Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens setzt auf „Mauerblümchen“: Mosaik-Projekt startet

Helfen dabei, die Stadt durch ihre Mosaike gemeinsam aufblühen zu lassen (von links): Angelika Rieder, Kirsten Demberger, Künstl
Helfen dabei, die Stadt durch ihre Mosaike gemeinsam aufblühen zu lassen (von links): Angelika Rieder, Kirsten Demberger, Künstlerin Tanja Lebski und Nicole Berger.

Bunte Blumen statt grauer Mauer: Pirmasenser Bürger gestalten Mosaik-Kunstwerk und verewigen sich im Stadtbild.

Fleckig grau, hin und wieder Grünbelag und der Schmutz von Jahrzehnten: Die Betonmauer gegenüber der Alten Post sieht wahrlich nicht ansprechend aus. Das soll sich bald ändern: Statt gräulicher Tristesse sollen künftig bunte Mosaik-Blumen die knapp ein Meter hohe und rund 75 Meter lange Mauer verschönern. Geht es nach der verantwortlichen Künstlerin Tanja Lebski, sollen es möglichst viele, möglichst unterschiedliche Blüten sein: „Ich wünsche mir 500 Stück.“

Farbstark und fröhlich: Blume einer Teilnehmerin.
Farbstark und fröhlich: Blume einer Teilnehmerin.

Die ersten bunten Mosaike sind seit dem Wochenende schon fertig: Drei Tage lang stand das Büro von Citymanagerin Nelia Knerr in der Fußgängerzone offen. Jeder der wollte, konnte sich an den langen Tisch setzen und unter Anleitung der Künstlerin aus Altleiningen sein eigenes Blümchen gestalten.

Erst mal Fliesen zertrümmern

Das Ausgangsmaterial sind Fliesen aus Keramik oder Glas – wetterfest und strapazierfähig. „Wollen Sie nach einer Vorlage oder frei Hand gestalten?“, will Lebski als erstes von den Menschen wissen, die das Atelier auf Zeit betreten. Als nächstes geht es an die Auswahl der Farben. Steht die erste Idee, werden die Fliesen kleingemacht – mit einem beherzten Schlag mit einer Zange zerteilt Lebski die kleinen Quadrate. „Die Fliese immer neben den Körper Richtung Boden bearbeiten“, schärft sie den Neu-Mosaik-Künstlern ein. So soll vermieden werden, dass die Scherben quer über den Tisch schießen und jemanden treffen.

Mauerblümchen sollen die graue Tristesse einer Betonmauer vertreiben.
Mauerblümchen sollen die graue Tristesse einer Betonmauer vertreiben.

Nach der groben Vorarbeit geht es daran, das Material in Mosaik-taugliche Stückchen zu brechen – auch hier kommt die Zange zum Einsatz. Lebski zeigt, wie es geht: „Nicht mit der ganzen Zange die Fliese umfassen, sondern nur mit einem Teil“, betont die Künstlerin. Ansonsten, so merken die Teilnehmer nach dem ersten Versuch, ist der Kraftaufwand viel zu groß. „Das lernt man ganz schnell“, sagt Nicole Berger, die ihre Mosaik-Blüte schon zu großen Teilen geformt hat. Ihre Freundin Kirsten Demberger überlegt noch, welche Farben sie in die Mitte ihrer Blume setzen will. „Ich freu mich schon darauf, wenn das Mosaik fertig ist und ich genau weiß: Das ist meine Blume“, sagt Demberger.

Gemeinsam die Stadt verschönern

Diese Vorfreude und die Identifikation mit dem Kunstwerk, das im städtischen Auftrag gefertigt wird, teilen alle, die an diesem Mittag da sind. Nach und nach tragen sie sich in eine Liste ein, später sollen sich die Namen aller Mitwirkenden auf einem Plakat wiederfinden, erzählt Lebski. In Pirmasens ist die Altleinigerin übrigens keine Unbekannte: sie hat bereits das Mosaik „Zeitsprung“ an der Münztreppe gestaltet.

Diese Mauer gegenüber der Alten Post soll verschönert werden.
Diese Mauer gegenüber der Alten Post soll verschönert werden.

Die Idee, sich selbst auf einem Kunstwerk in der Heimatstadt zu verewigen, kommt bei den Besuchern an. „Wenn ihr in 20 oder 30 Jahren an der Mauer vorbeilauft, könnt ihr Euch daran erinnern, dass wir die Blumen zusammen gestaltet haben“, sagen Eltern zu ihren Kindern. Bei vielen sind die Blumen ein Familienprojekt: Während Vater und Mutter mit der Zange Blütenblätter formen, sucht der Nachwuchs die Farben aus und legt die Mosaik-Teilchen.

Es braucht mehr Mauerblümchen

„Wo Blumen sind, müssen auch Schmetterlinge sein“, hat sich Angelika Rieder gedacht und eine Schablone für einen Schmetterling mitgebracht, den sie nun aus roten und gelben Mosaik-Teilen legt.

Der Name des Projekts „Mauerblimmelcher“, also „Mauerblümchen“, regt die Teilnehmenden dazu an, sich über Gärten auszutauschen. Die künstlich-perfekte, aber unpersönliche Blume wollen die wenigsten. Stattdessen sind es die unverwüstlichen, die hartnäckigen Mauerblümchen, die gefragt sind – in der Natur und letztlich auch im Mosaik, sind sich die Anwesenden einig.

Sobald die Blumen fertig gelegt sind, bestreicht Lebski ein Blatt mit einem Kleber aus Wasser und Mehl und legt dieses auf das Mosaik. So kann sie später die Rückseite der Blumen in die Mauer einfügen, das Blatt kann im Anschluss entfernt werden. Bevor das Mosaik aufgebracht wird, muss die Mauer erst gründlich gereinigt werden, erklärt Lebski. Die Stadt gibt die Kosten für das Projekt mit insgesamt 20.000 Euro an. Das Vorhaben werde über eine zweckgebundene Spende der Liselott-und-Klaus-Rheinberger-Stiftung finanziert.

Drittes Mosaik-Projekt

Am Kunstwerk werden sich auch Mitglieder der Deutschen Organisation für Mosaikkunst aus dem In- und Ausland beteiligen, verrät Lebski. Sie habe bereits 50 Zusagen, das Material schicke sie den Künstlern zu.

Für Pirmasens wird es das dritte Mosaik sein, neben der Vogeltreppe und dem Kunstwerk an der Münztreppe. Es soll im Spätsommer installiert werden und wird dann ein weiteres Puzzle-Stück auf dem Pirmasenser Weg zur Mosaik-Stadt sein.

Weitere Termine

Am Freitag, 29. Mai, Samstag, 30. Mai, und Sonntag, 31. Mai, können zwischen 10 und 16 Uhr weitere Blumen im Citymanagement-Büro in der Hauptstraße 59 gelegt werden. Das Angebot ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.

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