Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Kreis Pirmasens/Zweibrücken: Nur Hartplatz gibt’s nicht mehr

Aus seinem großen Hartplatz unweit der einstigen Mülldeponie Ohmbach, auf der ein Solarpark (im Hintergrund) errichtet wurde, ma
Aus seinem großen Hartplatz unweit der einstigen Mülldeponie Ohmbach, auf der ein Solarpark (im Hintergrund) errichtet wurde, machte der TuS/DJK Pirmasens ein schmuckes Rasenfeld, das im Juli 2022 eingeweiht wurde. Auf den ehemaligen Tennisplätzen wurde ein Trainingshartplatz errichtet.

Der Trend geht eindeutig zum Rasen. Doch noch existieren in der Südwestpfalz 14 wettkampftaugliche Hartplätze, worüber so mancher Verein sehr froh ist.

Sie sind nicht sonderlich beliebt, die sogenannten Hartplätze. Zumindest nicht bei den Fußballern, die darauf spielen sollen. Aber: Sie sind teilweise sehr wichtig für jene Sportvereine mit Naturrasen-Spielfeldern, wenn diese witterungsbedingt ihr Grün schonen müssen und dann auf dem harten Geläuf trainieren oder auch mal ein Meisterschaftsspiel austragen.

Noch 14 wettkampftaugliche Hartplätze gibt es im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken. Sie befinden sich in Rodalben, Hauenstein, Bruchweiler, Höhmühlbach, Lemberg, Martinshöhe, Kröppen, Vinningen, Heltersberg, Merzalben, Obersimten, Clausen und zweimal in Münchweiler (Rotenstein und Langenberg). Weitere Trainingshartplätze sind in Bruchweiler, Winzeln, Zweibrücken (VB), Erlenbrunn, Busenberg, Waldfischbach und beim TuS/DJK Pirmasens vorhanden. Auch in Donsieders könnte auf einem Hartplatz gespielt werden, doch beim dortigen Sportverein fehlt es an Personal. Seit auch beim SV Rot-Weiß Pirmasens der Hart- in einen Rasenplatz umgewandelt wurde – Einweihung des neuen Grüns war im September 2025 –, gibt es gleichwohl inzwischen in den südwestpfälzischen Fußballklassen keine einzige Mannschaft mehr, die ausschließlich einen Hartplatz zur Verfügung hat. Jeder Verein, der am Spielbetrieb teilnimmt, kann auf einem Rasen kicken.

„Richtig gute Drainage“

Einer der besseren Hartplätze, der zudem auch intensiv genutzt wird, ist der des SV Rot-Weiß Höhmühlbach, der eine Spielgemeinschaft mit dem über einen Rasen verfügenden TuS Maßweiler bildet. „Das ist ein großer Platz mit einer richtig guten Drainage, durch die das Regenwasser richtig gut abläuft. Der Platz wird von uns mit viel Manpower gepflegt und ist immer sehr gut bespielbar“, sagt Höhmühlbachs Vorsitzender Armin Zimmermann. Der Hartplatz sei Jahrzehnte alt, aber auch bereits saniert worden. Natürlich habe man sich beim SVH auch schon mit dem Gedanken getragen, einen Rasen anstelle des Hartplatzes zu installieren, doch „fehlen die finanziellen Mittel“ bei solch einem kleinen Verein. Und ein Kunstrasenspielfeld sei noch teurer. Zimmermann:„Deshalb verfolgen wir diese Pläne auch nicht weiter.“

Die Brüder Bernd (links) und Norbert Scherer pflegen den Hartplatz des SV Rot-Weiß Höhmühlbach.
Die Brüder Bernd (links) und Norbert Scherer pflegen den Hartplatz des SV Rot-Weiß Höhmühlbach.

Mit dem TuS Maßweiler habe der SV Höhmühlbach aber auch einen optimalen Partner. Maßweiler hält ein Rasenfeld vor, das im Frühling, Sommer und teilweise auch im Herbst bespielt wird. In der „schlechten Jahreszeit mit viel Nässe“, so Zimmermann, gehe es auf den Hartplatz, wobei auch schon mal auf dem Hartplatz trainiert und auf Rasen gespielt wird. „Manchmal werden wir belächelt, weil wir nur einen Hartplatz haben, aber im nächsten Moment flattern Anfragen von anderen Vereinen ins Haus, ob sie bei uns trainieren dürften, weil sie ihren Rasen schonen wollen“, erzählt Zimmermann.

Kleiner Wettbewerbsvorteil

„In den Wintermonaten ist unser Hartplatz unersetzbar“, betont Marc Kevin Schaf, der Vorsitzende des SV Lemberg. Auf jeden Fall sei der Hartplatz „besser als sein Ruf“. Manchmal gerate der Hartplatz schon zu einem kleinen Wettbewerbsvorteil für die Kicker des SVL, „weil die anderen Mannschaften den Untergrund nicht so gewohnt sind wie wir“. Genutzt wird der Hartplatz bei sehr widrigen Witterungsbedingungen, zum Training und bei Spielen unter Flutlicht, da der Rasenplatz kein künstliches Licht hat. Schaf: „Wir ziehen den Platz regelmäßig ab, und unser Granulat hat eine sehr gute Qualität, so dass man dort auch bei widrigen Witterungsbedingungen gut spielen kann.“

Vor wenigen Wochen hielt der SVL einen „Workshop“ ab, in dem die Mitglieder ihre Ideen zur Zukunft der brachliegenden Tennisfelder und des Hartplatzes einbringen konnten. Schaf: „Wir unterhielten uns über die Zukunft des Fußballs und waren uns einig, dass ein Kunstrasen nur sehr schwer zu stemmen sein wird.“

Kunstrasen ist zu teuer

Der FK Clausen hat einen Naturrasen- und einen Hartplatz, wobei Flutlicht nur die Fläche des Hartplatzes erhellt. „Auf unserem Hartplatz wird nur in Ausnahmefällen gespielt“, berichtet FKC-Sportvorstand Leo Burkhart. Trainiert werde dagegen in der dunklen Jahreszeit nicht auf dem sanften Grün. Burkhart: „Wir haben auch schon mal analysiert, ob ein Kunstrasen infrage käme. Aber der kostet unfassbar viel Geld.“

45 auf 90 Meter muss ein Fußballplatz groß sein, damit darauf Meisterschaftsspiele stattfinden können. So mancher Gast hat beim ersten Blick auf den Hartplatz des TV Hauenstein daran gezweifelt, dass dieser groß genug ist. Doch TVH-Spielleiter Bernhard Zoller erklärt: „Ich habe den Platz genau ausgemessen, und er ist sogar noch 40 Zentimeter größer.“ In der laufenden Saison haben in Hauenstein die B-Klasse-Männer und die FSG Wasgau (Frauen-Verbandsliga) um Punkte auf dem kleinen Hartplatz am Haberdeich gespielt. Auch beim TVH gilt: ausweichen und trainieren auf dem Hartplatz, Spiele in der Regel auf Rasen.

Erholungsphase

Der SV Martinshöhe trainiert bei widrigen Bedingungen stets auf dem Hartplatz und spielt dort bei fehlendem Tageslicht auch. Das sei „Fluch und Segen zugleich“, sagt SVM-Vorsitzender Yannick Haack, denn: „Wir können den Rasen zwar schonen, aber welcher Fußballer geht schon gerne auf den Hartplatz?“ Die Tendenz gehe zwar zum Bau eines Kunstrasenspielfelds, „aber wer kann schon 600.000 Euro Kosten stemmen?“ Das bis dato letzte Spiel auf Rasen fand in der Sickingerhöh-Gemeinde am 2. November statt. Seitdem könne sich der „sehr gepflegte“ Rasen erholen.

Auch beim FC Gräfenstein Merzalben darf sich das Grün seit Ende Oktober regenerieren. Seither ist Hartplatz angesagt beim Aufstiegskandidaten der B-Klasse Ost. Der Hartplatz sei zwar nicht der beste, aber „wir können auch darauf spielen und erst recht trainieren“, informiert FCM-Vorsitzender Michael Gerlach und fügt hinzu: „Spiele dort haben mehr Atmosphäre.“

Böschung abgerutscht

Und dann gibt es noch eine ganze Reihe kleinerer Hartplätze, die sich zum Training eignen, aber nicht zu einem Match, weil sie die Mindestmaße nicht erfüllen. So in Waldfischbach, Erlenbrunn, Busenberg, Bruchweiler, bei den VB Zweibrücken und beim TuS/DJK Pirmasens. Der Hartplatz der SG Bruchweiler ist zwar eigentlich groß genug, doch ist in einer Ecke die Böschung abgerutscht, womit das Spielfeld verkleinert wurde. „Zum Trainieren geht es noch, aber es ist kein Spiel mehr möglich“, erklärt SGB-Vorsitzender Jan Wagenblatt. Das letzte Hartplatz-Match in Bruchweiler sei vor etwa sechs Jahren ausgetragen worden. Und weil die SGB gerade viel in ihr Sportheim investiert hat (Fenster, Dach), fehlen die finanziellen Mittel, um den Hartplatz zu sanieren.

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