Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Gastspiel in sechs Akten: Alexander Schweitzer in Pirmasens

Alexander Schweitzer will Ministerpräsident bleiben und Markus Keller (rechts) in den Landtag einziehen.
Alexander Schweitzer will Ministerpräsident bleiben und Markus Keller (rechts) in den Landtag einziehen.

Im Wahlkampf setzt die SPD auf ihren stärksten Mann: Alexander Schweitzer. Der war am Mittwoch in Pirmasens, um Markus Keller zu unterstützen. Ein Gastspiel in sechs Akten.

Die Kulisse
Die SPD hat sich für das Neufferanum entschieden. Nicht zuletzt, weil es wenige Alternativen in der Stadt gibt, die die Vorgaben der Landespartei erfüllen. Unter anderem ist es wichtig, Platz für eine Bühne von drei auf fünf Metern zu haben. Die Räumlichkeiten sind indirekt beleuchtet. Auf der Bühne steht eine Theke mit Zapfhahn. Alles wirkt schick, aber gemütlich, ohne altbacken zu sein. Die Farbe Rot dominiert das Innere des Neufferanums an diesem Abend.

Akt 1: Ankommen
Um 19.30 Uhr ist Einlass. Die ersten Besucher lassen nicht lange auf sich warten. Das Neufferanum füllt sich. Im Vorraum gibt es Getränke, Brezeln und Co. Zwei Livemusiker sorgen für den akustischen Rahmen. Das Publikum ist altersmäßig gemischt und reicht vom Studenten bis zum Rentner. Viele kennen sich. Selten sieht man in Pirmasens so viele gut gelaunte Sozialdemokraten in einem Raum.

Markus Keller
Markus Keller

Akt 2: Auftritt Keller
Um Punkt 20 Uhr betritt Moderatorin Anika Sedlmeier die Bühne, begrüßt die Gäste und bittet Markus Keller zu sich. Der 43-Jährige aus Bobenthal tritt für die SPD bei der Landtagswahl am 22. März an, um das Direktmandat im Wahlkreis Pirmasens zu gewinnen. Aus der ersten Reihe verfolgt sein Vater den Auftritt. Keller präsentiert sich redegewandt als Arbeiterkind, erzählt eine Aufstiegsgeschichte wie aus dem SPD-Lehrbuch: Er, das erste Kind in seiner Familie mit Abitur, verkörpert das sozialdemokratische Aufstiegsversprechen, dem er sich verpflichtet fühlt. Und er gibt ein Versprechen für den Fall seiner Wahl ab: „Ich will der Kümmerer dieser Region sein.“

Akt 3: Talk unter Genossen
Keller bekommt Besuch auf der Bühne: Rodalbens Verbandsbürgermeister Peter Spitzer und SGD-Präsident Hannes Kopf. Moderiert von Anika Sedlmeier plaudern die drei Genossen über die „große Familie SPD“. Kopf und Spitzer lassen dabei keine Chance aus, für Keller zu werben. Fast wie nebenbei verweisen sie auf die Erfolge der SPD-geführten Landesregierung. Um 20.20 Uhr fragt eine Besucherin einen anderen Gast: „Kommt Schweitzer überhaupt noch? Der war doch plakatiert, wegen dem bin ich gekommen.“ Wenige Minuten später fahren vor dem Neufferanum zwei schwarze BMW-Limousinen vor. Keller, Spitzer und Kopf führen ihr „Thekengespräch“ auf der Bühne weiter.

Akt 4: Zwischenspiel
Um 20.33 Uhr wird die Tür zum Vorraum geschlossen. Schweitzer ist jetzt angekommen. Sicherheitsleute beziehen Stellung im Neufferanum. Die Spannung steigt. Um 20.35 Uhr wird es still. Auf einer Leinwand wird ein Imagefilm von und über Alexander Schweitzer gezeigt. Der Politiker präsentiert sich und sein Land – eine vielfältige Heimat. Ein Werbefilm wie aus dem Lehrbuch.

Akt 5: Auftritt des Helden
20.38 Uhr: „Er ist da“, ruft die Moderatorin. Die Gäste stehen auf, applaudieren, was das Zeug hält, und Alexander Schweitzer betritt begleitet von Musik den Raum. Halleluja. Für die wenigen Meter bis zur Bühne braucht er ein paar Minuten. Kein Wunder. Es müssen schließlich einige Hände geschüttelt werden.

Alexander Schweitzer
Alexander Schweitzer

In den nächsten 50 Minuten redet Schweitzer frei. Seine Bühnenpräsenz und die rhetorische Stärke sorgen dafür, dass es ruhig bleibt im Saal. Die Genossen hängen geradezu an seinen Lippen. Weit über ein Dutzend Mal klatschen sie ihrem Spitzenmann zu. Der streift nahezu alle Themen der Landespolitik und spricht auch über Pirmasens. Für CDU-Oberbürgermeister Markus Zwick gibt es ein Lob für die „sehr gute Zusammenarbeit“ in dessen Funktion als Städtetagspräsident. Und auch zur Landesgartenschau nimmt er Bezug, greift die Kritik dieser Zeitung in der Wochenkolumne vom Samstag auf und verspricht: Pirmasens hat das Erstzugriffsrecht auf die Landesgartenschau (LGS) 2032. Er kündigt zudem an, dass die Landesregierung „jetzt“ ein Gespräch mit der Stadt über die Zukunft der LGS führen wolle. Gegen Ende seiner Rede schärft er den Zuhörern ein: „Lassen Sie uns den Optimismus und die Zuversicht nicht verlieren.“

Schlussakt: Zeit für Selfies
Nach dem fast schon obligatorischen Überreichen der Geschenke an den Gast bildet sich vor der Bühne eine lange Schlange. Ein Großteil der Anwesenden will unbedingt ein Foto mit Alexander Schweitzer machen. Zahlreiche Aufnahmen davon machen in den nächsten Stunden in Sozialen Medien die Runde.

Fazit
Alexander Schweitzer tritt gewohnt routiniert auf. Die Choreografie des Abends ist durchdacht: Alexander Schweitzer ist das Zugpferd für die Veranstaltung. Aber durch seinen vergleichsweise späten Auftritt lässt er Markus Keller Raum, um sich zu präsentieren. Der wiederum hat seit Beginn des Wahlkampfs inhaltlich und rhetorisch zugelegt. Das Bühnenbild und die Inszenierung der beiden Kandidaten zeigen: Die rheinland-pfälzische SPD weiß, wie Wahlkampf geht.

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