Pirmasens / Abu Dhabi
Iran-Krieg: Pirmasenser erleben iranischen Angriff auf US-Stützpunkt mit
Am Samstag haben Israel und die USA Iran attackiert und Ziele im Land angegriffen. Iran startete Vergeltungsschläge gegen US-Einrichtungen in den Nachbarländern. Der Krieg hat massive Auswirkungen auf den Flug- und Schiffsverkehr. Zehntausende deutsche Touristen sitzen derzeit im Nahen Osten fest. Darunter ist auch eine Reisegruppe mit zwei Pirmasensern, die eine Orient-Kreuzfahrt gebucht hatte. Sie befinden sich auf dem Tui-Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ und liegen im Hafen von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate fest. Dort erlebten sie am Sonntag einen iranischen Drohnenangriff auf zwei US-Militäreinrichtungen im Hafen Zayed mit.
„Mittags waren wir noch auf einem Landausflug, dann ging es los“, erinnert sich die Pirmasenserin an den Samstag. „Wir wurden vom Landausflug zurückgeholt. Zurück im Schiff gingen wir zu einer Veranstaltung im Theater, dann kam ein Alarm der Katwarn-App aufs Handy“, berichtet die Frau, die regelmäßig Kreuzfahrten unternimmt, aber zum ersten Mal eine Reise in den Orient gebucht hatte.
Einschläge in 300 Meter Entfernung
„Wir sind alle nervös geworden, dann kam die Durchsage des Kapitäns, dass alle innerhalb des Schiffes weg von den Fenstern sollen und alle unter Deck bleiben müssen“, erzählt sie. Zwar habe es da schon Gegenangriffe des Iran gegeben, die seien aber von der Luftabwehr abgefangen worden.
Am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr spitzte sich die Situation zu. Zwei Drohnen hätten die Luftabwehr durchdrungen und in 300 bis 400 Metern Entfernung einen kleinen US-Stützpunkt bombardiert. „Da war die Gefahr für uns real. Wir haben danach die Bilder im Internet gesehen. Seitdem herrscht Ausnahmezustand. Von jetzt auf nachher ist die Welt ganz anders“, sagt sie und ergänzt: „Ich dachte noch, jetzt wird’s ernst, mir ist das Herz in die Hose gerutscht.“
Die Passagiere kauerten in den Schifffluren im Inneren. „Alle haben gezittert und geweint“, schildert die Pirmasenserin die Szene. „Die Crew, die Warnwesten anhatte, half uns. Alle hatten große Angst. Nach zwei Stunden im Flur durften wir wieder in die Kabine“, berichtet sie weiter. „Der Kapitän hat uns gesagt, dass es im Schiff am allersichersten sei, das sei ein Stahlkoloss“, ergänzt sie.
Platz für 2500 Gäste
Laut dem deutschen Reiseverband befinden sich rund 30.000 Touristen in der Krisenregion, die über deutsche Reiseveranstalter gebucht haben. Mindestens 25 Schiffe deutscher Redereien befinden sich derzeit in unmittelbarer Nähe zum Krisengebiet. Zwei Schiffe von Tui Cruises, „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“, sitzen seit dem Wochenende fest. Die Straße von Hormus ist nicht passierbar. „Mein Schiff 4“ mit den Pirmasensern, das auf dem Rückweg nach Dubai war, liegt im Hafen von Abu Dhabi, „Mein Schiff 5“ in Doha. „Mein Schiff 4“, das 2015 in Dienst genommen wurde, bietet Platz für 2500 Gäste und 1000 Crewmitglieder.
„Im Schiff selbst versucht die Crew, die Normalität aufrecht zu erhalten. Es geht alles ganz normal weiter, es gibt Live-Musik, man versucht, uns abzulenken“, schildert die Frau den Tagesablauf. Sie bewundert, wie sich Crew und Kapitän um die Gäste kümmern. „Es ist toll, wie positiv sie uns aufbauen, dabei haben sie die gleichen Ängste wie wir.“
Warten auf die Rückflugmöglichkeit
Die Kommunikation dieser Zeitung mit der Pirmasenserin verläuft über Whatsapp-Sprachnachrichten, zu telefonieren ist nicht möglich. Man hört der Frau die Anspannung an, sie kämpft mit den Tränen. „Ich habe fast gar nicht geschlafen“, berichtet sie. Immer wieder schreckten Katwarn-Alarme die Passagiere auf. Einen weiteren Angriff habe es seit Sonntag aber nicht mehr gegeben. Deswegen habe der Kapitän entschieden, dass Passagiere auf eigene Gefahr das Schiff verlassen durften, um zum Hafenterminal zu spazieren. „Es gab welche, die sind sogar mit dem Taxi in die Stadt gefahren“, berichtet sie.
Seit Samstag hat die Frau das Schiff nicht mehr verlassen. „Tui kümmert sich super um uns, wir bleiben so lange da, bis unsere Rückflüge gesichert sind. Keiner weiß, wie lange es dauert“, bemerkt sie. 250 Passagiere durften am Dienstagmorgen das Schiff verlassen, sie wurden von Abu Dhabi nach München geflogen. Die Pirmasenserin harrt jetzt angespannt aus, hält den Kontakt in die Heimat über Whatsapp aufrecht. „Der Kapitän meldet sich dreimal am Tag, an Bord herrscht keine Panik, es ist aber natürlich auch nicht Friede, Freude, Eierkuchen.“ Sie spürt einen großen Zusammenhalt unter Gästen und Crew. „Durch die besondere Situation haben wir eine ganz enge Beziehung zu einigen aus der Crew. Das tut wirklich gut“, fügt sie an. „Wir sitzen alle im gleichen Boot, müssen alle gucken, dass wir durch die Situation durchkommen“, sagt die Pirmasenserin.
