Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Moritz Heene und die fehlende Hundertstelsekunde

Während Timon Dethloff (links) im Halbfinale in die Hürde läuft, stürmt der Rodalber Moritz Heene in den Endlauf der deutschen H
Während Timon Dethloff (links) im Halbfinale in die Hürde läuft, stürmt der Rodalber Moritz Heene in den Endlauf der deutschen Hallen-Meisterschaft. Dort kommt er auf Platz fünf.

Moritz Heene hätte um ein Haar seine Bestmarke eingestellt. Statt Rekord bleibt Rang fünf bei der Hallen-DM. Für den Hürdensprinter ist es dennoch ein Erfolg.

Diese eine Hundertstelsekunde, die hätte es jetzt auch noch schneller sein können, findet Moritz Heene. Doch die Zeituhr in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle bleibt für den Hürdensprinter des 1. FC Kaiserslautern bei 8,00 Sekunden stehen. Eine Hundertstel fehlt dem Rodalber eben, um seine persönliche Bestzeit einzustellen. Den eigenen Rekord zu knacken, das ist nun einmal das erste Ziel eines Leichtathleten. (Den Liveblog zur Hallen-DM zum Nachlesen finden Sie hier)

Obwohl Heene ob des fehlenden Wimpernschlags ein wenig den Kopf schüttelt, ist er nicht unglücklich mit seinem fünften Platz bei den deutschen Hallenmeisterschaften. So gut war der amtierende deutsche Hochschulmeister über die 60 Meter Hürden bei nationalen Titelkämpfen zuvor noch nie. „Nach der eher durchwachsenen Saison, vor allem jetzt in den letzten Monaten, kann ich eigentlich nur zufrieden sein“, sagt er. Zwischenzeitlich sei ihm der Trainingsrhythmus ein wenig abhanden gekommen, die Zeiten, die er lief, beschreibt er als „mittelmäßig“. Hinzu kamen technische Probleme. „Ich bin immer zu nah an die Hürden gekommen“, sagt er.

Bei sich geblieben

In Dortmund sprintet er zweimal sauber über die fünf Hürden, im Halbfinale gelingt ihm in 8,04 Sekunden als Zweiter die direkte Qualifikation für den Endlauf. Schneller ist in seinem Lauf nur Fred Isaac Fleurisson von Eintracht Frankfurt, der später auch den Titel gewinnt. Seine Siegerzeit: 7,77 Sekunden. Da wäre Heene auch mit persönlichem Rekord nicht rangekommen. Am frühen Samstagabend zählt der Hürdensprint zu den Höhepunkten des Wettkampftages. In der Halle geht das Licht aus, die Athleten werden einzeln aufgerufen.

„Ich habe es hinbekommen, den Kopf auszuschalten im Finale und einfach versucht, irgendwie dran zu bleiben, meinen Lauf zu machen“, sagt Heene, der an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität in Landau Lehramt für Sport, Geografie und Englisch fürs Gymnasium studiert. Wie wichtig es ist, bei sich zu bleiben, zeigt sich schon zuvor im Halbfinale: Auf der Bahn neben Heene fabriziert Felix Doll vom Hamburger SV einen Fehlstart und wird disqualifiziert, auf der anderen Nebenbahn räumt Timon Dethloff von Cologne Athletics kurz vor dem Ziel die letzte Hürde ab. Heene indes lässt sich nicht beirren.

Studium hat Priorität

„Die Läufe waren absolut solide“, sagt er. Den Sport hat Heene im zwar Fokus, doch sein Studium hat für ihn klare Priorität. Daher ist es für ihn immer ein Erfolg, ins Finale bei deutschen Meisterschaften einzuziehen. Dorthin, wo seine Konkurrenten durchaus auch internationale Ambitionen hegen. Vergangenen Sommer verpasste er den DM-Endlauf in Dresden, in der Halle wurde er Sechster. Nun also steht Platz fünf zu Buche, den er nach kurzem Zögern dann doch als Erfolg einordnet, auch ohne die fehlende Hundertstelsekunde. „Die Leistungsdichte war unheimlich hoch“, sagt er, „klar, es gab auch einige Ausfälle. Aber man muss halt erst mal da sein und laufen. Und das habe ich gemacht.“

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