Pirmasens Komfort für den Biker

Dieser Auftrag fordert auch Werkstattleiter Ralf Gampfer: Nicht nur das Kommunikationssystem, das an den Helm mit integriertem Kopfhörer und Mikro angeschlossen wird, muss in dieser Maschine eingebaut werden. Hier muss das Zusammenspiel mehrerer Geräte funktionieren, etwa von Navigationsgerät und Smartphone. Denn diese Harley Davidson ist ein kleines rollendes Hightech-Büro – ihr Besitzer, ein Unternehmer aus der Region, will auf längeren Touren Zugriff auf wichtige Daten haben. Interessant ist solches aber nicht nur für viel beschäftigte Freizeit-Biker, weiß Ralf Gampfer. Auch für Kurierdienste mache dies Sinn und in Großstädten wie München tausche schon mancher Geschäftsmann wegen des starken Verkehrs das Auto gegen das – hoch gerüstete – Motorrad. Kommunikationstechnik für unterwegs entsteht in Pirmasens bei der Baehr tec GmbH, die heute elf Menschen beschäftigt, darunter eine Auszubildende. Dieses Unternehmen gibt es erst seit 2010, der Name ist freilich seit vielen Jahren weit über Pirmasens hinaus bekannt. Denn Motorradzubehör, insbesondere die Sprechtechnik, wird unter diesem Namen seit den 90er Jahren entwickelt und gebaut; die vorherige Baehr Technology GmbH & Co. KG musste jedoch 2010 Insolvenzantrag stellen und wurde abgewickelt. Der gute Ruf der Produkte habe aber überlebt, stellt Uwe Becker fest, Geschäftsführer der Baehr tec GmbH. Wie etliche der heutigen Mitarbeiter war auch er für das frühere Unternehmen tätig gewesen, damals als Vertriebsleiter. Nach der Insolvenz wechselte der gelernte Schlosser mit kaufmännischer Ausbildung in die Erwachsenenbildung und kehrte später zu Baehr zurück. Dem Ursprung ist die neue Baehr tec treugeblieben: Kommunikationssysteme sind ein wichtiges Standbein. Sie ermöglichen zum Beispiel Fahrer und Sozius, über die im Helm integrierten Kopfhörer Musik zu hören oder miteinander zu sprechen – vor allem, wer lange Touren fahre, schätze dies, stellt Becker fest. Möglich ist ebenfalls die Kommunikation innerhalb einer Gruppe von Fahrern – was auch unter Sicherheitsaspekten sinnvoll sei, sagt Becker, selbst Motorradfahrer. Freilich haben neue Trends Einzug gehalten. So gibt es nach wie vor die „klassischen“ Unterhaltungs- und Kommunikationssysteme; diese Anlagen werden in der Maschine verbaut, ans Bordnetz angeschlossen und per Kabel mit dem Helm verbunden. Vorteil ist die störungsfreie Kommunikation, Nachteil das Kabel; an einer kabellosen Variante werde aber gearbeitet, so Becker. Die moderne Kommunikation funktioniert hingegen nach dem Industriestandard Bluetooth, also einer Datenübertragung per Funk. Diese kabellose „Trend“-Variante, die eher Kurzstreckenfahrer bevorzugen, ist zwar weniger aufwendig, dafür aber benötige man Batterie oder Akku und die Reichweite liege unter 1000 Metern, so Becker – unter jener der „klassischen“ Variante. Nachrüsten geht auch: Sie seien zertifiziert und dürften Helme verändern, ohne dass diese ihre Zulassung verlören, so Becker. Deswegen rüsten sie auch Helme von Motorrad-Polizisten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg nach. Verkauft werden die Anlagen an den Fachhandel und an Endkunden. Etwa 10.000 Anlagen seien im Umlauf, so Becker, vor allem in Deutschland, aber auch in der Schweiz, in Österreich und weiteren Ländern. BMW-Fahrer bilden eine starke Kundengruppe. Becker nimmt dazu nun eine weitere Gruppe stärker ins Visier: die Harley Davidson-Fahrer – eine Biker-Familie, der er angehört. Auf der Überholspur ist das Unternehmen mit einem Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich derzeit vor allem mit einem jungen Geschäftsfeld: dem individuellen Umbau und Bezug von Motorradsitzen. Nach der Insolvenz wurde dieser Bereich gestärkt – und zum „Selbstläufer“, so Becker. Der Kunde schickt oder bringt seine originale Sitzbank, die in Pirmasens bearbeitet wird: Sie kann auf- oder abgepolstert werden, mit Gel-Einlagen versetzt oder mit einem neuen Kunstlederbezug versehen werden. Letzterer wird oft aufwendig mit Hilfe von Stickmaschinen verziert: Vom Namenszug über die fliegende Ente bis zum coolen Spruch ist fast alles möglich. Genäht werden die Bezüge im Internationalen Schuhkompetenzzentrum (ISC). Damit nicht genug: Auch Taschen, T-Shirts und Barhocker haben sie bei Baehr schon bestickt. Etwa 1000 Sitzbänke haben sie 2013 bearbeitet, stellt Teamleiterin Ilka Freyberger fest – Tendenz steigend. Gut angenommen werde dabei das Angebot, Sitzbänke zuvor zu testen. Keine Frage: Die Zeiten schmerzender Hinterteile sind passé. Der moderne Biker setzt auch auf mehr Bequemlichkeit. (tre)