Poissy Linker Bürgermeisterkandidat in Poissy: Das sind seine Ziele

Mathieu Paranthoën kennt Pirmasens noch nicht, findet das Konzept der „essbaren Stadt“ aber hochinteressant.
Mathieu Paranthoën kennt Pirmasens noch nicht, findet das Konzept der »essbaren Stadt« aber hochinteressant.

Bei der Wahl zum Bürgermeister in der Pirmasenser Partnerstadt Poissy kandidiert Mathieu Paranthoën. Er tritt für Die Linken an. Was seine Ziele sind.

Nicht nur die Bürgermeisterin Sandrine Bernos Dos Santos und ihr Vorgänger Karl Olive werden bei der Kommunalwahl im März in der Pirmasenser Partnerstadt Poissy gegeneinander antreten. Mit Mathieu Paranthoën kandidiert von der Linken ein weiterer Anwärter auf das Amt. Das Linksbündnis von Paranthoën hatte bereits im vergangenen Jahr mit seiner Kandidatur für die Nationalversammlung für Aufsehen gesorgt, war in die Stichwahl gekommen und schaffte es auf 38 Prozent der Stimmen gegen Karl Olive, den früheren Bürgermeister. Mit dem Kollektiv „Mieux Vivre Poissy“, also „Besser Leben Poissy“ will Paranthoën die Mehrheit im Stadtrat und damit den Bürgermeisterstuhl gewinnen.

Hinter dem 38-jährigen Juristen, der seit zehn Jahren in Poissy lebt und aus der Bretagne stammt, steht das linke Bündnis Front Populaire, was sich mit Volksfront übersetzen lässt. Welche Parteien darin für Poissy genau zusammengehen, ist noch offen. Die sehr linke Partei La France Insoumise von Jean-Luc Melenchon habe sich beispielsweise noch nicht entschieden, meinte Paranthoën, der hofft, möglichst viele linke Kräfte in dem Kollektiv „Mieux Vivre Poissy“ binden zu können.

Wahlprogramm vom runden Tisch

Der Kollektivgedanke ohne Parteibuch steht allerdings im Vordergrund. Das Programm für die Wahl werde im Kollektiv mit runden Tischen ausgearbeitet. Am 4. Oktober trafen sich so dutzende Bürger, um über Themen wie Gesundheit, Kultur, Bildung, Umweltschutz, Verkehr oder Sicherheit zu sprechen. Generell wünscht sich Paranthoën eine bessere Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen. „Wir wollen den Platz des Bürgers in der Politik revolutionieren“, kündigt er an. Es reiche nicht, alle sechs Jahre den Stadtrat zu wählen und dann nichts mehr zu sagen haben, findet er. Regelmäßige Referenden zu städtischen Themen müssten angeboten werden. Dann würden sich die Bürger auch mehr für ihre Stadt engagieren.

Derzeit werde die politische Diskussion in Poissy durch den Streit zwischen Amtsinhaberin Sandrine Bernos Dos Santos und ihrem Vorgänger sowie Gegenkandidaten Karl Olive dominiert. Ein Streit, der zu kuriosen Beschlüssen im Stadtrat führt. Als Beispiel nennt Paranthoën die Ankündigung von Olive in Sozialen Medien, dass er im Fall seiner Wahl sofort die Bettelei verbieten werde. Bernos Dos Santos erließ keine acht Tage später ein entsprechendes Verbot und kam ihm damit zuvor. „Bettelei verbieten ist illegal“, findet dagegen Paranthoën, der das Verbot wieder zurücknehmen will.

Wasserversorgung wieder staatlich machen

An konkreten Zielen kann Paranthoën bei der medizinischen Versorgung die Einrichtung eines Gesundheitszentrums in der Art eines Medizinischen Versorgungszentrums nennen, in dem die Ärzte angestellt sind und vom Allgemeinarzt bis zum Orthopäden mehrere Fachrichtungen zu finden sein sollten.

Ein großes Anliegen von „Mieux Vivre Poissy“ sei zudem das Wasser. Wer in Poissy den Wasserhahn aufdreht, kann schon das Chlor riechen. Fast alle Bürger nutzen eigene Wasserfilter im Haushalt, wenn sie sich diese leisten können. „Wir brauchen besseres und weniger teures Wasser“, so Paranthoën. Poissy hatte die Wasserversorgung privatisiert. Das will er wieder rückgängig machen und künftig einen progressiven Wassertarif anbieten. Der erste Liter sei dann umsonst und mit steigendem Verbrauch steige auch der Preis, womit der Pool im Garten ein kostspieliges Vergnügen würde, wie er ein Beispiel benennt.

Gärtnerei soll eigenes Gemüse anbauen

Beim Verkehr fehlen ihm Radwege. Er nutze selbst das Rad, um jeden Tag zum Bahnhof zu fahren. Es brauche mehr Busverbindungen und echte Radspuren. Die städtische Gärtnerei sollte eigenes Gemüse anbauen. Das Pirmasenser Konzept der „essbaren Stadt“ findet er deshalb hochinteressant und würde es gerne vor Ort mal sehen. Die Stadt Pirmasens habe er bisher noch nicht besucht, aber schon viel davon gehört. Es soll eine charmante Stadt mit viel Wald sein. Den Juristen Paranthoën interessiert aber auch, wie die Verwaltung in Pirmasens funktioniert.

Aktuell gibt es mit Paranthoën nur drei Kandidaten für den Bürgermeisterposten in Poissy. Ob der Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen antreten wird, sei noch offen. Vor fünf Jahren habe der RN versucht, eine Liste aufzustellen, es aber nicht geschafft. Das könnte dieses Mal wieder passieren. Bei der Wahl zur Nationalversammlung war im ersten Wahlgang der Kandidat des RN auf 25 Prozent und damit nicht in die Stichwahl gekommen.

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