Kindertheater „Kann das Publikum nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu unserem Publikum“

„Ox & Esel“ mit Detlef Krämer als Esel und Bob Ziegenbalg als Ox ab November im Theater Überzwerg.
»Ox & Esel« mit Detlef Krämer als Esel und Bob Ziegenbalg als Ox ab November im Theater Überzwerg.
Seit dem 18. Juni spielt das Überzwerg open air im Hof des Theaters. 566 Besucher haben das seither schon erlebt.
Seit dem 18. Juni spielt das Überzwerg open air im Hof des Theaters. 566 Besucher haben das seither schon erlebt.

Saarbrücken verfügt über einen Schatz, der seit vielen Jahren noch immer ein wenig im Verborgenen liegt – ein eigenes Kindertheater mit Spielplan und allem, was zu einem Theater gehört. Und auch das Theater Überzwerg kämpft in der Corona-Krise um jede Veranstaltung und jeden Besucher. Wie das Überleben gesichert werden soll, hat die Theaterleitung jetzt vorgestellt.

Wie zu erwarten, sind die Zuschauer- und Vorstellungszahlen coronabedingt rückläufig gewesen: Insgesamt kamen zu den 177 Aufführungen der abgelaufenen Spielzeit 13.403 Zuschauer, wobei die Spielzeit frühzeitig am 13. März aufgrund des bundesweiten Lockdowns beendet wurde. Damit konnte das Theater 33 Vorstellungen weniger anbieten als in der vorhergehenden Spielzeit und hatte etwas mehr als 500 Zuschauer weniger. Zum Vergleich: In der Spielzeit 2016/2017 kamen 18.900 Besucher in das Theater am Kästnerplatz. Im Corona-Sommer-Open-Air-Theater im Überzwerg-Hof fanden ab dem 18. Juni zwölf Aufführungen mit 566 Zuschauern statt.

Vorstellungen im Haus

Trotz der coronabedingt begrenzten Platzanzahl wird das Überzwerg weiterhin auf seiner Bühne am Erich-Kästner-Platz 1 spielen. Geplant sind sowohl Vorstellungen am Wochenende im freien Verkauf, als auch Vorstellungen unter der Woche für Schulklassen und Kitagruppen. Hierzu liegt ein Hygienekonzept vor, das unter anderem ein ausgeklügeltes Zuschauerleitsystem und die kontaktlose Buchung und individuell angepasste Sitzplatzverteilung vorsieht. Da die Bühne über eine Lüftungsanlage verfügt, die die verbrauchte Luft abzieht und Frischluft zuführt, sind bis zu 30 Zuschauer bei freiem Kartenverkauf zugelassen.

Mobile Produktionen

Neben den Vorstellungen am Haus bietet das Überzwerg in Zeiten von Corona einen besonderen Service an: mobile Produktionen, die die Kitas und Schulen zu sich einladen können. Diese Produktionen haben kleine Bühnenbilder und können ohne großen Aufwand in großen Klassenräumen, Turnhallen oder Aulen gespielt werden.

Überzwerg als Wanderbühne

Aufgrund der begrenzten Platzzahl im Theater hat sich die Leitung entschieden, in diesem Winter nach alternativen Spielstätten zu suchen. „Wenn unser Publikum nicht zu uns kommen kann, kommen wir eben zu unserem Publikum“, so der Gedanke dahinter. Unter dem Motto „Abstand haltend Nähe suchen“ sollen im wöchentlichen Rhythmus verschiedene Städte und Ortschaften besucht und damit auch der Ausfall all der Weihnachtsmärchen, die für das junge Publikum ansonsten der Höhepunkt des Jahres sind, ausgeglichen werden.

Die Premieren

Die erste Premiere der Spielzeit 2020/21 steht bereits am Donnerstag, 18. September, auf dem Spielplan – allerdings als geschlossene Veranstaltung im Schlosstheater Ottweiler.: „DasTagebuch der Anne Frank“ für Kinder ab der Klassenstufe acht. Es ist das berühmteste Tagebuch der Welt. Anne Frank bekam es zu ihrem 13. Geburtstag von ihrem Vater geschenkt; nur wenige Tage darauf muss sie mit ihrer Familie vor der Gestapo flüchten. Zwei Jahre lang haust die jüdische Familie Frank in einem Hinterhaus in Amsterdam – auf engstem Raum und in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Während dieser Zeit beschreibt Anne ihren Alltag, ihre Sorgen und Nöte mit großem schriftstellerischem Talent. Und doch: Anne ist eine ganz normale Teenagerin. Sie hat Stress mit ihrer Mutter, ist genervt von ihrer Schwester Margot und verliebt sich in den 15-jährigen Peter. Stephanie Rolser verbindet in ihrer Inszenierung die klare Sprache von Anne Frank mit theatralen Mitteln. Heraus kommt ein Lesetheater, das zum Nachdenken anregt.

Das Stück „Klein“ für Theaterbesucher ab vier Jahren nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Stina Wirsén feiert am 1. November Premiere. In der Kita gibt es viele kleine Wusel. Eins davon ist klein und heißt Klein. Klein mag seine Kita. Und seine Erzieherin Frau Traulich mag Klein. Wenn Frau Traulich Klein am Ohr krault, dann wird der im ganzen Bauch fröhlich. Klein mag es, wenn auch zu Hause alles schön ist und kein Streit. Aber zu Hause gibt es ganz oft Streit … Stina Wirsén braucht weder viele Worte noch viel Fläche, um ihre Geschichte von Klein zu erzählen. Sogar das Buch ist klein. Trotzdem sind die Handvoll Seiten das geworden, was man ein großes Buch nennen kann. Eine Mut-mach-Geschichte, die den Kleinen zeigt, dass Kleinsein nicht Hilflos-sein bedeutet.

In einer bitterkalten Nacht in einem Stall irgendwo auf der Welt: Ein Kind liegt in der Krippe – von den Eltern keine Spur. So beginnt „Ox & Esel (Reloaded) – Eine Art Krippenspiel“ von Norbert Ebel, das im November im Überzwerg für Theaterbesucher ab fünf Jahren seine Premiere feiert. Erzählt wird die vielleicht berühmteste Geschichte der Welt aus sehr ungewöhnlicher Perspektive: ein großer Spaß für Kinder wie Erwachsene und gleichzeitig eine Parabel über Menschlichkeit und Nächstenliebe.

In „Shut Up!“ erzählen die belgischen Autoren Jan Sobrie und Raven Ruëll sehr persönlich vom Überlebenskampf junger Menschen, die nicht den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen. Im Jahr 2015 wurde das Stück mit dem renommierten niederländisch-deutschen Kinder- und Jugendtheater-Preis „Kaas & Kappes“ ausgezeichnet: Becky, Damien und François sind Problemkinder: Ob es die Mitschüler sind, die Eltern oder die Lehrer – ständig ecken die drei an. Doch Damien, Becky und François sind auch BFF: Best Friends Forever. Sie haben sich Freundschaft und Treue bis zum ewigen Leben geschworen – und mit dieser Freundschaft bezwingen sie alles.

Geeignet ist das Stück, das im Frühjahr im Überzwerg gespielt wird, ab Klassenstufe fünf.

Mit „Des Kaisers neue Kleider“ steht für Kinder ab sechs im Frühsommer ein Märchen von Hans Christian Andersen auf dem Programm. Der eitle, selbstverliebte Kaiser gibt sein ganzes Geld für Mode aus. Sein Volk, die Staatsgeschäfte und auch sein Theater sind ihm ziemlich schnuppe. Jeden Tag will er noch schönere Kleider anziehen, die nach dem neusten Schrei geschneidert sein müssen. Aber nie ist er zufrieden, nie hat er was Passendes anzuziehen... Andersens Geschichte stellt uns allen die Frage, wie sehr man sich Moden und der herrschenden Meinung unterwerfen sollte. Hat die Mehrheit automatisch recht oder vertraut man der eigenen Wahrnehmung? Und nicht zuletzt: Sollte man nicht häufiger auf Kinder und Jugendliche hören?

Infos

  • Weitere Infos zum Theater und seinem Spielplan gibt es online unter www.ueberzwerg.de.
  • Die Adresse: Überzwerg – Theater am Kästnerplatz, Erich-Kästner-Platz 1, 66119 Saarbrücken; Telefon 0681 958283-0.