschutzpartei: Philip Burkhart kommt auf sieben Prozent der Erststimmen, Barbara Schwarz auf 5,9 Prozent.
Wermutstropfen Pirmasens
„Ich bin sehr zufrieden. Bis auf den kleinen Wermutstropfen in Pirmasens“, sagte Christof Reichert. Der Hauensteiner verteidigte das CDU-Direktmandat im Wahlkreis Pirmasens und erhielt 32,7 Prozent der Stimmen. Vor fünf Jahren waren es 33 Prozent. Nur in Pirmasens lag AfD-Bewerber Lutz Wendel vor Reichert. „Ich bin zufrieden mit dem Gesamtergebnis, als CDU ist das natürlich phänomenal“, sagte er mit Blick auf das Landesergebnis. „In dieser Deutlichkeit konnte man das nicht erwarten“, ergänzte Reichert. Um 17 Uhr habe er die erste Prognose erhalten, dass die CDU mit zwei Prozentpunkten vor der SPD liege. „Als das die Prognose um 18 Uhr bestätigt hat, haben alle gejubelt“, berichtete er von der Wahlparty der CDU in Münchweiler, bei der mehr als 100 CDU-Anhänger die Auszählung verfolgten. Noch bevor das letzte Ergebnis aus Dahn feststand, wurde dann auch Reicherts Sieg gefeiert. „Ich habe zum ersten Mal seit 25 Jahren die Fastenzeit gebrochen“, gestand er lachend, dass er zur Feier des Erfolgs mit Sekt angestoßen habe. Dass die CDU am Ende vorne lag, habe nicht nur an einem starken Team gelegen, sondern auch daran, dass Spitzenkandidat Gordon Schnieder „in den letzten Wochen hervorragend performt hat. Er hat die Menschen überzeugt“, sagte Reichert. Bei den Haustürgesprächen habe er gespürt, „dass die Menschen sehr unzufrieden mit der Landesregierung sind und es Alexander Schweitzer nicht zugetraut haben, dass er das in Bahnen lenken wird. Er war ja 20 Jahre lang Teil dieser Regierung“, bemerkte er.
AfD-Mann Lutz vor SPDler Keller
SPD-Bewerber Markus Keller verspürte eine „Enttäuschung, was das landesweite Ergebnis angeht“. Der Bobenthaler sieht einen Einfluss der Bundespolitik auf den Ausgang der Wahl in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig bedauert er, dass es aus Mainz selbst nur wenig Rückenwind gegeben habe. Enttäuscht habe ihn, dass er bei den Erststimmen hinter AfD-Kandidat Lutz Wendel auf Rang drei landete. „Das war nicht das, was man sich gewünscht hat“, räumte er ein. „Die AfD hat im Wahlkreis überdurchschnittlich gut abgeschnitten“, ergänzte er, „das Ergebnis muss erschrecken.“ Mit seinem Wahlkampf war Keller zufrieden. „Ich habe versucht, was geht“, bemerkte er und räumte seine Enttäuschung über den Wahlausgang ein. „Ich hatte darauf gehofft, dass unser Landesergebnis deutlich besser ist, das war nicht der Fall.“
Jeder dritte Pirmasenser wählt AfD
Mit einem „großen Dank an unsere Wähler“ reagierte Lutz Wendel (AfD) auf das Wahlergebnis für ihn und seine Partei. Der Vorsitzende der AfD in der Südwestpfalz gratulierte Christof Reichert (CDU) zum Sieg beim Kampf ums Direktmandat. Unabhängig davon sei er sehr stolz auf das Ergebnis, dass die AfD in der Region erreicht hat. In Pirmasens ist die Partei die mit Abstand stärkste Kraft bei der Landtagswahl. Fast jeder dritte Pirmasenser hat die AfD gewählt. Darauf sei er als gebürtiger Pirmasenser besonders stolz, sagte Wendel. Er kündigte an, auf das Ergebnis aufbauen zu wollen. Scherzhaft fügte er an, wenn er fünf Jahre jünger wäre, würde er glatt als Kandidat bei der OB-Wahl im September antreten. Seinem Vorgänger im Amt des hiesigen AfD-Parteichefs, Ferdinand Weber, gratulierte er zu dessen Einzug über die Landesliste in den Landtag. „Das gönne ich ihm“, sagte Wendel, der mit dafür verantwortlich ist, dass Weber bei der AfD in Pirmasens abgesägt wurde. „Ich hoffe, dass er die Südwestpfalz so gut im Landtag vertreten wird, wie ich das gern getan hätte.“
Auf dem 19. Platz der AfD-Landesliste war Ferdinand L. Weber platziert – und er hat es geschafft. Der frühere Sprecher der AfD-Stadtratsfraktion zieht über die Liste in den Landtag an. „Das ist noch gar nicht so greifbar für mich“, bekannte Weber, der am Sonntagabend in Mainz den Wahlerfolg seiner Partei feierte – gemeinsam mit den Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla: „Die Stimmung ist sehr, sehr gut.“ Nachdem er in den vergangenen Jahren – nach eigenen Worten „eher chancenlos, aus Idealismus für die Partei“ – bei Bundes- und Landtagswahlen als Direktkandidat antrat, hat es nun nach zehn Jahren über die Liste funktioniert. Weber und Kreisvorsitzender Lutz Wendel, der als Direktkandidat gescheitert ist, haben ein problematisches Verhältnis, mehr aber wollte Weber am Wahlabend nicht dazu sagen. Er schaute vielmehr nach vorne: Als Pirmasenser wolle er sich nun um die Region und seine Heimatstadt kümmern.
FDP will sich neu aufstellen
„Die Zuspitzung des Wahlkampfes auf Schnieder und Schweitzer hat die kleinen Parteien zerrieben“, sagte Steven Wink, Fraktionsvorsitzender der FDP im rheinland-pfälzischen Landtag. Das schlechte Ergebnis der FDP, das nach der ersten Hochrechnung bei zwei Prozent liegt, stimme nicht mit seiner Erfahrung beim Wahlkampf überein, bei dem er viel Zustimmung erfahren habe. Die liberalen Themen seien nach wie vor wichtig. Das Ergebnis sei auch auf die Wechselstimmung der Wähler zurückzuführen, vermutete der 41-Jährige. Die Menschen hätten den Wechselwillen gespürt und statt FDP strategisch die CDU gewählt. Dass dieses Ergebnis so deutlich ausfiel, überraschte Wink jedoch. Für die FDP gehe es jetzt daran, das Ergebnis zu analysieren und mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Die Politik brauche eine liberale Stimme, ist Wink überzeugt.
Besser als der Landesdurchschnitt
„Mein persönliches Ergebnis ist relativ stabil geblieben – das zeigt uns, dass das Interesse bei den Wählern weiterhin da ist“, sagte Philipp Burkhart (Freie Wähler). Im Wahlkreis Pirmasens bekam er sieben Prozent der Erststimmen. Während er sein Resultat als Direktkandidat als erfreulich einstufte, fiel sein Fazit zum landesweiten Abschneiden seiner Partei deutlich nüchterner aus: „Dass wir unter den fünf Prozent liegen, ist schon enttäuschend.“ Burkhart liegt fast drei Prozentpunkte über dem Ergebnis, das seine Partei bei den Zweitstimmen im Wahlkreis erzielt hat. Das könne unter anderem mit seinem Bekanntheitsgrad über die Partei hinaus zusammenhängen. Realistisch gesehen sei das Ergebnis aber absehbar gewesen. Doch auch wenn es seine Partei diesmal nicht in den Landtag schafft: „Die Arbeit ruht nicht – die Wahl zeigt uns, die Menschen wollen einen Umschwung“, sagte Burkhart. Seine Partei müsse künftig überregional wettbewerbsfähiger werden.
„Für mich persönlich ist das ein tolles Ergebnis“, sagte Barbara Schwarz (Tierschutzpartei). Als Direktkandidatin ihrer Partei im Wahlkreis Pirmasens erreichte sie 5,9 Prozent der Erststimmen. „Daran merke ich, dass der Einsatz sich lohnt“, so Schwarz. Besonders wichtig sei ihr gewesen, der Partei in der Wahl ein Gesicht zu geben. Weniger zufrieden zeigte sich Schwarz mit dem Gesamtergebnis ihrer Partei im Wahlkreis. Dort holte die Tierschutzpartei drei Prozent der Landesstimmen. „Gesamtheitlich ist es eher enttäuschend.“ Ihrer Einschätzung nach müsse die Tierschutzpartei großflächiger an Bekanntheit gewinnen. „Wir brauchen noch mehr Menschen, die in den Landkreisen aktiv sind“, betonte sie und unterstrich die Notwendigkeit eines noch stärkeren Engagements, um die Partei voranzubringen.

