Pirmasens
Mit Musik ein Zeichen für Vielfalt gesetzt
Die Veranstaltung am Samstag fand im Rahmen des landesweiten Aktionstages „AfD-Verbot Jetzt“ statt. Anstelle politischer Reden stand ein gemeinsames Singen und Musizieren im Mittelpunkt des Geschehens. Musikalisch begleitet wurde das Ganze von in Pirmasens bekannten Gesichtern wie Bezirkskantor Maurice Croissant, dem Dirigenten, Konzertpianisten und Musikpädagogen Volker Christ sowie dem Musiker Achim Bißbort.
Das Bündnis selbst reagierte mit der Veranstaltung eigenen Angaben zufolge auf zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und das Erstarken rechtsextremistischer Positionen. „Vor diesem Hintergrund müssen wir als Zivilgesellschaft unsere demokratischen Grundwerte verteidigen. Wenn wir schweigen, hat das Folgen. Wir werden die Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Nationalität, ihrer Identität oder aufgrund eines Handicaps nicht hinnehmen. Diese Menschen gehören zu unserem Alltag und zu unserem Leben dazu“, sagte Rednerin Dunja Maurer bei der Eröffnung der Veranstaltung vor dem Alten Rathaus.
Friedens- und Antikriegslieder zum Mitsingen
Zwei Tage vor der Veranstaltung in Pirmasens hatte das Verwaltungsgericht Köln dem Bundesamt für Verfassungsschutz untersagt, die AfD vorerst als „gesichert rechtsextremistisch“ einzustufen und dies öffentlich zu machen. Das Amt müsse den Ausgang des Hauptverfahrens abwarten, hieß es. Zwar sieht das Gericht Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen innerhalb der Partei, jedoch keine das Gesamtbild prägende Grundtendenz. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte die AfD 2024 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Die Partei klagte dagegen vor dem Verwaltungsgericht Köln. Dunja Maurer sagte dazu, Demokratie sei weit mehr als die Herrschaft der Lautesten. Demokratie lebe unter anderem von Streit und von Wahlen. Selbstverständlich sei sie nicht. Menschenwürde sei zudem kein Mehrheitsbeschluss.
Zehn Lieder hatte sich das Bündnis zum gemeinsamen Singen ausgesucht, darunter zahlreiche Friedens- und Antikriegslieder wie „We Shall Overcome“ oder „Imagine“ von John Lennon. Zu den mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehörte auch Karina Jung. „Ich will, dass meine Stimme gegen Rechts gesehen wird und bin deshalb hierhergekommen. Ich finde, Pirmasens muss sich ganz klar gegen die AfD positionieren. Ich mache mir Sorgen um die Hohe Zahl der Parteianhänger, diese Zeiten sind nicht einfach“, so Jung.
Angst vor Verhältnissen wie in Sachsen-Anhalt
Veranstaltungsteilnehmer Dustin Müller ist 26 Jahre alt und findet es wichtig, als junger Mensch bei der Aktion Präsenz zu zeigen. „Ich bin für ein klares Verbot dieser Partei. Ich befürchte, dass sie bei den anstehenden Landtagswahlen ein viel zu gutes Ergebnis erzielt und habe Angst, dass wir hier Verhältnisse wie in Sachsen-Anhalt bekommen“, meint Müller. Teilnehmerin Eveline Haase sagt: „Im Moment spielt die ganze Welt verrückt, da habe ich kein gutes Gefühl. Ich finde, für eine Kleinstadt wie Pirmasens haben sich heute relativ viele Leute auf dem Schlossplatz zusammengefunden. Das gibt Hoffnung“.