Vinningen RHEINPFALZ Plus Artikel Kaleido in der Alten Kirche: Bunte Vielfalt der Klänge

Kaleido reist überraschend zu dritt an: Das Publikum in Vinningens Alter Kirche ist fasziniert von dem Konzert.
Kaleido reist überraschend zu dritt an: Das Publikum in Vinningens Alter Kirche ist fasziniert von dem Konzert.

Das Duo Kaleido reist überraschenderweise als Trio in Vinningen an und zaubert ein Füllhorn an lebendiger bunt gemischter Musik in den Kirchenraum der Alten Kirche.

Überraschungsgast ist Geovany da Silveira, der dem Konzert neben Flötenklang und Gitarre das gewisse Etwas verleiht. Die Stücke, die Kaleido in Vinningens Kulturforum Alte Kirche präsentieren, changieren zwischen Klezmer, brasilianischen Rhythmen und Eigenkompositionen sind auch dabei. Schade, dass die Kirche am Sonntag halbleer bleibt. Offenbar haben es viele bevorzugt, die Ergebnisse der Landtagswahl am heimischen Endgerät zu verfolgen. Ein Fauxpas, denn sie haben etwas versäumt. Einen Abend mit wirklich außergewöhnlichen Klängen.

Das Konzert beginnt mit „Doina“, einem Klezmerstück, bei dem Almut Schwab sich mit ihrem wunderschönen Akkordeon gemächlich im Saal Richtung Bühne bewegt. Als ob sie es präsentieren wollte, seine Schönheit und den Klang. Nein, das sei keine Show, erklärt sie später. Obwohl es ihr Brandani-Akkordeon es verdient hätte – sie spielt auf einem italienischen Instrument aus Mahagoniholz mit Tasten aus Perlmutt, dass – wie sie findet – viel wärmer und weicher, aber gleichzeitig auch kräftiger klingt. Bei ihrer Inszenierung ginge es vielmehr darum, die Musik aus der Gemeinschaft heraus zum klingen zu bringen.

Die Bereicherung des Abends

Eingeladen haben Helma Terres und Steffi Sieber das Duo Kaleido, aber gekommen sind die Musiker zu dritt. Der brasilianische Gastmusiker, Multiinstrumentalist, Arrangeur und Musikproduzent ist die Bereicherung des Abends schlechthin. Nicht nur weil Geovany da Silveira Stücke wie „Flor Amorosa“ von Joaquim Antonio da Silva Callada oder die „Milonga de Mis Amores“ von Pascual Contursi ins Spiel bringt, sondern auch, weil er ein exzellenter Musiker ist. Angekündigt ist er als Bassgitarrist, doch hat er darüber hinaus eine ganze Palette von Klanginstrumenten mitgebracht, die fast jedes Stück bereichern. Die afrikanische Udu aus gebranntem Ton zum Beispiel, die aussieht wie ein Krug mit Loch im Bauch. Außerdem singt er immer wieder mal und das tut dem instrumentalen Abend sehr gut.

Um ihn noch lebendiger zu machen, verspricht Almut Schwab dem Publikum bevor eine Musette erklingt, dem Paar, das sich traut zu tanzen, eine CD zu schenken. Genug Platz sei vorhanden, der Mut fehlt aber letztendlich. Die zugewiesene Tanzfläche bleibt verwaist.

Instrumente tragen Namen

Almut Schwab ist die Frauenpower der Band und spielt nicht nur Akkordeon, sondern auch Querflöte und Hackbrett. Ihre Instrumente tragen alle einen Namen. Die Querflöte aus schwarzem Kunststoff heißt Hildegard und das Hackbrett, das eigens für sie konstruiert wurde, horcht auf den Namen Traudel. Außerdem plaudert die Musikerin gerne und verrät so manches aus ihrem Privatleben. „Matilda’s Lullaby“ sei das Schlaflied für ihre süße Enkelin, die partout nicht schlafen wolle. Es sei eine Tortur, die Kleine zum Schlummern zu bringen, weswegen sie den Rat von befreundeten Musikern aufgriff und eine Eigenkomposition wagte. Sehr schön klingt sie, aber die erwünschte Wirkung auf Matilda ist nicht eingetreten.

Welches Stück dem Publikum am besten gefallen hat, ist schwer zu sagen. Erst sieht es so aus, als sei es der „Valse des Sylphide“ von Hardy Schneider, aber auch „Flor Amorosa“ ist ganz klar ein Favorit des Publikums und auch die „Milonga de Mis Amores“ von Pascual Contursi. Die kleine fröhliche Schwester des Tango Argentino, die – wie Almut Schwab erzählt – unermüdlich rufe: Das Leben ist wundervoll. Die wird doch noch von „Lita“ getoppt. Dabei handelt es sich um eine Eigenkomposition von Gitarrist Frank Zinkant, der diese Musik einem Freund seines Sohnes widmet, der etwas kann, worum er ihn unendlich beneidet. Er lebt einfach im hier und jetzt. Wenn er isst, dann isst er, wenn er tanzt, dann tanzt er, deswegen hat er „seinen“ Song „Lita“ den Namen des jungen Manns – er heißt Linus – mit dessen Aktivität kombiniert, als er tanzt.

Intensiver Applaus

Almut Schwab, Frank Zinkant und Geovany da Silveira gelingt ein musikalisches Kaleidoskop, bei dem sich Klezmer, Latin und Eigenkompositionen um die bunte Vielfalt der Klänge drehen. Dem Namen werden sie unbedingt gerecht. So verwundert es nicht, dass „Skopéin“, einer Komposition von Frank Zinkant, auch ihr Programm benennt. Es bedeutet soviel wie „Schöne Dinge ansehen“.

Zahlreich ist das Publikum am Sonntag nicht, dafür aber der Applaus bedeutend intensiver als sonst. Selten wird in der Alten Kirche so leidenschaftlich applaudiert und noch seltener gibt es Ovationen im Stehen. All das ist passiert, woraufhin das Trio gleich noch zwei Zugaben anhängt – darunter das jüdische Lied „Dona, Dona“, das – wie Almut Schwab findet – direkt aus der Seele komme und eine Bitte um Frieden auf der Welt thematisiere. Das Publikum singt mit.

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