Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Junge Musik mit jungen Musikerinnen

Violinistin Yun-Yun Chiang und Oksana Oposhnian am Klavier begeistern das Publikum der Dahner Sommerspiele mit Kompositionen run
Violinistin Yun-Yun Chiang und Oksana Oposhnian am Klavier begeistern das Publikum der Dahner Sommerspiele mit Kompositionen rund um die Liebe.

Die Sparte „Junge Klassik“ der Dahner Sommerspiele ist ein Erfolgsgarant. So auch diesmal, als die Violinistin Yun-Yun Chiang und Oksana Oposhnian am Klavier gastieren.

Was im Dahner Bürgersaal zu hören ist, ist hochkarätig und kein bisschen „Mainstream“. Gut, mit Mozarts Violinsonate Nr. 32 in B-dur haben sich Oksana Oposhnian und Yun-Yun Chiang im Grunde nur warm gespielt. Noch ein wenig zaghaft, mit Blick auf die Noten, aber voller Konzentration und Präzision ist ihr Spiel. Doch mit den folgenden Soli spielt sich jede der beiden Frauen frei und kommt an im eigenen Element.

Mit einer Violinsonate des 1858 geborenen Eugène Ysaÿes, die mit „Dance rustique“ überschrieben ist, erwartet das Publikum rare musikalische Kost. Dem belgischen Komponisten und Violinisten haben zahlreiche Kollegen Werke gewidmet. Verwunderlich, dass er heute so gut wie vergessen ist. 24 Stunden sollen dem Grandseigneur der belgischen Geigenschule genügt haben, um im Jahr 1923 die sechs Solosonaten zu entwerfen. Yun-Yun Chiang läuft mit „Dance rustique“ jedenfalls zur Höchstform auf. Derb klingt die Komposition mit den oft „gebürsteten“ Klängen, mit der die Violinistin Professionalität und Fingerfertigkeit beweist.

Studium in Saarbrücken führt zum Duo

Die junge Frau aus Taiwan begann ihr Musikstudium 2014 am Mozarteum in Salzburg und absolvierte an der Hochschule Hamburg ihr Masterstudium. Seit 2023 studiert sie bei Hans-Peter Hofman an der Musikhochschule Saar, wo sie Oksana Oposhnian begegnete. Diese begann ihr Klavierstudium an der Tschaikowski-Musikakademie in Kiew und kam 2020 nach Saarbrücken. Beide Künstlerinnen haben bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Nach gezügeltem Einstieg ruft die Pianistin mit Debussys „L’isle joyeuse“ Begeisterungsstürme im Saal hervor. Oksana Oposhnian spielt dieses technisch schwierige Stück mit einer überzeugenden Brillanz und scheinbarer Leichtigkeit. Virtuos meistert sie die vielen handüberkreuzenden, sehr schnellen Passagen.

Ekstatische Hochstimmung

Ihre Leidenschaft für diese Musik - einem der wohl populärsten Werke des Impressionismus - schwappt ungefiltert in den Saal. Man begreift, dass sie sich wohl fühlt mit dieser monumentalen Komposition, die in ekstatisch-orgiastischer Hochstimmung eine antike Traum- und Ideallandschaft thematisiert. Beide Instrumentalistinnen nehmen den enormen Zuspruch lächelnd entgegen. Die anfängliche Anspannung scheint verflogen.

Auch in Jules Massenets „Méditation“ aus der Oper „Thaïs“ geht es um Liebe, Lust und Leidenschaft. Das bleibt der rote Faden. Allerdings geht es hier um einen Konflikt zwischen Sinnlichkeit und Askese, zwischen Eros und Religiosität. Während sich der Mönch Athanael immer leidenschaftlicher zur Kurtisane Thaïs hingezogen fühlt, entsagt sie allem irdischen Verlangen. Schade, dass die Musikerinnen nur das Andante der Komposition präsentieren. Ihr hingebungsvolles Spiel ist brillant. Nach dem Stück applaudieren die Konzertbesucher den beiden Frauen nicht nur mit großer Intensität, sondern belohnen sie auch mit Bravo-Rufen.

Fesselnde Trouvaille

Den Höhepunkt des Konzerts bieten die Frauen mit Edvard Griegs Violinsonate in c-moll, einem relativ vergessenen Werk des norwegischen Komponisten. Grieg, der gerade weltweiten Ruhm erlangte, indem er sich auf nordische Volksweisen und die eigene Natur konzentrierte, hat mit dieser Sonate ein Werk geschaffen, das in die leidenschaftliche Musikauswahl von Oksana Oposhnian und Yun-Yun Chiang perfekt passt.

Mit der mal aufgewühlten, mal traumwandlerischen Musik, die in einem stürmischen Finale gipfelt, fesseln die beiden Musikerinnen ihr Dahner Publikum bis zum Schluss. Ohne Zugabe lässt das Publikum die Musikerinnen nicht ziehen. Diese schenken den Konzertbesuchern mit Edward Elgars „Salut d’amour“ noch einen kurzen, intensiven Liebesgruß.

Die Veranstalter hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Besucher kommen würden. Kurz vor Konzertbeginn organisieren sie noch Stühle aus der Reserve, damit alle Gäste Platz finden. Das Veranstaltungsformat „Junge Klassik“ zieht sogar an einem Sonntagnachmittag Musikliebhaber in den Bürgersaal in Dahn, der sich mit seiner exzellenten Akustik als perfekter Konzertsaal erweist.

Das Ergebnis: ein gelungenes Konzert mit einem begeisterten Publikum, das sich auch nicht von der Aprilsonne ablenken lässt, die permanent verlockend in den Konzertsaal blinzelt.

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