Pirmasens
Pflaumenbrand und Whisky: Pfälzer Brennkunst überzeugt international
Nur ein Punkt mehr – und Christian Hügels Pflaumenbrand wäre bei den World Spirits Awards, quasi der Weltmeisterschaft im Schnapsbrennen, mit Gold ausgezeichnet worden. So blieb es bei Silber. Und auch die zweite und dritte Whisky-Edition aus der Fehrbacher Brennerei wurden jeweils mit einer Silbermedaille prämiert. Beim World Spirits Award 2026 traten 36 Destillerien und Marken aus 15 Nationen mit 127 Spirituosen an. Die Bandbreite reichte von Gin über Whisky und Rum bis hin zu Obstbränden. Eine nach Veranstalterangaben weltweit führende Fachjury habe im März sämtliche Proben gekostet und bewertet.
Hügel war der einzige Teilnehmer aus der Südwestpfalz. Die nächstgelegenen Konkurrenten kamen aus Eifel und Odenwald, die am weitesten entfernte Brennerei von der Insel Grenada. „Ich habe unsere zweite und dritte Whisky-Edition sowie den Pflaumenbrand eingereicht, der im Portweinfass gereift ist“, berichtet Hügel. Die zweite Whisky-Edition lagerte vollständig im Rumfass aus Barbados. Die dritte reifte zunächst im Bourbonfass und erhielt anschließend ein Finish im Dornfelder-Weinfass aus der Pfalz. „Die Fässer prägen den Geschmack ganz entscheidend“, betont der Brenner. Beim Pflaumenbrand zeige sich das etwa in der „schönen rötlich-braunen Farbe durch die Endreife im Portweinfass“ sowie in der entsprechenden Aromatik. Auch die Whiskys gewännen durch unterschiedliche Fassreifungen deutlich an Profil. Das Destillat aus dem Rumfass etwa entwickle eine „ausgeprägt fruchtige Note mit einem Hauch Rum“. „Der Whisky aus dem Dornfelderfass erinnert eher an rote Beeren – ähnlich einem Portfass, aber weniger süßlich“, erklärt Hügel.
Hohe Nachfrage für Whisky
Edition vier sowie eine rauchige Variante lagern bereits. Die vierte Edition reift im Brandyfass und dürfte 2027 auf den Markt kommen. Parallel arbeitet Hügel an einer rauchigen Abfüllung: „Die reift aktuell in einem schottischen Fass von der Insel Islay.“ Perspektivisch plant er zudem eine Reifung im Tequila-Fass. Insgesamt zeigt er sich erfreut über die Resonanz: „Die Whisky-Editionen werden sehr gut angenommen, die Nachfrage ist hoch.“ Von der ersten Edition sind noch rund 100 Flaschen verfügbar, auch die im Oktober 2025 erschienenen weiteren Editionen sind noch im Verkauf.
Erfolgreich verlief auch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)-Prämierung im Dezember 2025: Der Himbeerlikör „Hügel 22 Razz-Style“ erhielt Gold, der Brombeerlikör („Berry-Style“) sowie der Aprikosenbrand aus der Standard-Edition wurden jeweils mit Silber ausgezeichnet. Für dieses Jahr plant Hügel, erneut einen Whisky, einen Likör und einen Brand einzureichen – mit guten Aussichten auf weitere Auszeichnungen. Insgesamt hat die Brennerei Hügel bislang 36 Prämierungen bei DLG, Craft Spirits und den World Spirits Awards erzielt.
Verkostungstermine sind geplant
Wer die Hügel-Produkte selbst verkosten möchte, soll dafür künftig beste Bedingungen vorfinden: In der Brennerei entsteht derzeit ein sogenannter Tasting-Raum. Hügel erklärt: „Das Projekt ist schon länger geplant, wir wollen es im Laufe des Jahres abschließen. Erste Renovierungsarbeiten sind bereits erfolgt.“ Künftig sollen dort 15 bis 20 Personen Platz finden. Vorgesehen sind feste Verkostungstermine, die vor allem über Social Media angekündigt werden. Darüber hinaus soll der Raum für Geburtstags- und Familienfeiern sowie andere private Anlässe zur Verfügung stehen; ebenso können individuelle Veranstaltungen gebucht werden. Die familiengeführte Brennerei mit Inhaber Karlheinz Hügel und Sohn Christian erzeugt Obstbrände, Liköre, Gin und Whisky. Eine Stärke der Hügels: „80 Prozent des Obstes sind handverlesene Früchte von unseren naturreinen Streuobstwiesen in Fehrbach, Hengsberg und Eppenbrunn.“ Das klassische Sortiment werde ergänzt durch die moderne Linie Hügel 22 – von Gin bis Edelbrände.