Pirmasens Im Zickzack durch die Musikgeschichte

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Das Publikum kannte die eingängigen Melodien der Schlager und Lieder aus Filmen, Musicals oder Oper. Gerade deshalb taugten sie zum Konzert für einen entspannenden Abend. Die Gruppe „Kwerbeht“ gastierte am Samstag im voll besetzten Kultursaal des Rodalber Dr.-Lederer-Hauses und machte ihrem Namen alle Ehre mit einem bunt gemischten Programm. Es erklangen „Lieder aus hundert Jahren und in fünf Sprachen“, und es bestand Ohrwurm-Gefahr.

Die ersten Chansons stammten aus Frankreich und zauberten ein wenig Pariser Charme in den Saal mit Balladen wie „Sous le ciel des Paris“, weltberühmt geworden durch Edith Piaf, oder dem populären Song „C’est magnifique“ von Cole Porter, geschrieben für das Musical „Can Can“. Das Quartett vermochte ein Stück unbeschwerter Atmosphäre einzufangen. Dies gelang auch, wenn es die Schauplätze wechselte, zum Beispiel mit dem internationalen Hit „Bèsame mucho“, einem jazzigen Liebeslied. Das Programm nahm von da an einen Zickzack-Verlauf. Ausgehend von Frank Sinatras Hit „The Lady And The Tramp“ aus der bekannten Walt- Disney-Produktion, steuerte es auf Mexiko im Jahr 1939 mit dem verträumten Stück über Liebeskummer „Perfidia“ (Alberto Dominquez Borràs) zu und führte ins Jahr 1917 nach Uruquay. Dort hatte der Komponist Rodrigez „La Cumparsita“ geschrieben, vielleicht den bekanntesten und meist gespielten Tango. Die Kehrtwende in die 70er Jahre hin zu „Abba“ mit „Chiquitita“ um eine verlorene Liebe wunderte nicht. Es verwunderte allenfalls, dass Sängerin Bea Melendez sich mit der Rodalberin Renate Edrich Verstärkung für den Gesang auf die Bühne holte. Wenngleich das Duo bei seiner Premiere – bei der es wohl auch bleibt – nicht gänzlich harmonierte, so glückte zumindest die Mutprobe. Nach der Pause belebte „Kwerbeht“ zunächst nostalgische Musik. Sie weckte Erinnerungen an Heinz Rühmann mit „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau“, an den Spielfilm „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ (1929) oder an die „Comedian Harmonists“, deren Lied vom „Kleinen, grünen Kaktus“ eine kleine Ermunterung zum Flirt sein sollte. Thematisch passte dazu das Lied „Bei dir war es immer so schön“ aus „Porgy and Bess“. „Kwerbeht“ ließ die Zeit dahin fliegen, interpretierte den Ende der 50er Jahre populär gewordenen Hit „Volare“, fügte die Oscar prämierte Ballade „Raindrops Keep Falling On My Head“ dazu und leitete über zu „A Man And A Woman“, dem Lied aus dem gleichnamigen Spielfilm von 1966. „Kwerbeht“ darf das, hier steht der Spaß an der Musik über der Struktur. Als grundsolide Musiker, die ihre Instrumente beherrschen, erwiesen sich bei dem Konzert in Rodalben Peter Herlitz (Akkordeon), Heinz Kutsche (Kontrabass) und Robert Salignat (Gitarre). Was sie können, zeigten sie bei den Instrumentalstücken: Tanzmelodien vom Tango bis zu Salsa. Die Sopranistin Bea Melendez, erst seit diesem Jahr bei dem früheren Trio dabei, tut der Gruppe gut. Ihre einschmeichelnde Stimme fördert die Wohlfühl- Atmosphäre. Melendez inszeniert ihre Darbietungen, tritt auch gerne mit Mimik und Gestik in den Dialog mit dem Publikum. Mit noch ein wenig stärkerer Ausdruckskraft in der Stimme, je nach Passagen, hin und wieder auch geforderter Härte und Dynamik, könnte sie das Quartett noch weiter voran bringen. Mit dem Swingstück „Bei mir bist du schön“, geschrieben für ein jiddisches Musical, endete das Konzert von „Kwerbeht“. Den Musikern hat das Gastspiel Freude bereitet, sonst wären sie nicht beinahe zweieinhalb Stunden mit viel Passion aufgetreten. Und dem Publikum hat die Musik gefallen, sonst hätte es nicht mehrere Zugaben gefordert.

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