Pirmasens Pirmasenser Idee schon geklont
Im Anfang war der Wunsch: „Ich möchte, dass ihr mir meine Träume erfüllt.“ Das ist gut drei Jahre her, als der Pirmasenser Wirtschaftsförderer Mark Schlick alles andere als träumte, sondern mit konkreten Zielen erstmals die Kreativen der Stadt zu zunächst lockeren Runden ins Grips auf die Husterhöhe einlud.
Seitdem sind die Wünsche der Teilnehmer handfester geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil seit gut eineinhalb Jahren an jedem dritten Dienstag im Monat wenigstens 25, meist an die 50 Menschen und mehr beim „Kreativ-Stammtisch“ in Kuchems Brauhaus zusammenglucken, Ideen ausbrüten und manchmal auch Hahnenkämpfe austragen. Mit beachtlichem Erfolg. Ein Stammtisch ist ein Stammtisch ist ein Stammtisch: Das gehört so und ist auch beim Kreativ-Stammtisch nicht anders – Wimpel inklusive. Aber nochmal auf Anfang: Als Mark Schlick die schöpferischen Köpfe von Pirmasens zusammenbrachte, gab es zwei zentrale Fragen: Wie kann man den Leerständen in der Stadt begegnen und wie kann man in Pirmasens eine funktionierende Kreativ-Wirtschaft aufbauen? Die Themen sind auch heute noch dieselben, aber es ist Erstaunliches in Fluss gekommen. Ein paar Stichworte müssen genügen: Die Nacht der Generationen, die Bespielung des damals noch leerstehenden Hauptbahnhof-Gebäudes bei „Tatort Leere“, die kurzlebige Schuh-Galerie „STILart“ in der Schlossstraße, die „Kleine Kreativ-Messe“ Anfang des Jahres im ehemaligen Sieber-Gebäude. Nur ein paar Erinnerungsstützen für viele mögliche. Das waren Anfänge, nicht alle Projekte haben überlebt, aber die Evolution ist heftig in Gang gekommen. Wenn jetzt der Pirmasenser Künstler Hans-Jürgen Henner mit seiner Konzept-Aktion „Pirmasens, eine Stadt zeigt Herz“ eine frohe Botschaft in die Welt trägt, wenn Mitte November das Kreativkaufhaus „Kunst-Genuss“ mit Café, Galerie, Ateliers und Büros, privat finanziert von Olaf Mäckler und Martin Thorenz, im alten Sieber-Gebäude seine Türen öffnet, wenn Karl Geistlich und Sebastian Heiser für ihr Kunstbuch „Treppuless“ alle 92 Treppen in Pirmasens fotografieren und deshalb derzeit von gehöriger Medien-Aufmerksamkeit beschienen sind, dann hat das auch etwas damit zu tun, dass es diese Reaktionskammer „Kreativ-Stammtisch“ überhaupt gibt. Das muss man sich so vorstellen: Üblicherweise bringt Mark Schlick den Stammtisch im großen Nebenzimmer des Brauhauses mit einem kurzen Referat auf den neusten Stand der Entwicklungen. Die ein oder andere Projekt-Idee wird von den Aktiven präsentiert und dann ist der Stammtisch einfach ein Stammtisch – der seine virtuelle Fortsetzung in den sozialen Medien, hauptsächlich auf Facebook, findet. Aber der Stammtisch ist keine Plauderrunde – obwohl viel geplaudert wird – auch mal lauter. Hier werden kritische Massen geschaffen. Die explodieren glücklicherweise nicht, bringen aber qua Impuls vieles ins Rollen. Manchmal ist es lärmig, manchmal sogar nachdenklich. Wenn der „offizielle“ Teil durch ist, sitzt man in kleinen Gruppen zusammen. Und es sind beileibe nicht nur die „klassischen“ Kreativen, also Musiker, Maler, Fotografinnen, Mode-, Schuh-, Strick-, Taschen- und Web-Designer, Architekten, Filmer, Veranstaltungsfachleute, Journalisten und Marketing-Menschen, es ist auch ein Polsterer-Meister wie Werner Bachmann, der die Herzenssache zur seinen gemacht hat oder Immobilien-Makler wie Olaf Mäckler. Immerhin geht es um Kreativ-Wirtschaft – und das heißt: Man muss mit Ideen Geld verdienen können, sonst verhungert der Körper zum schöpferischen Kopf. Die Kreativ-Stammtisch-Idee aus Pirmasens hat zumindest in der Westpfalz bereits einen Klon: In Kaiserslautern gibt es jetzt den Stammtisch „Kl:Kreativ“, dezidiert vom Vorreiter in Pirmasens inspiriert und mit Schützenhilfe des Vereins Zukunftsregion Westpfalz Mitte des Jahres ins Leben gerufen. Der Kreativ-Stammtisch in Pirmasens ist also ein zwar lockerer Rahmen, der aber den Mut zur Verbindlichkeit fördert. Was an den Tischen an Ideen gewälzt wird, führt natürlich nicht immer zum Ziel. Wenn sich aber eine Veranstaltung wie die „Kleine Kreativ-Messe“ zu verfestigen beginnt, dann sind es eben auch Aktive wie die Fotografin Yasmin Mineo – eine für weitere -, die auf ebendiese Verbindlichkeit gedrängt hatte, Nägel mit Köpfen zu machen und klar die Aufgaben zu verteilen nach dem Motto „Wer macht was?“– das dann aber ganz bestimmt. Oder die Taschen-Designerin Marina Furin („Moi Dasch“), die die PS:Kreativ-Internet-Seite (gehostet auf den Seiten der Zukunftsregion Westpfalz – Westpfalz-Kreativ) entworfen hat und die Kreativen ermahnt, sich endlich in die Datenbank einzutragen. Zahlreiche andere Namen wären zu nennen, die als Kreative in Pirmasens und der näheren Region unterwegs sind. Leute, die sich wohl kannten, aber erst beim Kreativ-Stammtisch festgestellt haben, dass sie nicht alleine sind. Und das ist vielleicht das Wichtigste an diesen Treffen. Das nächste ist am Dienstag, 17. November, ab 19 Uhr im großen Nebenzimmer in Kuchems Brauhaus am Schlossplatz.