Pirmasens Grafiker Abi Shek erklärt seine „Tierlegenden“ in der Alten Post

Abi Shek
Abi Shek

Unter dem Titel „Tierlegenden“ startet am 1. März, eine Ausstellung mit Grafiken des israelischen Künstlers Abi Shek. Mit dem Künstler sprach Klaus Kadel-Magin .

In Ihrer Ausstellung sind alle möglichen Tiere von der Schlange bis zum Rind zu sehen. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Tiere aus, die auf die Leinwand kommen?
Das sind keine bestimmten Tiere, die zu sehen sind. Ich mache keine Tierstudien. Die Bilder haben in der Regel auch keine Titel. In einer Ausstellung wurde ich mal von zwei verschiedenen Besuchern gelobt, weil ich mit einem bestimmten Bild das Wesen eines Elefanten so gut getroffen habe und der andere Besucher meinte zum selben Bild, dass es das Wesen des Hasen auf dem Bild sei. Ich mag das Wort „Wesen“ sehr. Im Hebräischen gibt es so ein Wort nicht. Es trifft es gut, wenn ein Bild weder Elefant noch Hase sein kann sondern einfach Wesen.

Wer Ihre Bilder betrachtet, könnte an Höhlenmalerei erinnert werden. Stört Sie das?
Überhaupt nicht. Es sind durchaus auch Höhlenmalereien. Ich beschäftige mich mit allen Kulturen und dazu gehören auch die Höhlenmalereien. Kürzlich wurden solche Malereien in Indonesien gefunden, die 180.000 Jahre alt sein könnten. Dort wurden Schweine gemalt. Das könnten auch Künstler von heute gemalt haben.

Haben Sie selbst ein Lieblingstier?
Nein. Ich mag gerne Pferde, weil ich mit ihnen groß geworden bin. In meinen Bildern tauchen sie aber fast nie auf. Vielleicht weil ich es mag Pferde zu sehen und deshalb male ich sie auch nicht.

Abi Shek druckt die schwarzen Bildteile mit Holzschnitten und zeichnet das Blau dazu.
Abi Shek druckt die schwarzen Bildteile mit Holzschnitten und zeichnet das Blau dazu.

Neben dem Schwarz des Holzschnitts verwenden Sie immer blaue Farbe für die gezeichneten Bildteile. Warum Blau?
Farben werden bestimmte Gefühle zugeschrieben und die sind kulturell bedingt. Rot gilt beispielsweise als königliche Farbe, während das Blau dem Kaiser zugeschrieben wird. Nördlich der Alpen wird die rote Farbe oft mit dem Leben und Lebendigsein assoziiert. Im Orient ist Rot der Feind und Blau steht dort für Geborgenheit. Vielleicht habe ich deshalb das Blau für meine Bilder gewählt.

Haben Sie selbst Tiere?
Ich habe eine Katze, eine ganz normale kleine Katze, die wahrscheinlich neun Monate alt ist. In Israel hatte unsere Familie einen kleinen Zoo. Wir hatten sogar Kamele. Eines davon war meins und hieß Noka.

Malen Sie schon immer nur Tiere?
Ja, das hat meine Kindheit geprägt. Mein Vater Moshe Shek war selbst Künstler und ein in Israel sehr bekannter Künstler. Sein Lehrer war der 1933 aus Deutschland nach Israel immigrierte Rudi Lehmann, der viel mit dem Holzschnitt arbeitete. So bin ich zum Holzschnitt und den Tieren gekommen.

Finden sich in Ihren Bildern auch Menschen?
Ich finde, es sind im übertragenen Sinne hier sehr viele menschlichen Wesen in dieser Ausstellung. Die von mir gewählten Tiere sind nicht unbedingt als Tier zu sehen, sondern auch als Wesen von Menschen. Tiere sagen immer etwas über uns Menschen aus. Wer diese Ausstellung besucht wird es sehen. Was passiert hier? Was sagt mir das Tier?

Wie kommt es rein technisch zu den Bildern? Wie gehen Sie dabei vor?
Ich zeichne sehr viel. Die Bilder hier sehen spontan aus. Das freut mich auch, wenn die Betrachter es als spontan empfinden. Es ist aber nicht so. Die sind genau geplant bis in den letzten Zentimeter hinein. Ich habe keine Druckpresse für meine Holzschnitte. Meine Presse ist ein Stück Holz. Ich nenne es den Löffel und damit reibe ich die Drucke vom Druckstock ab. Es sind alles Handabzüge. Die Zeichnung dazu gibt dem Bild dann den genialen Touch und das will ich auch so.

Info

„Tierlegenden“, Grafiken von Abi Shek, Pirmasens, Forum Alte Post, Poststraße 2, 1. März bis 11. April, Mittwoch bis Sonntag 11-17 Uhr. Vernissage: 1. März, 11 Uhr.

Zur Person

Abi Shek wurde 1965 in Rehovot in Israel als Sohn eines Bildhauers und einer Goldschmiedin geboren und ist dort in einem Kibbuz aufgewachsen. Die Arbeit dort war ländlich geprägt mit vielen Tieren. Die Technik des Holzschnitt interessierte Abi Shek schon in seiner Jugend und bei der Frage nach dem Studienort hatte er die Wahl zwischen Japan und seiner alten Holzschnitttradition und Deutschland, wo vor 500 Jahren schon Albrecht Dürer mit seinen Holzschnitten die Menschen begeisterte. Shek ging nach Stuttgart, wo er von 1990 bis 1996 studierte. Shek lebt immer noch in Stuttgart.

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