Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens-Poissy: Was hält die Jumelage zusammen?

Hans-Peter Schuster fungierte viele Jahre als Dolmetscher bei den Partnerschaftstreffen Pirmasens - Poissy. Inzwischen sieht er
Hans-Peter Schuster fungierte viele Jahre als Dolmetscher bei den Partnerschaftstreffen Pirmasens - Poissy. Inzwischen sieht er die Städtepartnerschaft als gefährdet an.

Der langjähriger Dolmetscher Hans-Peter Schuster spricht offen über die Partnerschaft Pirmasens-Poissy. Er warnt, dass die Städtepartnerschaft auf wackeligen Beinen steht.

Seit 60 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Pirmasens und Poissy. Die Freundschaft ist über die Jahrzehnte gewachsen. Trotzdem gibt es bis zum heutigen Tag Verständigungsschwierigkeiten durch mangelnde Sprachkenntnisse auf beiden Seiten. Zum Glück war der „Schuster-Schlabbe“ zur Stelle, wenn die richtigen Worte fehlten. Lange Jahre fungierte er als Dolmetscher bei den Partnerschaftstreffen. Jetzt macht Hans-Peter Schuster ganz deutlich: Wenn nichts unternommen wird, „steht die Jumelage auf der Kippe“.

Persönliche Verbindung nach Poissy

Die Jumelage hat nicht nur die Stadtgeschichte geprägt, sondern auch das Leben des heute 76-jährigen Hans-Peter Schuster. Er schloss 1976 sein Dolmetscherstudium in Französisch und Spanisch an der Uni Perpignan mit dem Diplom National de Master ab. Doch schon 1964 – ein Jahr bevor die offizielle Partnerschaft durch Oberbürgermeister Jakob Schunk und seinem französischen Kollegen Leon Touhladjian besiegelt wurde – knüpfte der Pirmasenser damals erste freundschaftliche Bande mit Poissy.

Er war damals Mitglied bei der Freischar der evangelischen Jugend, die einen regen Austausch mit den „Eclaireuses de France“ (französische protestantische Pfadfinder) unterhielt. Damals fand in Horbach ein Treffen statt, bei dem er die Geschwister Harle (Patrick, Eric und Marie-Hélène) kennenlernte. Der Anfang einer tiefen Freundschaft, die bis heute besteht. Schon jetzt freut sich Hans-Peter Schuster auf das Partnerschaftstreffen vom 14. bis 16. November, wenn Pirmasens die Delegation aus Poissy willkommen heißt.

„Gewettert wie ein Stier“

Er selbst hat Patrick und Marie-Hélène privat eingeladen. Gemeinsam wollen sie in Erinnerungen schwelgen. Etwa als beim Besuch der jungen Leute in der Normandie, die Freischar zu „Champagner und Häppchen“ im Rathaus in Poissy eingeladen war. „Als die Vertreter der Stadt dies erfuhren, haben sie gewettert wie ein Stier“, erzählt Schuster im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Noch heute kann er sich köstlich darüber amüsieren.

Hans-Peter Schuster (rechts) stand auch OB Joseph Krekeler beim Partnerschaftstreffen vor vielen Jahren zur Seite. In der Mitte
Hans-Peter Schuster (rechts) stand auch OB Joseph Krekeler beim Partnerschaftstreffen vor vielen Jahren zur Seite. In der Mitte Anne-Marie Vinay aus Poissy.

War Hans-Peter Schuster am Anfang noch mit Mutter Liesel als Dolmetscherin dabei, übergab sie Anfang der 80er-Jahre dieses Amt an ihn. Er wurde im Laufe der Jahre zu einer Art Urgestein der Jumelage, der fünf Pirmasenser Oberbürgermeister (Karl Rheinwalt, Robert Schelp, Joseph Krekeler, Bernhard Matheis und Markus Zwick) hilfreich zur Seite stand, um die Sprachbarrieren elegant zu überwinden. Zwar ist er mittlerweile in die Jahre gekommen, doch diese Tätigkeit bereitete ihm immer viel Freude.

Dienste werden nicht mehr gebraucht

Umso enttäuschter war er, als man ihm 2024 kurz vor Abfahrt der Pirmasenser Delegation nach Poissy mitteilte, dass man ab sofort auf seine Dienste verzichte. Er sei allerdings mit Ehefrau Isabel als Ehrengast eingeladen.

Vieles hat der Dolmetscher, der als Lehrer für Französisch, Spanisch und Deutsch an der Junior Highschool auf der Husterhöhe angefangen hatte, in den Jahren seiner Tätigkeit in Diensten der Stadt erlebt. Geradezu mit Hochachtung spricht er von dem langjährigen Kulturdezernenten von Poissy, Vincent Bloch, der stets das Rahmenprogramm der Partnerschaftsbegegnung in Frankreich gestaltete.

Dazu gehörten neben dem ausgiebigen Tafeln mit zahlreichen Köstlichkeiten, Champagner und edlen Weinen auch ein ansprechendes Rahmenprogramm sowie niveauvolle Unterkünfte, etwa im Schloss bei Fontaine Blanc. „Da war es für unsere Stadt schwer, dagegen zu halten“, so Schuster. Auch von dem Hotel „Saint Germain en Laye“ bei Paris, wo Henri IV. geboren wurde, waren die Deutschen schwer beeindruckt. „Das war sehr teuer“, sagt Schuster. Als Gegenpol habe man dann die Gäste aus Poissy mal in den Deidesheimer Hof und auf das Hambacher Schloss eingeladen gewesen, sagt er.

Chemie hat lange Zeit gestimmt

Bis auf eine Ausnahme habe die „Chemie“ zwischen den diversen Stadtoberhäuptern prima geklappt. Ob das Oberbürgermeister Robert Schelp, Joseph Krekeler und Jacques Masdeu-Arus (er hatte lange Jahre das Amt des Bürgermeisters inne, bis er wegen Korruptionsvorfällen 2008 gehen musste) waren oder die amtierenden Würdenträger Markus Zwick und Sandrine Berno Dos Santos. „Zwar können sie nicht die Sprache des jeweils anderen, aber sie verstehen sich sehr gut.“

Spannend werde es im nächsten Jahr, so Schuster, denn der ehemalige Maire Karl Olive will wieder antreten. Aber auch Sandrine Berno Dos Santos hat Ambitionen, weiterzumachen. Das verspreche ein spannendes Duell zu werden, denn Olive, der (vergeblich) mit dem Posten eines Ministers in der Regierung von Emmanuel Macron geliebäugelt hatte, sei „mit allen Wassern gewaschen. Sandrine Berno Dos Santos dagegen sei es wichtig, „gute Arbeit zu leisten“.

Einen Knick in der Partnerschaft gab es, als der Sozialist Frédérik Bernard Nachfolger von Masdeu-Arus wurde. Die Beziehung zu Bernhard Matheis sei schon sehr kühl gewesen, „aber irgendwie hat es doch funktioniert“, so Schuster. Kurzum: Es hat sich vieles verändert im Laufe der Zeit. Insbesondere durch die schlechte finanzielle Situation beider Städte musste erheblich „abgespeckt“ werden.

Aber auch in Hinblick auf den Nachwuchs, der die Jumelage in die Zukunft tragen soll, werde nichts getan. „Wenn die ältere Generation wegstirbt, könnte die Partnerschaft einschlafen“, befürchtet der 76-Jährige. Auch der Austausch mit Vereinen, wie dem TVP und dem Sportverein Saint Louis de Poissy ist gekappt.

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