Pirmasens Heute kein Büffeltöter mehr

Stellt seine Patronen selbst her: Peter Wagner, Dritter der Kreismeisterschaft, hier im Liegendschießen.
Stellt seine Patronen selbst her: Peter Wagner, Dritter der Kreismeisterschaft, hier im Liegendschießen.

„Diese Disziplin macht richtig Spaß“, schwärmte am Samstag Fred Geib auf der Anlage des Schützenvereins Edelweiß Waldfischbach. Der überaus routinierte Sportschütze vom SV Heltersberg sprach übers Schießen mit einer historischen Blockbüchse. Aus solchen Gewehren flitzten Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA jene Geschosse, die den Büffelbestand dezimierten, die auch im amerikanischen Bürgerkrieg leidvoll Verwendung fanden. In Waldfischbach dagegen waren die Waffen als friedliche Sportgeräte im Einsatz. Im ersten Durchgang der Kreismeisterschaft mit der historischen Waffe versuchten die Waldfischbacher Ralf Hasenstab und Peter Wagner mit ihrem Gewehr aus einer Entfernung von 100 Metern die nur wenige Zentimeter große Zehn zu lochen. Dabei gaben beide zehn Schuss im liegenden und zehn Schuss im stehenden Anschlag ab. Dazu mussten die Schützen ihr Sportgerät, das je nach Modell sechs bis acht Kilogramm schwer ist, extrem ruhig halten. Über Kimme und Ringkorn musste dabei der Mittelpunkt der Zielscheiben exakt eingekreist werden, ehe der Schuss mit einem Abzugsgewicht von etwa 300 Gramm möglichst zentral treffen sollte. Die historische Blockbüchse verfügt über eine in dieser Art seltene, klappbare Visiereinrichtung. Und die Patrone, welche die Waffe nach vorne befördert, ist ein richtiger „Brummer“. Historisch gesehen logisch, denn sollte ein Büffel erlegt werden, musste schon ein großes Kaliber vorgehalten werden. „45-70 Government“ heißt das Kaliber, informiert Wagner. Wie fast alle seine Konkurrenten stellt er – mit behördlicher Genehmigung – die Patronen selbst her. Etwa einen Euro kostet eine selbst hergestellte Patrone. Rund zwei Euro sind fällig, wenn man diese fertig kauft. Es sei nicht nur aus finanziellen Gründen „vorteilhafter“, die Patronen selbst herzustellen, denn dann könne diese auf die jeweilige Waffe abgestimmt werden, argumentiert Wagnerz. Und weil die Patrone nur ein dünnes Stück Pappe zu lochen hat, sei die dazu benötigte Treibladung gering. Allerdings sei das Kaliber auch „beliebt bei der Jagd“, weiß Wagner, der später die Kreismeisterschaft auf Rang drei hinter Franz Matheis vom Sportschützenzentrum Lindersbach und Geib abschließt. Für den Waldfischbacher ist das Schießen ein Ausgleich zu seinem Beruf als Heilerziehungspfleger, wo er mit psychisch Erkrankten und geistig behinderten Menschen zu tun hat. „Ich schieße generell gerne mit Schwarzpulver“, erzählt Wagner und richtet es sich auf der harten Pritsche ein, sucht eine stabile Lage fürs Liegenschießen. Dann schiebt er eine Patrone in seine Waffe und sucht in 100 Metern Entfernung die Zehn. Das relativ geringe Abzugsgewicht steht im krassen Gegensatz zum Volumen der Waffe, die mit sehr viel Gefühl behandelt werden muss. Sonst ist nämlich der Schuss weg, bevor die Zehn anvisiert werden konnte. Obwohl „nur“ zehn Schuss im liegenden Anschlag nach vorne gebracht werden müssen, scheint es, als sei die Waffe bei den letzten Schüssen mindestens doppelt so schwer wie noch bei den ersten Schüssen. „Es sind eben acht Kilogramm“, begründet Geib das Phänomen. Ein Schusshandschuh oder ein Schießriemen sind als Hilfsmittel beim sportlichen Schießen nicht erlaubt. Auf einem alten Schemel, der offenbar zuvor als Stuhl wohl in einem Wirtshaus seine Dienste getan hatte und nun (ohne Lehne) den Schützen als mit Filz überzogene Sitzgelegenheit dient, werden zehn weitere Schüsse abgegeben, wobei die Waffe nun auf einen Bock aufgelegt werden darf. Keine unwesentliche Erleichterung fürs Schießen mit einer historischen Blockbüchse, für deren Erwerb knapp 2000 Euro hingeblättert werden müssen. Eines wird bei dieser ganz speziellen Disziplin der Kreismeisterschaften deutlich: Der sportliche Ehrgeiz der Schützen ist hier nachrangig und wird übertroffen vom Spaß, mit solchen historischen Waffen eine 100 Meter entfernte Zielscheibe anzupeilen. Die Resultate Kreismeisterschaften: Historische Blockbüchse/Feuerstutzen: 1. Franz Matheis (SSZ Lindersbach) 187, 2. Fred Geib (SV Heltersberg) 180, 3. Peter Wagner (SV Edelweiß Waldfischbach) 175. Mannschaftswertung: 1. Lindersbach (Matheis, Harry Hein, Andreas Peifer) 423, 2. Edelweiß Waldfischbach (Wagner, Wolf-Peter Lieb, Ralf Hasenstab) 494. Perkussionsrevolver: Herren I (21-40 Jahre): 1. Bernhard Hensel (SSV Waldfischbach) 99, Mannschaftswertung 1. SSV Waldfischbach (Hensel, Wolfgang Jung, Andreas Peifer) 271; Herren III (51-60 Jahre): 1. Holger Weber (Heltersberg) 111, Wolfgang Jung 91, Andreas Peifer (beide SSV Waldfischbach) 81; Herren IV (ab 61 Jahre): 1. Dieter Burkhardt (Münchweiler) 128, 2. Fred Geib (Heltersberg) 119, 3. Thomas Schäfer (SV Waldfischbach) 85. Perkussionspistole: Herren I: 1. Volker Dockweiler (SV Edelweiß Waldfischbach) 135, 2. Kevin Klein (Dahn) 130, 3. Gernot Fey (SV Edelweiß Waldfischbach) 130; Mannschaftswertung: 1. SV Edelweiß Waldfischbach I (Volker Dockweiler, Ansen Kiss, Marco Dockweiler) 387, 2. Münchweiler (Gerold Miesel, Thomas Schäfer, Jens Scheuermann) 373, 3. Edelweiß Waldfischbach II (Gernot Fey, Thomas Schäfer, Jens Scheuermann). Herren III: 1. Gerold Miesel (Münchweiler) 133, 2. Ansen Kiss (SV Edelweiß Waldfischbach) 132, 3. Holger Weber (Heltersberg) 119; Herren IV: 1. Heinrich Hensel (SSV Waldfischbach) 132, 2. Dieter Burkhardt (Münchweiler) 128, 3. Fred Geib (Heltersberg) 122; Steinschlosspistole: 1. Gerold Miesel (Münchweiler) 130, 2. Volker Dockweiler (SV Edelweiß Waldfischbach) 127, 3. John Alexander Zipf (Münchweiler) 16.

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