Meinung
In Pirmasens sollte endlich eine Straße oder ein Platz nach Hugo Ball benannt werden
Pirmasens ist nicht gerade reich gesegnet mit berühmten Söhnen und Töchtern. Da würde es sich doch lohnen, die wenigen Berühmtheiten ins rechte Licht zu rücken. Aber zumindest in einem Fall ist die Stadtspitze weit davon entfernt, das komplette Potenzial dafür auszunutzen. Schließlich gibt es mindestens einen Pirmasenser, der es zu einer gewissen Bekanntheit, vielleicht sogar Weltruhm gebracht hat, dessen Erbe hier aber bisweilen doch sehr stiefmütterlich behandelt wird.
Die Rede ist von Hugo Ball. Der Schriftsteller, Lautpoet, Publizist und Mitbegründer des Dadaismus kam 1886 in Pirmasens zur Welt. Zwar wurde ein Gymnasium nach ihm benannt, aber sonst ist er im Stadtbild wenig präsent. Im Forum Alte Post gibt es noch eine Dauerausstellung, aber wer verirrt sich schon dorthin?
Am vergangenen Wochenende jährte sich der 140. Geburtstag des Dadaisten. Die nach ihm benannte Gesellschaft nahm das zum Anlass, zu einem kleinen Umtrunk einzuladen. Interessant ist, wo und wie das kleine Jubiläum gefeiert wurde, aber auch, wer dabei fehlte.
Auffällig unauffällig
Hugo Ball soll in einem Haus geboren worden sein, das dort stand, wo heute die Parkbrauerei ihr Bier abfüllt. Wer in der Gegend genau schaut, findet sogar eine fast schon genial auffällig unauffällige Säule, die an die Historie des Orts erinnert. Unzählige Menschen dürften dort schon unzählige Male vorbeigelaufen sein, ohne das zu bemerken.
Dieser vergleichsweise trostlose Ort an der stark befahrenen Zweibrücker Straße war der Treffpunkt für die Geburtstagsfeier. Regen und Lärm hielten den Zweiten Vorsitzenden der Hugo-Ball-Gesellschaft, Maximilian Krolo, nicht davon ab, eine Rede vorzutragen. Der Kreis der Zuhörer war dabei überschaubar.
Chance verpasst
Der Vorstand des Kunstvereins fehlte. Dem Vernehmen nach entschuldigt. Dafür nutzte er den Geburtstag des Dadaisten, um ein paar Stunden vorher an besagtem Ort vorbeizuschauen und Hugo Ball via Instagram zu gratulieren. Kann man so machen. Besonders kreativ ist es aber nicht. Schade, da wurde die Chance verpasst, an einem Strang zu ziehen.
Wo sind die üblichen Verdächtigen?
In Pirmasens gibt es einen Kreis der üblichen Verdächtigen, die man bei offiziellen Anlässen trifft. Die Stadtspitze gehört qua Amt dazu. Wer allerdings nach Kulturdezernent Denis Clauer oder OB Markus Zwick suchte, der wurde bei der Geburtstagsparty enttäuscht. Als Mitglied der Hugo-Ball-Gesellschaft war die Stadt zwar eingeladen, hielt es aber nicht für nötig, dass ein Vertreter der Führungsetage dort vorbeischaut. Auf eine Rückmeldung, warum das so war, wartet die Hugo-Ball-Gesellschaft dem Vernehmen nach bis heute. Es wird doch nicht daran gelegen haben, dass Kulturdezernent Denis Clauer kürzlich nicht ganz freiwillig aus dem Vorstand der Gesellschaft ausscheiden musste. Oder doch?
Unfreiwillig dada
OB Markus Zwick gratulierte dem großen Sohn seiner Stadt auf die für ihn übliche Art: mit einer mehr oder weniger gelungenen Bildmontage, die er über die sozialen Netzwerke verbreitete. Das künstlich erzeugte Foto zeigt das Konterfei Zwicks in dem bekannten Anzug von Hugo Ball mit kegelförmigen Hut. Das ist zwar kreativer und auf eine bestimmte Art und Weise auch unfreiwillig dadaistischer als die Geburtstagsgrüße vom Kunstverein, aber wirft doch letztlich die gleiche Frage auf: Warum spielt Hugo Ball abseits von Sonntagsreden und Preisverleihungen im Stadtbild und in der Stadtgesellschaft von Pirmasens so eine untergeordnete Rolle? Der 140. Geburtstag wäre doch ein Moment gewesen, an dem man ihn mal wieder ins Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger hätte rufen können.
Vor 50 Jahren bezeichnete der damalige Pirmasenser Oberbürgermeister Karl Rheinwalt (SPD) Hugo Ball als „unzweifelhaft den größten Sohn“ der Stadt. Er rief 1976 dazu auf, ihn „nach Pirmasens heimzuholen“. Das scheint, bislang noch nicht ganz gelungen zu sein. Im nächsten Jahr jährt sich Balls Todestag zum 100. Mal. Das wäre doch der passende Anlass, um eine Straße oder einen Platz nach dem großen Sohn der Stadt Pirmasens zu benennen und ihm in seiner Heimatstadt endlich das Andenken zukommen zu lassen, das er verdient.
