Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pirmasens 2025: Ein Rückblick auf Comebacks, Erfolge, Pleiten

Eine der „Hoffnungen des Jahres 2025“ in Pirmasens: die umgestaltete Untere Fußgängerzone - jetzt mit Autoverkehr tagsüber.
Eine der »Hoffnungen des Jahres 2025« in Pirmasens: die umgestaltete Untere Fußgängerzone - jetzt mit Autoverkehr tagsüber.

RHEINPFALZ-Redakteur Guido Glöckner mit seiner subjektiven Sicht auf 2025 in Pirmasens und Umgebung – mit persönlichen Erfolgen, Enttäuschungen, Gewinnern, Verlierern …

Fangen wir gleich einmal mit der Politik an: Und da gilt zunächst, aus Verlierern können Gewinner werden. Gleich zweimal gibt es in der Südwestpfalz das Comeback des Jahres für mich: CDU-Bundestagskandidat Floran Bilic hat seine zweite Chance genutzt und ist nach seiner knappen Wahlniederlage 2023, damals gegen Angelika Glöckner (SPD) im zweiten Anlauf als Direktkandidat in den Bundestag eingezogen. Okay, die Sozialdemokratin wird die Wahlniederlage verschmerzen, sie ist über ihre Parteiliste erneut in den Bundestag eingezogen.

Das zweite Comeback feierte Peter Spitzer: Im März noch bei der Landratswahl gescheitert, trotz starker Stimmenanteile, hat der Sozialdemokrat es im September geschafft, die Verbandsbürgermeisterwahl in Rodalben zu gewinnen: Seit 1. Januar ist er der neue Verbandsbürgermeister als Nachfolger von Wolfgang Denzer. Aber nicht zu vergessen ist die Wahlsiegerin vom März: Susanne Ganster (CDU) bleibt Landrätin.

Eines der politischen Comebacks des Jahres feierte Peter Spitzer (SPD): Hatte er die Landratswahl im März noch verloren, wurde e
Eines der politischen Comebacks des Jahres feierte Peter Spitzer (SPD): Hatte er die Landratswahl im März noch verloren, wurde er im September zum Rodalber Verbandsbürgermeister gewählt.

Enttäuschungen: B10 und Landesgartenschau

Um Politik geht es auch, wenn ich zu meinen beiden Enttäuschungen des Jahres 2025 komme: Mir nichts, dir nichts hat die Landesregierung das Bewerbungsverfahren für die Landesgartenschau 2032 abgebrochen – und das, als sich Pirmasens gerade auf der Zielgerade wähnte, war die Horebstadt doch als einzige Bewerberin übriggeblieben. Da hätte diese Veranstaltung endlich nach Pirmasens kommen können, verbunden mit interessanten Projekten für die Stadtentwicklung, und schon kommt der nächste Schlag ins Gesicht. Zwar tröstet sich Oberbürgermeister Markus Zwick mit dem Trostpflaster, dass bei einem Gartenschau-Neustart in Rheinland-Pfalz Pirmasens den ersten Zugriff haben soll, aber ich sage nur: Abwarten, in der Politik wird viel versprochen.

Die zweite große Politikenttäuschung für mich ist der Fortschritt der Bundesstraße 10 – oder vielmehr der Stillstand des vierspurigen Ausbaus. Seit Jahrzehnten verfolge ich dieses (fast) unendliche Straßenbauprojekt journalistisch, ich hätte aber nicht gedacht, dass die Langsamkeit und Verzögerungen bei Straßenplanern und Politikern immer noch steigerbar sind. Sage und schreibe zehn Jahre dauert nun schon der Planungsprozess für die sieben Kilometer zwischen Hinterweidenthal und Hauenstein, längst sind die Erklärungen für die Verzögerungen zu unglaubhaften Ausflüchten verkommen. Liebe Landes- und Bundespolitiker, da wundert Ihr Euch, dass die Bürger die Politik leid sind?

Eine der Enttäuschungen des Jahres: Der vierspurige B10-Ausbau machte keine Fortschritte.
Eine der Enttäuschungen des Jahres: Der vierspurige B10-Ausbau machte keine Fortschritte.

Die Pleite des Jahres: Glasfaserausbau gestoppt

Nun, nicht immer kann die Politik etwas für Pleiten, Pech und Pannen, in Pirmasens trifft das auf das schnelle Internet zu: Der Glasfaserausbau ist für mich die Pleite des Jahres in der Horebstadt – und Bürgermeister Michael Maas sind die Hände gebunden. Denn in Deutschland sollen die Glasfaserleitungen möglichst ohne öffentliche Zuschüsse verlegt werden, was in Pirmasens tausenden Haushalten zum Verhängnis wird. Weil die Deutsche Glasfaser im Dezember festgestellt hat, dass der Glasfaserausbau in den fehlenden Vororten Erlenbrunn, Niedersimten, Winzeln, Gersbach und einigen innerstädtischen Straßen nicht mehr wirtschaftlich ist, hat sie Knall auf Fall die Arbeiten eingestellt. Tausende Haushalte sind abgehängt vom schnellen Internet, die Stadt ist (fast) machtlos. Da gibt es viele Verlierer: Bürger, Stadt und die Deutsche Glasfaser, die sich in der Horebstadt ihren Ruf verdorben hat.

Eine der Pleiten des Jahres 2025: Die Deutsche Glasfaser hat plötzlich den Ausbau ihres Glasfasernetzes gestoppt, tausende Pirma
Eine der Pleiten des Jahres 2025: Die Deutsche Glasfaser hat plötzlich den Ausbau ihres Glasfasernetzes gestoppt, tausende Pirmasenser Haushalte sind abgehängt.

Auch im nahen Pirmasenser Umfeld gibt es ein Projekt, das zum großen Verlierer des Jahres geworden ist: das Freibad auf der Biebermühle. Angefangen hat es schon im Frühjahr, als die Verbandsgemeinde Rodalben als Betreiber ankündigte, dass es im Sommer geschlossen bleibt. Der schlechte bauliche Zustand und fehlendes Aufsichtspersonal wurden als Gründe genannt. Aber es sollte noch schlimmer kommen: Im Dezember machte ein Gutachter der Verbandsgemeindepolitik klar, dieses Freibad ist dermaßen marode, dass es nicht mehr zu retten ist. Abriss – und nichts oder Neubau? Da ist noch viel Spannung drin.

Ein Verlierer des Jahres 2025: Die Gutachter gehen davon aus, dass sich das Freibad Biebermühle nicht mehr sanieren lässt.
Ein Verlierer des Jahres 2025: Die Gutachter gehen davon aus, dass sich das Freibad Biebermühle nicht mehr sanieren lässt.

Einer der Verlierer: Der Alte Markt stirbt aus

Mein dritter Verlierer des vergangenen Jahres: die Pirmasenser Innenstadt. Denn nachdem schon zum Jahresende 2024 am Alten Markt das Haushaltswarengeschäft Wölfling als großer Anker dicht gemacht hat, kündigte das Modehaus Niebel an, sich 2026 aus der Horebstadt zurückzuziehen. Wenn es keine Nachfolgelösung gibt, ist der Alte Markt quasi „tot“ – die Einkaufsstadt Pirmasens schrumpft weiter. Da drücke ich Gebäudeeigentümer Bernd Adler die Daumen, dass er eine Nachfolgelösung findet – auch wenn das einem Wunder gleicht.

Bleiben wir in der Innenstadt – und nun ist es genug mit Enttäuschungen, Pleiten und Verlierern, kommen wir zu den Erfolgen des Jahres 2025. Und da ist in erster Linie das ehemalige Kaufhallen-Areal an der Ecke Schloßstraße/Höfelsgasse zu nennen. Mehr als einmal wurde das zwischenzeitliche „Schuhstadt“-Projekt totgesagt, mehr als einmal ist es wieder auferstanden mit neuer Ausrichtung. Und auch wenn zwischendurch auch mir mal der Glaube abhanden gekommen ist, dass es noch etwas wird: Mit der Eröffnung des Wasgau-Cafés und des 24/7-Einkaufsmarktes wurde ein Zeichen gesetzt, dass etwas geht an diesem Standort.

Ein fast schon überraschender Erfolg der Stadtentwicklung 2025: Im Höfle-Eck hat das Wasgau-Café eröffnet.
Ein fast schon überraschender Erfolg der Stadtentwicklung 2025: Im Höfle-Eck hat das Wasgau-Café eröffnet.

Hoffnungen in Höfelsgasse: Bücherei und Hotel

Und weil dieser Erfolg eng verbunden ist mit den Hoffnungen für die weitere Stadtentwicklung, komme ich parallel zu den Hoffnungen des Jahres: Mit der Ankündigung, direkt neben dem Höfle-Eck eine neue Stadtbücherei zu bauen, und der schon länger verkündeten Absicht, einige Meter weiter ein B&B-Hotel zu errichten, wird klar: Es gibt immer wieder neue Projekte, die Pirmasens voranbringen.

Erfolg und Hoffnung sind auch eng verbunden mit einem weiteren Innenstadtprojekt: Im vergangenen Jahr wurde die umgebaute Hauptstraße zwischen Pfarrgasse und Sandstraße eingeweiht. Die frühere Untere Fußgängerzone ist jetzt ein Hybrid geworden: tagsüber verkehrsberuhigte Straße, am Abend und an Sonn- und Feiertag durch Pollersperrung eine Fußgängerzone auf Zeit mit attraktiver Aufenthaltsqualität. Die Stadt erhofft sich dadurch die Ansiedlung von Unternehmen, deren Kunden sie mit dem Auto anfahren wollen. Ich habe da so meine Zweifel: Um eine Innenstadtstraße wiederzubeleben, braucht es mehr als Steine, sondern auch Immobilienbesitzer, die ihre Gebäude auf Vordermann bringen und realistische Mieten verlangen. Ob die mitspielen?

Erfolggeschichte: FKP auf Höhenflug

Wenn es um Erfolgsgeschichten 2025 geht, darf der Sport nicht vergessen werden: Der FK Pirmasens ist in die DFB-Hauptpokalrunde eingezogen, hat dort Bundesliga-Aufsteiger Hamburger SV einen großen Kampf geliefert und ist erst in der Verlängerung ausgeschieden. Parallel dazu erlebt die Oberliga-Mannschaft unter Trainer Daniel Paulus einen echten Höhenflug, ist auf dem zweiten Platz in der Winterpause. Wenn das kein Erfolgsjahr war…

Eine Erfolgsgeschichte ganz anderer Art ist die deutsch-französische Partnerschaft von Pirmasens und Poissy: Seit 60 Jahren gibt es diese Städtefreundschaft schon. Wer hätte 1965 gedacht, dass ein solch grenzüberschreitendes Projekt sechs Jahrzehnte überlebt – und das unter wechselnden politischen Führungen hier wie da. Das ist nicht alltäglich.

Eine besondere Erfolgsgeschichte 2025: 60 Jahre besteht die Partnerschaft von Pirmasens und Poissy - hier trägt sich Bürgermeist
Eine besondere Erfolgsgeschichte 2025: 60 Jahre besteht die Partnerschaft von Pirmasens und Poissy - hier trägt sich Bürgermeisterin Sandrine Berno dos Santos (mit OB Markus Zwick) bei den Jubiläumsfeierlichkeiten ins goldene Buch der Stadt Pirmasens ein.

Bleiben wir bei Jubiläen in Pirmasens. Denn sind wir ehrlich: Jedes Unternehmen, jeder Verein, jedes Projekt, das über Jahrzehnte überlebt, ist eine Erfolgsgeschichte für sich. Stellvertretend für manch anders Jubiläum will ich vier Jubiläen von Unternehmen anführen, die für die Stadt prägend waren und sind: 100 Jahre Wasgau, 125 Jahre Keck, 90 Jahre Möbel Zimmermann und 75 Jahre Kunz, da stecken viel erfolgreiches Unternehmertum und viele Arbeitsplätze für die Horebstadt drin.

Jubiläen sind Erfolgsgeschichten: Die Wasgau AG feierte 2025 ihren 100. Geburtstag - hier die Konzernspitze mit den Vorstandsmit
Jubiläen sind Erfolgsgeschichten: Die Wasgau AG feierte 2025 ihren 100. Geburtstag - hier die Konzernspitze mit den Vorstandsmitgliedern Peter Scharf, Thomas Bings und Sascha Kieninger (von links).

Dauerbrenner: Fröhnstraße acht Monate gesperrt

Da bin ich mir jetzt nicht sicher, wenn es um den Dauerbrenner des Jahres geht: Ist es tatsächlich eine Erfolgsgeschichte, wenn die Bauarbeiten am Eckgebäude Fröhn-/Schäferstraße kurz vor Weihnachten zu Ende gegangen sind? Meinen ersten Artikel über die Sicherungsarbeiten an dem denkmalgeschützten Eckhaus habe ich im Januar 2025 geschrieben – den letzten eine Woche vor Weihnachten. Es macht doch nachdenklich, dass es nach dem Baustart Ende April acht Monate gedauert hat, bis die Baufirmen abgezogen sind und die gesperrte Fröhnstraße wieder frei war – schließlich hat es sich nicht um ein Millionenprojekt gehandelt, sondern um bescheidene Handwerksarbeiten.

Persönlichkeiten des Jahres sind für mich Menschen, die über viele Jahre Pirmasens und das Umland geprägt haben: manche sind in den Ruhestand gegangen, andere haben uns für immer verlassen – stellvertretend für viele will ich zunächst zwei „Ruheständler“ nennen: 24 Jahre war Martin Forster Geschäftsführer des Pirmasenser Krankenhauses, bevor er am 31. Dezember in Ruhestand ging. Ohne ihn wäre das Krankenhaus nicht das, was es heute ist. Auch über Gerhard Andreas kann man das sagen: Er hat die Daniel-Theysohn-Stiftung über Jahrzehnte geprägt – was wäre die Region ohne deren finanzielle Unterstützung?

Traurige Nachricht: Krise in Schuhfabrik Semler

Nicht vergessen will ich drei 2025 verstorbene Menschen, die jeder für sich ein Stück Stadtgeschichte geschrieben haben: Fritz Burger, ein Pirmasenser Urgestein, hat sich als Heimatforscher und als Wanderexperte einen Namen gemacht. Und auch die Gewerkschaft in Pirmasens hat er einst geprägt, nicht zuletzt die Volkshochschule geleitet. Monsignore Paul Kuhn war Stiftungsgründer Heinrich Kimmle gefolgt und hat dessen Erbe bewahrt: Über viele Jahre hinweg hat er die Kimmle-Stiftung ausgebaut und modernisiert. Schließlich ist da Edda Merz. Wer ist das, fragen Sie jetzt? Sie steht für alle, die im Stillen in dieser Stadt wirken, eines der Rädchen, die die Pirmasenser Stadtgesellschaft am Laufen halten. Über 30 Jahre hat sie sich für Demenz-Kranke und ihre Angehörigen eingesetzt. Was wären wir ohne solche Menschen…

Was uns 2025 in Pirmasens traurig gemacht hat? Natürlich, da gibt es viele Erlebnisse, Ereignisse und Anlässe. Ich habe es als traurig empfunden, dass mit der Schuhfabrik Semler eine der ganz wenigen verbliebenen Schuhproduzenten in ein Insolvenzverfahren gegangen ist. Über wie viele Schuhfabriken habe ich in meinem Journalistenleben schon schreiben müssen, als sie ihr Ende gefunden haben – egal ob Insolvenz oder einfach nur Unternehmensaufgabe. Es sind nicht nur namhafte Schuhmarken verschwunden, auch tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Und nun auch Semler – immerhin, diese Schuhfabrik lebt wenigstens weiter, wenn auch stark verkleinert.

Eine der traurigen Nachrichten 2025 in Pirmasens: Die Schuhfabrik Semler im Insolvenzverfahren.
Eine der traurigen Nachrichten 2025 in Pirmasens: Die Schuhfabrik Semler im Insolvenzverfahren.

Schlimme Nachrichten? Da fällt mir auch ein Mordprozess ein, der uns im Frühjahr und Sommer bewegt hat: Mutter und Vater haben eine 15-jährige afghanische Schülerin getötet. Wer sich über diesen Prozess und die Hintergründe informiert hat, den überkommt eine gewisse Trauer, dass ein junges Menschenleben einfach ausgelöscht wurde.

Info

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