Pirmasens Innovative Konzepte kontra Klimawandel

An rund 70 Bäumen in der Stadt läuft ein Pilotprojekt: Sensoren messen die Feuchtigkeit in der Erde, so das zielgerichtet gewäss
An rund 70 Bäumen in der Stadt läuft ein Pilotprojekt: Sensoren messen die Feuchtigkeit in der Erde, so das zielgerichtet gewässert werden kann.

Mit Tankbänken, Baumscheiben als Wasserspeicher, Kühlinseln und vielen neuen Sensoren will Bürgermeister Michael Maas die Stadt fit für den Klimawandel machen. Für das Programm hat er einen Zuschuss von 635.000 Euro ergattert.

Die Pirmasenser Stadtbäume leiden laut Maas zunehmend unter Hitzestress im Sommer. Viele alte Bäume stürben und neue könnten nicht richtig anwachsen. Die Mitarbeiter des Wirtschafts- und Servicebetriebs (WSP) müssten immer öfter ausrücken, um mit langen Bewässerungsaktionen im Sommer den Bäumen das kühle Nass zu bringen. Immerhin haben die vielen Stadtbäume auch einen Wert, den Maas auf sechs Millionen Euro schätzt. Das sei Vermögen, das erhalten werden müsse, findet der Bürgermeister.

Die Stadtverwaltung hat deshalb ein Konzept entwickelt, wie mit Modellprojekten die Bäume und die Stadtgesellschaft fit für den Klimawandel gemacht werden könnten. Das hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung überzeugt, das den Zuschuss bewilligte, der mit Mitteln aus der Stadtkasse auf 750.000 Euro aufgestockt werden muss.

75 weitere Sensoren werden angeschafft

Wesentliche Punkte des Konzepts sind besondere Neupflanzungen, Bewässerungssysteme und Öffentlichkeitsarbeit, vor allem mit Kindern. Langfristig hofft Maas, mit den neuen Bewässerungssystemen viel Geld sparen zu können. Aktuell fahren die städtischen Mitarbeiter bei höheren Temperaturen ihre festen Touren und geben allen möglichen Bäumen eine bestimmte Wassermenge, ohne zu wissen, ob die das überhaupt brauchen und andere vielleicht mehr nötig hätten. Acht Wagen fahren dafür rund 18.000 Kilometer im Jahr. 5000 Arbeitsstunden schlagen für die Bewässerung zu Buche. Deshalb wurden bereits im vergangenen Jahr drei Sensoren an Bäumen in der Blocksbergstraße und im Strecktal installiert, die Auskunft über die Feuchtigkeit rund um 70 Bäume geben und diese Information an den WSP melden. Mit dem neuen System habe der WSP schon einen fünfstelligen Betrag im vergangenen Jahr sparen können, da die Wassergaben zielgerichteter und seltener gegeben werden mussten, erklärt Maas. Mit dem Zuschuss werden nun 75 weitere Sensoren angeschafft, die pro Stück rund 2000 Euro kosten.

Ein weiterer Baustein, um Fahrten zu sparen, sind sogenannte Tankbänke: kleine Wasserreservoirs, die bei den Bäumen immer rund 1000 Liter Wasser vorhalten. Mit den Tankbänken könnten Fahrten eingespart und das Zisternenwasser besser verteilt werden, so Maas. Der WSP hat zwei große Zisternen für Regenwasser mit je 30 Kubikmetern Fassungsvermögen im Rauschenbrunnen und am Fuhrpark in der Ohmbach.

16 Bäume sollen unterirdischen Schwamm bekommen

Ein zweiter Baustein des Fitnessprogramms für den Klimawandel sind neue Baumpflanzungen, für die der Untergrund besonders vorbereitet wird. Um bei Regen mehr Wasser zu halten, werden rund um die Bäume Schichten mit einem Schotter aus Betonrecycling angelegt, in denen viel Wasser gespeichert werden kann, das aus der Straßenentwässerung ansonsten erst in den Kanal laufen würde. Außerdem soll Pflanzenkohle als Langzeitdünger und ebenfalls zur Wasserspeicherung eingebaut werden. Bisher seien relativ kleine Baumscheiben verwendet worden, die nur wenig Oberflächenwasser ins Erdreich ließen. Mit den neuen Baumscheiben komme Pirmasens dem Ideal der Schwammstadt näher, hofft Maas. Eine so vorbereitete Baumscheibe könne bis zu 5000 Liter Wasser aufnehmen, die nicht mehr über die Kanalisation abgeleitet werden müssen, was vor allem bei Starkregen von Vorteil sein könne.

Diese aufwendigen Schwamm-Baumscheiben sollen bei Straßenausbauprojekten realisiert werden. Als Beispiel nannte Maas die Andreas-Hofer-Straße, die Fahrstraße, die Rotenbühlstraße und die Weidenstraße. 16 Bäume könnten nach dem neuen Modell über das Förderprogramm mit dem unterirdischen Schwamm versehen werden.

Klimawandel-Diplom für Schulklassen

Die dritte Säule des Fitnessprogramms ist eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit mit Senioren und Kindern. Die ältere Bevölkerung leide unter der Hitze. Deshalb soll mit den Senioren erarbeitet werden, wie diese die Hitzeperioden besser überstehen könnten. Als Beispiel nannte Maas „Kühlinseln“. Das könnte der Carolinensaal sein, der ohnehin immer schön kühl sei und im Hochsommer für Senioren geöffnet werden könnte, die dort auch Wasser bekämen. Es brauche aber noch weitere Orte dieser Art.

Außerdem sollen Projekttage an Schulen angeboten werden, bei denen Kinder über Wasserabflussmodelle, die Schwammstadt und Hitzefolgen informiert werden. Die Schüler der dritten bis siebten Klassen erhalten zum Abschluss ein Klimawandel-Diplom.

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