Pirmasens Mehr Einbrecher unterwegs

Die Vorjahresmarke war im September schon geknackt. Und Sorgen bereitet dabei vor allem die Grenzregion: Die Polizei blickt mit Besorgnis, aber nach eigenem Bekunden auch gewappnet auf die steigende Zahl von Einbrüchen. Die „Wohnungseinbruchs-Kriminalität“ hat im Wirkungsbereich der Polizeidirektion Pirmasens zugenommen. Bereits 270 Fälle sind bis Herbst beginn registriert worden. Darauf reagiert die Polizei, die allerdings auch an die Bürger appelliert: Zum Schutz vor Eindringlingen könne jeder ein Stückchen beitragen.
„Die Nähe zu Frankreich spielt da schon eine Rolle – es geht den Tätern ja darum, möglichst schnell zu verschwinden“, stellt Karl Höhn klar. Mal eben untertauchen sei wohl jenseits der Grenze einfacher. Was aber keinesfalls heiße, dass die Täter Franzosen seien. Neben dem Streifen im Süden des Landkreises Südwestpfalz sind die Zahlen auch in der Stadt Pirmasens auf vergleichsweise hohem Niveau. 52 Einbrüche gab es im Stadtgebiet bis Ende September, im gesamten vergangenen Jahr waren 43, 2012 aber auch schon mal 70. Geradezu explodiert ist das Aufkommen in Zweibrücken: 2014 waren 32 Einbrüche in der Stadt gemeldet worden. Von Januar bis Ende September ist die Zahl auf 63 hochgeschnellt. Die Entwicklung gibt Anlass zur Besorgnis: Landesweit ist die Quote der Einbrüche in Wohnungen um gut 17 Prozent gestiegen. Was die gesamte Westpfalz betrifft, so saust die Fallzahlen-Fieberkurve zwar nicht so rasant in die Höhe wie im Landes-Schnitt. Doch hat die Polizei in westpfälzischen Regionen ebenfalls längst reagiert und ein Maßnahmen-Paket geschnürt. Mit die wichtigste Rolle spielen beim Einbruchschutz die Bürger – die potenziellen Opfer – selber. Franz-Josef Brandt ist daran gelegen, das Bewusstsein der Menschen für die Gefahr zu schärfen. Nicht selten schauten sich Beamte auch die Objekte der Begierde lichtscheuer Zeitgenossen genau an: Wohnungen, Häuser, Autos. „Und was müssen wir da feststellen?“, so der Leiter Polizeieinsatz beim Präsidium Westpfalz in Kaiserslautern: „Autos unverschlossen, Fenster gekippt, Haustüren, die offen stehen, während die Bewohner irgendwo hinterm Haus oder beim Nachbarn sind“, schildert Brandt die Lage. Da stelle sich doch die Frage: Müsse man denn mögliche Einbrecher auch noch einladen? In Herbst und Winter können Täter den Schutz der Finsternis länger nutzen. Nicht zuletzt deshalb warnt die Polizei zurzeit umso eindringlicher: Gegen die „Wohnungseinbruchs-Kriminalität“ gibt es wirkungsvolle Vorbeuge-Maßnahmen. Darüber zu informieren, ist wichtiger Teil der Strategie. Dass die Polizei allerdings auch gegen die Täter viele Pfeiler im Köcher habe, das haben Führungskräfte des Präsidiums gestern bei einer Pressekonferenz in Kaiserslautern verdeutlicht. „Vieles, was wir tun, sieht der Bürger ja gar nicht“, stellte Reinhold Zimmer, Leiter des Sachbereichs Kriminalitätsbekämpfung, klar. „Aber wir haben ein Maßnahmen-Paket geschnürt, das seine Wirkung nicht verfehlt“, versicherte Polizeipräsident Elmar May. So beschäftigt sich seit einiger Zeit eine „AG Bande“ mit Einbruchsdelikten. Damit wird einer Erkenntnis der Polizei Rechnung getragen: Die Täter lassen sich grob in zwei Gruppen trennen: zum einen regional ihr Unwesen treibende, in der Gegend beheimatete Kriminelle, zum anderen aber überregional aktive, gut organisierte Banden, die äußerst mobil sind. Und die vor allem eins wollen: Schnell Beute machen – und noch schneller wieder verschwinden. Deshalb hielten sich die Täter erfahrungsgemäß auch nicht lange an schwer überwindbaren Hürden auf, weiß Frank Gautsche, Leiter der Kriminaldirektion Kaiserslautern. Halte ein Fenster, eine Tür dem Einbruchsversuch länger stand, suchten Täter eher das Weite. Daher sei dringend zu empfehlen, das Haus, die Wohnung besser zu schützen. Es gebe wirksame Maßnahmen, die nicht teuer seien. Wachsamkeit sei gefragt, nicht nur mit Blick auf das eigene Anwesen. „Lieber werden wir zu oft angerufen“, betonen die Kriminal-Experten. So einige Einbrüche seien nicht zuletzt dank der Hinweise von Bürgern aufgeklärt worden. Gefeit vor einem Einbruch sei letztlich niemand, das Risiko aber lasse sich verringern. Geringer ist es übrigens in eher abgelegenen Gegenden: Einbrüche häufen sich an Orten, die nahe einer Autobahn liegen. (cha)