Irgendwo in Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens-Rückkehrer: „Vor 50 Jahren war die Innenstadt voll“

Andreas Bellaire im Gespräch mit Tanja Daub.
Andreas Bellaire im Gespräch mit Tanja Daub.

Spontaninterview: Andreas Bellaire hat lange im Ausland gelebt und kam während Corona nach Pirmasens zurück. Tanja Daub schildert er seine Eindrücke von der Heimatstadt.

Guten Tag, was machen Sie denn heute bei dem schönen Wetter?
Ich kaufe ein paar Sachen ein und gehe noch auf den Wochenmarkt. Ich habe auch vor, zu schauen, was in der Stadt los ist. Aber meist ist hier ja nichts mehr los!

Also die Cafés sind voll ...
Ja (lacht). Also wenn ich mir überlege, wie ich vor 50 Jahren in die Stadt gekommen bin: Da war sie vollgestopft. Und heute ist da nichts mehr.

Vor 50 Jahren war das noch eine komplett andere Zeit ...
Das liegt nicht nur daran. Die Leute bestellen auch alles mögliche im Internet. Und im Prinzip: Jeder, der hier noch einen Laden aufmacht, muss etwas Außergewöhnliches haben. Gut, im Internet kann man die Ware nicht anfassen. Aber wenn man eine bestimmte Größe sucht, hat ein Laden kaum noch die Chance, das zu bieten. Dann gibt es wieder einen Leerstand.

In der südlichen Hauptstraße bei Niebel gibt es keinen Leerstand. Da wurde ein Nachfolger gefunden …
Ja, das habe ich in der Zeitung gelesen. Aber ob das dann so funktioniert? Ansonsten ist dort ja alles leer. Das beschäftigt mich schon. In Saarlouis zum Beispiel ist in der Innenstadt richtig was los – weil dort halt auch Kneipen sind. Das wäre hier in der Fußgängerzone auch eine Idee. Ein Kneipenviertel. Aber sowas gibt es in Pirmasens leider nicht.

Wahrscheinlich würden sich dann die Leute beschweren, die dort wohnen…
Ja, das ist schwierig einzuführen. Samstagmorgens gehe ich gerne in die Stadt. Da sieht man noch den einen oder anderen, den man kennt. Unter der Woche nicht. Ich war lange weg von Pirmasens, im Ausland. Durch Corona bin ich wieder hier hergekommen und mache Homeoffice.

Liegt Ihnen das Arbeiten von zu Hause aus?
Das ist für mich recht schön, weil ich so lange in der Welt rumgereist bin. Da muss ich nicht mehr unbedingt unterwegs sein. Dass man die Kollegen nicht sieht, ist durchaus ein Problem. Dafür kann man die alten Kontakte in der Heimat nutzen. Man überlegt sich dann aber auch, wie es mit einer Stadt wie Pirmasens weitergeht.

Überlegt man sich das heute nicht überall?
Ja, doch! Das hat nicht unbedingt etwas mit Pirmasens zu tun. Ich habe lange in Öhringen gewohnt. Die Stadt hat, glaube ich, 7000 oder 8000 Einwohner hinzugewonnen. Zu der Zeit, als ich dort war.

Und wie sah es dann dort mit den Geschäften in der Innenstadt aus?
Die haben in der Innenstadt trotzdem geschlossen. Da haben sie eine richtig tolle, schöne historische Innenstadt, aber es ist das gleiche Problem wie hier.

Leute von außerhalb loben die Pirmasenser Fußgängerzone immer und betonen, wie schön sie ist …
Deshalb habe ich auch nicht verstanden, warum man sie am anderen Ende hat abreißen und neu machen müssen. Die war doch sehr schön.

Die Fußgängerzone war mal für 60.000 Einwohner gedacht. Damals war das super!
Da kommen wir so schnell nicht mehr hin (lacht). Aber immerhin ist der Abwärtstrend gestoppt. Manche hatten ja befürchtet, dass wir schon bei 35.000 Einwohnern oder noch weniger angekommen sind.

Nein, die Vier steht stabil vorne dran.
Ja, das ist gut!

Dann vielen Dank fürs Mitmachen, Herr Bellaire, und noch eine gute Zeit.

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