Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Kripo-Chef über Sicherheit, Brennpunkte und Einbrüche

Björn Ephan ist der neue Leiter der Kriminalinspektion Pirmasens.
Björn Ephan ist der neue Leiter der Kriminalinspektion Pirmasens.

Die Pirmasenser Kriminalpolizei hat einen neuen Chef. Seit April leitet Björn Ephan die „Kripo“. Die Sicherheitslage vor Ort sieht er „völlig im grünen Bereich“.

Über Mainz und Enkenbach hat es den Münsterländer Björn Ephan nach Pirmasens verschlagen. Ende April hat der 48-Jährige die Nachfolge von Dieter Gast als Leiter der Kriminalinspektion Pirmasens angetreten. Gänzlich neu ist sein Arbeitsplatz für ihn aber nicht – Ephan arbeitet seit sechs Jahren in der Horebstadt und ist hier inzwischen auch heimisch geworden.

Wegen eines Einstellungsstopps bei der nordrhein-westfälischen Polizei landete Ephan 1996 als Polizei-Neuling in Rheinland-Pfalz. „Ich war erst einmal in Mainz und habe dort die klassische Polizeilaufbahn durchlebt“, erzählt der frischgebackene Kripo-Chef. Obwohl er anfangs noch als uniformierter Beamter bei der Schutzpolizei Dienst tat, kam er schon früh mit seinem heutigen Tätigkeitsfeld in Berührung. „Ich habe in Mainz in der AG Straßenkriminalität mitgearbeitet“, berichtet er. Neben Delikten in Sachen Betäubungsmittel beschäftigte sich Ephan damals unter anderem auch mit Einbrüchen und der Identifizierung von Intensivtätern. 2011 wechselte er für vier Jahre ins Landeskriminalamt (LKA), wo er als stellvertretender Dezernatsleiter im Fachbereich Eigentumsdelikte tätig war.

Pendeln zwischen Zweibrücken und Mainz

Letztlich waren es persönliche Gründe, die Ephan vor mehr als zehn Jahren in die Südwestpfalz – genauer gesagt nach Zweibrücken – zogen. „Wie das eben manchmal so ist“, sagt er mit einem Lachen. Da die Pendelei von der Rosenstadt nach Mainz auf Dauer nicht zumutbar war, nutzte er 2015 die Chance, an die Hochschule der Polizei nach Enkenbach zu wechseln. Dort arbeitete Ephan als IT-Trainer und kümmerte sich um die Aus- und Fortbildung seiner Kollegen.

Durch seine Aufgaben in der AG Straßenkriminalität und beim LKA sei es „quasi automatisch“ passiert, dass ihn sein Weg zur Kriminalpolizei führte. 2019 wechselte er zur Pirmasenser „Kripo“. Hier fungierte er zunächst als Leiter des ehemaligen Kommissariats 7, das für Kriminaltechnik und Datenverarbeitung verantwortlich war. Mit der Neugliederung der Kripo Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr übernahm er die Leitung des Kommissariats 42, das sich thematisch von Gewalt gegen Frauen und Kinder sowie Kinderpornografie beschäftigt.

„Wir leben hier gut und sicher“

Björn Ephan hat sich in der Schuhstadt gut eingelebt und kann einige Vorurteile über Pirmasens zurückweisen: „Ich habe immer noch Freunde und Bekannte in Mainz und im Münsterland, die Pirmasens nur aus dem Fernsehen kennen – zum Beispiel von ,Hartz und herzlich’.“ Der negative Eindruck, der durch solche TV-Formate vermittelt wird, kann er nicht bestätigen. „Es ist eine tolle Gegend, die Leute sind sehr aufgeschlossen. Auch die Umgebung ist wunderschön. Das Dahner Felsenland, das Strecktal mit Biergarten – das macht schon was her“, schwärmt Ephan.

Beim Thema Sicherheit sieht er Pirmasens gut aufgestellt. „Wir bewegen uns völlig im grünen Bereich“, sagt der Kripo-Leiter und ergänzt: „Wir leben hier gut und sicher – auch in Zweibrücken und im Landkreis.“ Das lasse sich an Zahlen festmachen: Insgesamt ist die Summe der Straftaten 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent von 8830 auf 8457 gesunken. Zeitgleich liegt die Aufklärungsquote mit 73,8 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt (64,3 Prozent). Laut Ephan ist eine Ursache für diese gute Quote, dass die Polizeidirektion und die Kriminalinspektion in Pirmasens unter einem Dach sind. „Ich habe schon in vielen Dienststellen gearbeitet, aber hier in Pirmasens ist es schon sehr gut, die Zusammenarbeit ist vorbildlich. Auch die Kommunikation zu den Außenstellen in Zweibrücken, Dahn und Waldfischbach läuft einwandfrei“, lobt er.

Keine Brennpunkte

Klassische Kriminalitätsbrennpunkte gebe es in der ganzen Südwestpfalz nicht, sagt Ephan. Andernorts fallen oft Bahnhöfe in diese Kategorie. „Das ist bei uns überhaupt kein Thema“, so der Kripo-Leiter. Zwar habe es am Bahnhof in Waldfischbach-Burgalben in der Vergangenheit eine Häufung an Vorfällen gegeben – die Polizei spricht von einem sogenannten temporären Schwerpunkt –, aber das sei inzwischen nicht mehr der Fall. Durch eine erhöhte Polizeipräsenz habe sich die Situation schnell wieder beruhigt.

Ähnlich verhalte es sich am Pirmasenser Exerzierplatz. Hierfür wurde sogar eine eigene Ermittlungsgruppe gegründet. „Durch mehr Kontrollen haben wir die Lage in den Griff bekommen. Inzwischen ist es dort sehr ruhig geworden“, versichert Ephan.

Grenzübergreifende Zusammenarbeit

Ebenfalls beruhigt hat sich das Thema Einbrüche in Pirmasenser Vororten. Besonders in Erlenbrunn und Niedersimten kam es im Herbst und Winter zu mehreren solcher Delikte. „Zu dieser Jahreszeit ist das jedes Jahr so. Die Täter nutzen aus, dass es früh dunkel wird“, schildert Ephan. Um den Einbrechern auf die Schliche zu kommen, habe die Pirmasenser Kripo unter anderem eng mit der Bundespolizei und den Kollegen im angrenzenden Frankreich zusammengearbeitet. „Es gab mehr Kontrollen an der Grenze, aber es konnte nicht festgestellt werden, dass Täter verstärkt aus Frankreich zu uns kommen“, verrät der 48-Jährige. Auffällig: Trotz mehrerer Einbrüche auf deutscher Seite kam es jenseits der Grenze nicht zu vergleichbaren Taten.

In Erlenbrunn sorgten die Einbrüche dafür, dass sich mehrere Nachbarn zusammenschlossen, um abends spazieren zu gehen und so potenzielle Einbrecher zu vertreiben. Ephan sieht darin kein Problem für die polizeilichen Ermittlungen: „Grundsätzlich ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Bürger spazieren gehen. Von der Polizei selbst gibt es die Aktion ,Wachsamer Nachbar’, die darauf abzielt, dass man nacheinander sieht.“ Das wachsame Auftreten der Erlenbrunner habe einen abschreckenden Effekt. Entscheidend sei, dass die Leute es der Polizei melden, wenn ihnen etwas auffällt. „Mein Appell lautet immer: Lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig“, sagt Ephan. Besonders wichtig: Wer beispielsweise einen Einbruch beobachtet, solle auf keinen Fall selbst eingreifen. „Es soll sich niemand in Gefahr bringen und stattdessen die Polizei rufen. Wir sind schnell da“, betont er.

Keinerlei Bedarf sieht der Kripo-Chef an selbst ernannten Bürgerwehren – was die Erlenbrunner Nachbarn explizit nicht sind. „Es wird oft unterstellt, dass die Polizei nichts tun würde. Aber wir machen natürlich verdeckte Maßnahmen, um die Täter zu finden – auch in Erlenbrunn und Niedersimten. Die bekommen aber eben auch die Bürger nicht mit.“

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