Pirmasens Kunstaustausch auf dem Postweg

Die Künstlerin Annet Kuska kehrt nach zwölf Jahren aus England nach Deutschland zurück. Von der Südküste Englands in den Pfälzer Wald. Von ihrem Domizil in Bundenthal aus pflegt sie ihre britischen Kontakte – und sucht sich neue. Mit PrintXchange vernetzt sie Künstlerkollegen aus England, Deutschland und Frankreich. Der künstlerische Austausch von Druckgrafiken funktioniert auf dem Postweg – im A4-Format als Druckmappe.

Seit fünf Jahren lebt Annet Kuska in Bundenthal. Dorthin verschlug es sie aus dem südenglischen Bournemouth, wo sie im Anschluss an ihr Kunststudium an dem Arts Institute (jetzt: The Arts University College at Bournemouth) als Dozentin tätig war. Seit fünf Jahren hat sie die deutsche Heimat wieder. Aber der künstlerische Austausch mit englischen Künstlern geht weiter. Und intensiviert sich. Denn es kommen Künstler aus ihrer neuen Umgebung hinzu: aus Deutschland und Frankreich. Inzwischen sind neun Künstler in der Gruppe vernetzt. Die Idee ist einfach und gut. Jeder Künstler liefert eine Grafik im A4-Format in mehrfacher Ausfertigung. Daraus erstellt Kuska eine Kunstmappe, die jeder Künstler per Post bekommt, damit die Beteiligten ihre Arbeiten gegenseitig kennenlernen und wenn möglich, sogar in heimischen Gefilden ausstellen. Die Initiatorin Kuska liefert für die erste Auflage der Mappe eine Elster, nachdem sie in der letzten Zeit einen bekannten englischen Kinderreim mit den Vögeln illustriert hat. Der Eigensinn und die Neugier der Vögel haben sie so sehr fasziniert, dass sie ihr danach auch in andere Arbeiten „entwischt“ sind, erzählt Kuska zu ihrem Druck. Wie ihre Arbeit „Oh Baby“, die mit Kaltnadel und Schriftsatz gefertigt ist. Kuskas Portfolio ist allerdings sehr viel breiter gefächert und umfasst Malerei, Zeichnungen und Drucke. Besonders beeindruckend sind ihre farbkräftigen, eigensinnigen Porträts vor individuellem Hintergrund. Aus England sind neben Michael Griffiths („Right Angle“, Siebdruck) die Künstlerinnen Ruth Barrett-Danes („The Flight Home“), Amanda Morris („Spinnaker Blue“), Joan Newitt („Tempest“) und Marcia Gillespie („Effects“) mit von der Partie. Die ersten drei lassen sich von der Natur ihrer Lebensräume inspirieren: Barret-Danes von der Landschaft um Hampshire, Morris von der Südküste Englands und Newitt von einem stürmischen Winter, in dem sie zum Thema Landschaft arbeitete. Marcia Gillespies Arbeiten sind da exotischer. Sie thematisiert in ihrer Kunst „Effects“ ihren Aufenthalt in Ägypten, Syrien und Marokko in den Jahren 2008, 2009 und 2012. Sie verarbeitet mit einem Zwei-Platten-Druck in der Technik des Photopolymerdrucks ihre Eindrücke vom arabischen Frühling und seine Konsequenzen. Was erst optimistisch, vorwärts gewandt und voller Energie anfing, endete mit militärischen Interventionen. Die Vorkommnisse übersetzt sie mit zwei Menschen, rückwärtsgewandt, die von den Spuren des Geschehenen gezeichnet und in überlieferte Schablonen zurückgedrängt sind. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft in Hinterweidenthal lernt Annett Kuska Peter Padubrin-Thomys kennen und gewinnt ihn für PrintXchange. Der in Halle geborene Künstler thematisiert in seinen Werken, wie er selbst sagt, erlebten Alltag, Literatur und Tagträumereien, in denen sich Dynamik und Vorgang spiegeln sollen. Dies erreicht er durch die Reduzierung der malerischen Mittel auf das Wesentliche. Für den Grafikaustausch wählt er seine Radierung „Dialog“, um mit dem Werk den künstlerischen Dialog auf internationaler Ebene zu beginnen. Neben England und Deutschland ist auch Frankreich bei der Tauschaktion dabei. Sarah Monnier aus Nancy legt die Druckgrafik „L’aurore“ in die Austauschmappe der Künstler. Ihr Werk heißt auf deutsch „das Erwachen“ und ist eine Radierung mit Blattsilber. Die Französin arbeitet mit ganz unterschiedlichen Techniken in der Druckgrafik, geht aber immer von Fotografien aus. Sie „gräbt in das Material und sucht nach grafischen Möglichkeiten, um Personen darzustellen. Zwischen Erosion und Verwandlung lassen ihre Charaktere organische und kontrastreiche Landschaften entstehen“, die den Betrachter angenehm berühren und ihn in eine ästhetisch-schöne Welt entführen. Nicht zuletzt bereichert Klaus Kadel-Magin die Kunstmappe mit einem Siebdruck aus seiner Serigraphien-Reihe „Logos“. Der deutsche Künstler aus dem Künstlerkollektiv Artopie in Meisental verbindet verschiedene ästhetische Formen zu einer künstlerischen Einheit. Fotografie und Zeichnung vereinen Natur und Kunst, das Gewachsene und das Geschaffene im übergeordneten Siebdruck. Im von ihm ausgewählten Siebdruck verbinden sich dichte Wälder mit hauchzarten Linien und Farbimpulse auf filigrane Weise. Aus dem internationalen Kunstaustausch per Post hat sich die PrintXchange-Künstlergruppe zusammen gefunden. Im Mai 2015 stellen die neun ihre Arbeiten erstmals gemeinsam aus: in der Dahner Galerie N. Natürlich geht der Kunstaustausch mit neuen Auflagen weiter. PrintXchange per Post. Und wer weiß, vielleicht gibt es demnächst auch Ausstellungen in Frankreich und England. (Foto: Kadel)

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