Pirmasens „Man sollte nicht schlechter werden mit den Jahren“

Susanne Blech gibt es nicht – und doch ist sie existent: Als Band. Und die legt gerade mit „Welt verhindern“ ihre dritte CD vor, die sie am Samstag in der Kaiserslauterer Kammgarn live vorstellt. Über die Electro-Pop-Band mit den recht skurrilen, dadaistischen Texten sprach Christian Hanelt mit deren Texter Timon Karl Kaleyta.

Würden Sie bei den Songs der CD heute alles noch mal so machen?

Ich frage mich immer, was das da ist, was man da gemacht hat. Und ich kann mir das Album auch nur schwer anhören. Ich bin ja nicht der geborene Musiker, ich bin der Texter und der Ideenmann. Deshalb könnte ich so ein Album auch nicht selbst produzieren. Wenn ich Musiker wäre, würde ich vielleicht ganz andere Musik, vielleicht ganz ruhigen Kram machen. Sie könnten sich ihre Texte also auch mit anderer Musik vorstellen? Diese Kombination meiner Texte mit dem teilweise recht simplen Electro passt ganz gut. Das ist sehr reizvoll und hat bislang ja auch ganz gut hingehauen. Wir haben ja schon drei Alben in diesem Stil gemacht. Aber mal sehen – für das nächste Album stellen wir uns wieder neu auf. Das ist ja schon ihr drittes Album... Ja – aber das Erste ist im Grunde fast unhörbar. Was hat sich seither verändert? Beim ersten Album habe ich noch alles runtergeschrieben, was mir gerade in den Sinn kam. Das war reiner Nihilismus, das war komplett Dada. Ich finde es auch total langweilig, wenn mit einem Song ganz klare Botschaften vermittelt werden sollen. Dafür ist für mich Musik nicht da. Und vor allem war damals die Musik deutlich schlechter produziert, wir haben das Album noch nicht einmal mastern lassen. Das klingt doch sehr nach Plastik. Jetzt ist das alles schon deutlich strukturierter und in einer ganz anderen Qualitätsstufe. Man sollte ja auch nicht schlechter werden mit den Jahren. Steht hinter ihren Texten ein Konzept? Nein. Aber Songs wie „Wir können die Welt verhindern“ haben zumindest inhaltlich einen Ansatz, dem man folgen kann – ob man den nun versteht oder nicht. Es gibt aber auch die ganz anderen Songs. Ich schreibe einen Satz auf, der mir wichtig erscheint, und dann den nächsten. Dabei ist es mir egal, ob das dann einen zusammenhängenden Sinn ergibt. Wie genau entstehen die Lieder? Während mein Produzent Sebastian Maier im Studio irgendwelche neuen Melodien, Sounds oder Beats ein spielt, sitze ich daneben und schreibe sofort eine Zeile, irgendwas was dazu passt. Darauf baue ich dann auf. Viele Sachen entstehen so direkt im Studio – und zuhause höre ich mir das an, ob irgendwas hakt, denn ich will bei den Texten immer, dass es wortästhetisch passt, dass es groß und rund klingt und keine Silbe stört. Die Band heißt „Susanne Blech“ – aber wer ist Susanne Blech? In der Band spielen nur Männer. Es gab und gibt keine Frau mit diesem Namen. „Susanne Blech“ ist aus einem totalen Dada entstanden. Wir hatten gerade unseren ersten Song „Neuzeit“ gemacht. Der kam – das war Neo-Pop oder Neue Deutsche Welle – über mehrere Ecken zum Produzenten von Jan Delay. Der fand ihn super, rief mich an und fragte, wie das Projekt denn heißen würde. Aber ich hatte keine Ahnung und sagte ihm, er solle es einfach „Susanne Blech“ nennen. Seitdem heißt es so. Ich habe mir auch schon oft gewünscht, wir hätten einen anderen Namen – irgendwas cooles. Aber dafür ist es jetzt zu spät.

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