Pirmasens / Poissy
Interview: Bürgermeisterin von Partnerstadt Poissy über Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Frau Berno Dos Santos, in diesem Jahr feiern Pirmasens und Poissy 60 Jahre Städtepartnerschaft. Haben Sie noch Erinnerungen daran, als Sie zum ersten Mal in Pirmasens waren?
Ja, ich erinnere mich noch sehr gut daran. Es war 2015, anlässlich des 50. Jahrestages der Städtepartnerschaft. Ich war tief berührt von der Herzlichkeit des Empfangs und dem aufrichtigen Engagement der Einwohner für diese wunderbare deutsch-französische Freundschaft. Bei diesem Besuch lernte ich eine Stadt kennen, die sowohl ihrer Geschichte verbunden ist, als auch entschlossen in die Zukunft blickt. Heute den 60. Jahrestag dieser Beziehung als Bürgermeisterin von Poissy zu feiern, ist eine wahre Ehre und erfüllt mich mit Stolz.
Welche Rolle spielt die Städtepartnerschaft für Sie persönlich?
Für mich ist die Städtepartnerschaft mit Pirmasens vor allem ein menschliches Abenteuer. Sie ermöglicht Begegnungen, Austausch und Projekte, die ohne diese Verbindung nie zustande gekommen wären. Als Bürgermeisterin ist sie ein Raum für den Erfahrungsaustausch zwischen Gemeinschaften, Kulturen und Generationen. Diese Partnerschaft verkörpert europäische Werte, die mir sehr am Herzen liegen, wie Zusammenarbeit, Frieden und Völkerfreundschaft. Unsere Städtepartnerschaft ist viel mehr als ein Symbol: Sie ist eine lebendige und dauerhafte Beziehung, die von gewählten Amtsträgern und Bürgern leidenschaftlich unterstützt wird.
Wo sehen Sie Parallelen zwischen Poissy und Pirmasens?
Ich sehe mindestens vier Gemeinsamkeiten. Die erste ist zweifellos der gemeinsame Wunsch von Politikern und Einwohnern, diese langjährige Freundschaft lebendig zu halten. Zweitens teilen unsere beiden Städte – abgesehen von ihrer vergleichbaren Größe – dieselben Prioritäten: das Wohlergehen der Bevölkerung, Sicherheit, Umweltschutz, die Förderung der Jugend und die Fähigkeit, den wachsenden Bedarf mit manchmal begrenzten öffentlichen Mitteln zu decken. Uns verbindet außerdem eine starke Verbundenheit mit unserem Erbe, ein sehr aktives Gemeindenetzwerk, ein lebendiges lokales Leben und der gemeinsame Wunsch, unsere Geschichte und dieses schöne Beispiel deutsch-französischer Freundschaft an jüngere Generationen weiterzugeben. Und schließlich hat uns unsere Industriegeschichte auch Widerstandsfähigkeit gelehrt. Ich glaube, man kann mit Sicherheit sagen, dass Poissy und Pirmasens sich kreativ neu erfinden konnten. Der Name unseres Gewerbegebiets „Dynamikum“, eine Hommage an das Wissenschaftsmuseum Pirmasens, ist sowohl ein schönes Beispiel als auch ein starkes Symbol unserer gegenseitigen Inspiration.
Welche Unterschiede gibt es in den beiden Städten?
Ich würde sagen, dass Poissy und Pirmasens trotz ihrer starken Industriegeschichte sehr unterschiedliche Identitäten haben: Die eine ist eine Stadt der Autos, die andere eine Stadt der Schuhe. Dieses Erbe prägt grundlegend unterschiedliche Lebensstile, Traditionen und lokale Kulturen. Ich glaube daher, dass es diese unterschiedlichen Praktiken, Bräuche und Herangehensweisen an Herausforderungen sind, die uns auszeichnen und unsere Partnerschaft wirklich bereichern. Sie ebnen den Weg für konkrete Zusammenarbeit in zentralen Bereichen wie Stadtplanung, Bildung, Umwelt und soziale Inklusion. Es ist diese Vielfalt, die unserer Städtepartnerschaft ihren Reichtum und ihre Vitalität verleiht und das gemeinsame Wachstum unserer beiden Städte ermöglicht.
In den vergangenen 60 Jahren gab es Höhepunkte in der Partnerschaft, aber auch Zeiten, in denen sie stagnierte. An welchem Punkt steht die Städtepartnerschaft heute?
Ich glaube, unsere Partnerschaft ist heute lebendiger denn je. Selbst während der Pandemie vor einigen Jahren ist es uns gelungen, trotz der Einschränkungen unsere Verbindung aufrechtzuerhalten, insbesondere dank Videokonferenzen, was die tiefe Verbundenheit unserer beiden Städte unterstreicht. Da sich das Leben wieder normalisiert, ist es nur natürlich, dass unsere Freundschaft noch stärker und vielversprechender für die Zukunft ist!
Darüber hinaus habe ich mich seit meinem Amtsantritt in Poissy im Juli 2022 darum bemüht, diese Städtepartnerschaft durch die Erschließung neuer Kooperationsfelder, insbesondere im Bereich Integration behinderter Menschen, zu beleben. Ich habe mich zudem bemüht, junge Menschen in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen, da ich davon überzeugt bin, dass sie der Schlüssel zur Erhaltung und Erneuerung dieser Partnerschaft sind.
In diesem Sinne konnten wir kürzlich einige Höhepunkte erleben: Im Mai 2024 konnten 14 junge Menschen des Collège des Grands Champs ein Berufspraktikum in Pirmasens absolvieren – eine sehr bereichernde Erfahrung für sie.
Im vergangenen Sommer hat der Empfang einer Gruppe von 40 jungen Deutschen, die zu den Olympischen Spielen angereist waren, in Poissy diese wertvolle menschliche Bindung gestärkt und ist eine wahre treibende Kraft hinter der Vitalität unserer Städtepartnerschaft.
Ich bin überzeugt, dass unsere Städtepartnerschaft trotz aller Höhen und Tiefen heute eine lebendige und vielversprechende Partnerschaft ist, die vom konkreten Austausch und dem gemeinsamen Engagement der Bürger und Mandatsträger beider Städte getragen wird.
Welche Möglichkeit haben Sie als Bürgermeisterin, um die Partnerschaft in der Stadtgesellschaft von Poissy zu verankern?
Ich sehe viele Möglichkeiten, diese Städtepartnerschaft nachhaltig im Herzen der Gemeinde Poissy zu verankern. An erster Stelle möchte ich unseren Schulaustausch stärken, da er unseren jungen Menschen wertvolle interkulturelle Erfahrungen und die Möglichkeit bietet, enge Bindungen zu ihren deutschen Mitschülern aufzubauen.
Wie steht es mit dem Austausch unter Vereinen?
Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, den Austausch zwischen unseren Vereinen zu fördern und auszubauen, da sie wichtige Impulsgeber des lokalen Lebens und eine konkrete Verbindung in dieser Partnerschaft sind. Die Städtepartnerschaft zwischen Poissy Randonnée Pédestre Saint-Exupéry und dem Pfälzerwald Verein Pirmasens, die kürzlich ihr 20-jähriges Bestehen feierte, veranschaulicht perfekt, dass diese assoziativen Bindungen ein wesentlicher Motor für einen herzlichen und dauerhaften Austausch sind.
Ich setze mich dafür ein, diese Initiativen in Poissy weiter zu unterstützen und zu fördern, ihre Entwicklung und die Möglichkeiten für Begegnungen und Zusammenarbeit zu erweitern. So wird diese deutsch-französische Freundschaft durch sinnvolle und zukunftsträchtige kulturelle, sportliche, pädagogische und soziale Projekte tief im Alltag der Menschen in Poissy verankert.
Was wünschen Sie sich für die Partnerschaft in den kommenden zehn Jahren?
Was könnte für die nächsten zehn Jahre schöner sein, als die Fortsetzung unserer Städtepartnerschaft und den immer intensiveren und aufrichtigeren Austausch zwischen Pirmasens und Poissy zu erleben? Ich bin überzeugt, dass diese deutsch-französische Freundschaft weiterhin ein lebendiger Motor der Zusammenarbeit, der Offenheit und des Austauschs bleiben wird, um gemeinsam eine solide und sinnvolle Zukunft aufzubauen.
