Pirmasens
Hugo-Ball-Gesellschaft: Personalpolitisches Ränkespiel hinter den Kulissen
Die Hugo-Ball-Gesellschaft dürfte für den Großteil der Pirmasenserinnen und Pirmasenser – wenn überhaupt – eine untergeordnete Rolle hinsichtlich ihrer öffentlichen Wahrnehmung spielen. Offiziell hat sie sich zum Ziel gesetzt, die gesammelten Werke des aus Pirmasens stammenden Dichters Hugo Ball herauszugeben. Darüber hinaus will sie die Stadt Pirmasens beim weiteren Ausbau der Hugo-Ball-Sammlung, bei der Herausgabe des Hugo-Ball-Almanachs und anderen Hugo-Ball-Aktivitäten unterstützen. Ein Mitglied skizziert den Verein hinter vorgehaltener Hand gegenüber dieser Zeitung als „akademischste Gesellschaft von Pirmasens“. Frei übersetzt bedeutet das: Hier wird rhetorisch und intellektuell auf hohem Niveau diskutiert. Laute Töne sind in solchen Kreisen nicht üblich.
Bei der letzten Jahreshauptversammlung ging es aber so hoch her, dass der städtische Beigeordnete Denis Clauer sich außerhalb des sonst üblichen Dezibel-Rahmens bewegte. Während einige Teilnehmer des Treffens berichten, Clauer habe die Contenance verloren, werden andere deutlicher und sagen, er habe sich in der Lautstärke vergriffen. Er selbst bestreitet nicht, dass es zu Äußerungen seinerseits kam, die zumindest in einer unüblichen Lautstärke vorgetragen wurden: „Ich kann auch laut werden“, sagt Clauer auf Anfrage.
Anlass dazu bot ein Verlauf der Sitzung, den manche als politisches Ränkespiel betrachten, andere reden von einer Inszenierung und es gibt Sitzungsteilnehmer, die den Verlauf als so unrühmlich empfinden, dass sie damit nicht mal hinter vorgehaltener Hand mit der Presse reden wollen.
Personalrochade im Vorstand
Seit ihrer Gründung 1998 war stets ein Mitglied der Stadtspitze zweiter Vorsitzender der Hugo-Ball-Gesellschaft. Das ist nun nicht mehr der Fall. Bei der jüngsten Sitzung standen Neuwahlen auf der Tagesordnung. Der bisherige Vorsitzende Bernd Wacker (Nordwalde) ist jetzt nicht mehr im Amt. Gleiches gilt für den zweiten Vorsitzenden. Das war bislang Denis Clauer. Eine offizielle Mitteilung, wie es zu der Personalrochade gekommen ist, gibt es nicht. Offiziell mitgeteilt hat die Hugo-Ball-Gesellschaft nur, dass Bernhard Rusch (München) der neue Vorsitzende ist. Sein Stellvertreter ist Maximilian Krolo.
Nach allem, was zu hören ist, wäre Krolo gerne Vorsitzender geworden. Darüber informierte er Clauer fünf Minuten vor der Sitzung und überraschte ihn damit wohl. In der Debatte um die Spitzenposten muss es ungewöhnlich heftig zugegangen sein. Teilnehmer der Sitzung berichten, dass Krolo Clauer vorgeworfen habe, ihn nur zu verhindern, weil er kein CDU-Mitglied sei. Clauer ist nicht nur Beigeordneter, sondern führt auch den CDU-Stadtverband.
Krolo wiederum ist bekennender Liberaler und steht seit kurzem an der Spitze der Pirmasenser FDP. Es war wohl der parteipolitische Vorwurf Krolos, der Clauer auf die Palme brachte. Es ging hin und her. Die Sitzung wurde unterbrochen. Danach kandidierte Krolo als zweiter Vorsitzender und setzte sich mit zwölf zu acht Stimmen gegen Thomas Kuhn durch. Der Lehrer am Kant-Gymnasium ist bislang parteipolitisch nicht in Erscheinung getreten. Stichwort Parteipolitik: Unter den 20 Wahlberechtigten waren dem Vernehmen nach vergleichsweise wenige CDU-Mitglieder, nämlich nur zwei. Auch zwei Sozialdemokraten sollen vor Ort gewesen sein. Und insgesamt sechs FDP-Mitglieder, von denen einige noch nicht allzu lange der Hugo-Ball-Gesellschaft angehören sollen. So mancher Teilnehmer geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass Krolo die Machtübernahme kalkuliert hat.
Zwist sorgt für Unbehagen
Was genau an diesem Abend vorgefallen ist, bleibt zumindest teilweise unklar. Kaum jemand, der dabei war, will sich namentlich zitieren lassen. Allerdings sorgt der Zwist zwischen Krolo und Clauer bei nicht wenigen für Unbehagen.
Die beiden wollen sich nun treffen. Vielleicht geht es dann nicht nur um machtpolitische Ränkespiele und unglückliche Personalpolitik, sondern auch um inhaltliche Fragen. 2027 jährt sich der Todestag von Hugo Ball zum 100. Mal. Das Jubiläum soll entsprechend gefeiert werden. Wenn ausgerechnet eine Gesellschaft, die nach dem Jubilar benannt wurde, so zerstritten wäre, dass sie außen vor bleiben müsste, wäre das seltsam. Derzeit sieht es zumindest von außen so aus, als ob der unrühmliche Abend mehr Verlierer als Gewinner hervorgebracht hat.
Vereinspolitischer Dadaismus
Was hätte der Namensgeber der Gesellschaft zu den Vorgängen wohl gesagt? Im besten Fall wäre Hugo Ball vielleicht begeistert gewesen: von diesem vereinspolitischen Dadaismus.
