Pirmasens Jazz-Pianistin im Interview: "Dieser Echo bedeutet mir viel“
Mit dem Gastspiel der Pianistin Anke Helfrich gibt es ein weiteres Jazzkonzert in Kooperation des Pirmasenser Kulturamtes mit dem ehemaligen Geschäftsmann und Jazzliebhaber Bernd Adler in der Alten Post. Ein drittes Konzert ist im Dezember geplant. Für die vielfach ausgezeichnete Anke Helfrich ist es das erste Konzert in Pirmasens. Im Mittelpunkt ihres Programms, das sie in Begleitung eines Bassisten und eines Schlagzeugers serviert, steht ihre letzte, 2015 erschienene CD „Dedication“, für die sie 2016 mit dem Echo-Jazz als „Instrumentalist des Jahres Piano/Keyboard national“ ausgezeichnet wurde. Mit Anke Helfrich sprach unser Redakteur Christian Hanelt.
So ganz genau kann ich mich an ihn gar nicht mehr erinnern. Aber er war vor etwa zwei, drei Jahren bei einem Workshop von uns – allerdings nicht bei mir. Und dann hatte er die Idee, mich zu fragen, ob ich in Pirmasens spielen würde. Das sollte eigentlich schon im Februar oder März sein, was dann aber irgendwie nicht geklappt hat. Aber ich gehe mal davon aus, dass auch jetzt, da es sommerlich heiß ist, genug Leute kommen. Wie sind Sie eigentlich zur Musik und speziell zum Jazz gekommen? Ich habe schon früh als Kind die Platten meines Vaters gehört und habe dazu Jazztanz und Bodenturnen gemacht. Das fing an mit der Musik von Bud Freeman und Ella und Louis. Und dann fanden meine Mutter und ich einen Klavierlehrer, der auch Jazz spielte. Der hat am Anfang jedoch alles andere als Jazz mit mir gemacht, weil er wohl gedacht hatte, ich würde das nur sagen, um ihm zu gefallen. Er hatte auch nicht das pädagogische Geschick, mir etwas zu erklären. Er hat immer nur gesagt, „das musst du halt hören“. Trotzdem hatte der Unterricht großen Einfluss, wenn man alles nur nach Gehör spielt. In der Schule habe ich dann Musik als Leistungskurs genommen – und Musik war ab da mein einziger Gedanke: Das macht mir so eine tiefe Freude, das will ich beruflich machen. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, ob ich jemals davon leben könnte. Es war einfach der Impuls, das zu machen, was mich erfüllt. Und das habe ich nie bereut. Wird man als Jazzmusiker reich? Sie stellen vielleicht Fragen! Geld ist bestimmt nicht der erste Impuls, warum man diesen Beruf ergreift. Leute, die das Glück haben oder die Energie, sich selbst gut zu promoten oder eine breitere Masse zu erreichen – mit was auch immer –, können schon richtig Karriere machen und auch gut verdienen. Aber das Geld war für mich nie ein Gedanke. Sie haben schon in ganz Europa und darüber hinaus unter anderem in den USA, in China, in Malaysia oder Südafrika gespielt. Welchen Stellenwert hat der europäische und speziell der deutsche Jazz in dieser doch recht amerikanisch dominierten Szene? In den letzten Jahren haben auch amerikanische Festivals angefangen, mehr europäische Bands einzuladen. Und auch immer mehr europäische Veranstalter, vor allem auch deutsche, haben gemerkt, dass es auch hier viele Bands gibt, die nicht einfach nur über das Telefon für ein Festival zusammengestellt worden sind, sondern die schon über viele Jahre zusammenarbeiten, die ein Konzept haben und bei denen etwas richtig Neues entsteht. Unter dieser Entwicklung müssen bestimmt viele mittel-bekannte amerikanische Bands leiden, da sie nicht mehr ganz so oft nach Europa eingeladen werden oder die Tourneen nicht mehr ganz so lang sind. Insoweit hat sich da schon etwas verändert. Rainer Haarmann zum Beispiel, einst Leiter des schleswig-holsteinischen Festivals JazzBaltika, hatte noch voll auf die Amerikaner gesetzt. Sein Nachfolger ab 2012, Nils Landgren, ein Schwede, lädt dagegen zunehmend europäische Bands ein. Sie haben auch mit Larry Goldings gearbeitet. Auch er hat schon 2006 mit John Scofield und Jack de Johnette beim Festival Palatia Jazz in Pirmasens gespielt. Ich hatte in New York bei ihm Unterricht. Es ist einfach super, wie er spielt, wie er begleitet. Er hat mich früh inspiriert – schon in den 90er Jahren, als er mit John Scofield zahlreiche CDs aufgenommen hat. Damals bin ich zu sechs Gigs von ihnen gefahren, denn ich war so begeistert von dieser Musik. Sie hat mich so mitgezogen hat, dass ich ihm sogar ein Stück geschrieben habe. Sie haben für das Album „Dedication“ einen Echo erhalten. Haben Sie den auch zurückgegeben? Ich hätte es kontraproduktiv gefunden, wenn ich meinen Echo wegen diesen zwei Typen abgegeben hätte, weil ein Ethikrat in einer anderen Sparte versagt hat. Denn ich habe den Echo gerade für Stücke mit einer humanistischen Botschaft erhalten, die für Toleranz, für Offenheit und gegen Rassismus stehen. Deshalb bedeutet mir dieser Preis auch sehr viel. Was werden Sie in Pirmasens spielen? Ich werde tatsächlich einen Großteil aus dieser Platte „Dedication“ spielen – also auf alle Fälle die wichtigen Stücke, diese Hommage an Martin Luther King und an Nelson Mandela. Dazu kommen vielleicht auch noch ein, zwei neue Stücke. Aber was genau, muss ich mir noch überlegen.