Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Fototage: Spannende Kontraste

Vor allem Kinder hatten es Anja Niedringhaus bei ihren Reisen in Krisengebiete angetan.
Vor allem Kinder hatten es Anja Niedringhaus bei ihren Reisen in Krisengebiete angetan.

Die Fototage heben sich von den Vorgängern ab. Vor allem die Ausstellungen von Anja Niedringhaus und Norbert Rosing in der Alten Post sorgen für ein intensives Erlebnis.

Mehr Platz hätte ganz klar der Naturfotograf Norbert Rosing benötigt. Seine in drei Jahrzehnten entstandenen Fotografien der Arktis werden bei den Fototagen mit den für Rosing wichtigen Aufnahmen von Clematis-Pflanzen und Bildern aus den USA gemischt. Jedes Feld hätte allein einen Ausstellungsraum gerechtfertigt.

Die Reise bei Rosing beginnt in der Arktis. Bergformationen in Schwarz-weiß aus Grönland und Spitzbergen erzählen von der unwirtlichen Gegend. Eisberge und Gletscher wurden von dem aus dem Münsterland stammenden Fotografen eingefangen. Dazwischen zeigt er dynamische Strukturen in Schnee und Eis, die Wind und Kälte auf Spitzbergen geformt haben. Der Fotograf hat auch viel zu erzählen über die Reisen, die ihn in vielen Jahren in die Region führten. Beispielsweise nach Ostgrönland, wo er gewaltige Landschaften einfangen konnte. Direkt vom Schiff aus fotografiert.

Geysire brechen aus

Die Eisbären der Polarregion haben es ihm dabei besonders angetan. Zehn Aufnahmen der insgesamt 40 Bilder von ihm zeigen Eisbären. Mal sind es allerliebste Eisbärfotos mit Bärin und ihrem Nachwuchs, mal speist der Eisbär gerade auf einer blutgetränkten Eisscholle. Eine kleine Bilderserie hat er einem Eisbärjungen gewidmet, das von der Mutter über eine Kante hochgeholt wurde.

In den USA trieb es Rosing in den Yellowstone-Nationalpark, wo er Bisons in Nahaufnahme vor die Kamera bekam und sich zwei Jahre Zeit nahm, um Geysire beim Ausbruch zu fotografieren. Bei minus 30 Grad Celsius und just in dem Moment, da die Sonne aufgeht. Rosing ist beim Erzählen zur Geschichte des Bildes immer noch begeistert. Weitere Aufnahmen machte er im Bryce-Canyon-Nationalpark mit den dort typischen Felsformationen.

Faszination Clematis

In Deutschland zieht es den Fotografen gerne zu Bäumen, die von Clematis überwuchert werden. Einen solchen Clematiswald, die Pflanze wird auch gerne Waldrebe genannt, fand er bei Hannover, wo er mit Fischaugenobjektiv das Dickicht der Pflanze aufnehmen konnte. Und auch hier gibt es eine Geschichte, die von einem Unwetter handelt, das die über viele Jahre zugewucherten Bäume mit einem Schlag von der Schlingpflanze befreite. „Grafisch gibt das einfach sehr viel“, schwärmt Rosing von der Pflanze.

Eine ganz andere Art von Fotografie ist im zweiten Saal der Alten Post mit Aufnahmen von Anja Niedringhaus zu sehen. Die als „Bilderkriegerin“ bezeichnete Fotografin war in vielen Krisen- und Kriegsgebieten der Welt für namhafte Nachrichtenagenturen unterwegs. 2014 wurde sie von einem Attentäter in Afghanistan erschossen, als sie über die dortige Wahl berichten wollte.

Spannende Kontraste

Wer Gefechte oder andere Kampfhandlungen erwartet, wird in der Alten Post nicht fündig. Niedringhaus hatte einen ganz anderen Blick auf die Krisen und Konflikte. Der Mensch steht hier klar im Vordergrund. Besonders die Kinder hatten es der 1965 in Höxter geborenen Fotografin angetan. Die Aufnahmen von afghanischen Mädchen, die mit strahlenden Augen auf dem Moped in einen Park fahren, erzählen so viel von der Hoffnung auf ein paar Stunden Glück und Spaß in einem Land, das von Jahrzehnten Krieg geprägt ist. Andere Kinder spielen mit Drachen im Wind oder Fußball. Das Foto afghanischer Frauen, die betteln, ist keine normale Dokumentationsaufnahme. Die weit im Wind sich aufblähenden Gewänder der Frauen machen das Foto zum Kunstwerk. Andere Kinderbilder zeigen lachende Gesichter vor dem in Grund und Boden zerstörten Kabul.

Natürlich hat die Fotografin auch Soldaten abgelichtet. In einer Serie begleitete sie einen angeschossenen US-amerikanischen Soldaten auf dem Weg zum Lazarett. Eine andere Aufnahme zeigt die Soldaten bei einer Hausdurchsuchung im Irak oder Flüchtlinge vor der brennenden Kulisse von Basra. Niedringhaus hatte das Gespür für den richtigen Moment, als ein knallroter Weihnachtsmann im Irak eine Gruppe von hunderten graugewandeten Soldaten beschert.

Zahlende Scharfschützen

In der Ausstellung sind auch wenige Aufnahmen aus dem Bosnienkrieg zu sehen, die durch die momentan ganz frisch aufgenommenen Ermittlungen gegen westliche Kriegstouristen eine ganz andere Qualität bekommen. Beispielsweise der alte Mann, der im Schutz eines Bustrümmers eine Zigarre raucht und vielleicht gerade im Visier eines Italieners oder Deutschen ist, der dafür bezahlt haben könnte, dass er in Bosnien als Scharfschütze Menschen töten darf. Der Tod findet sich in der Ausstellung gleich mehrfach. Ein sechsjähriges Mädchen, das beim Schlittenfahren vom Schrapnell einer Granate getroffen wurde und verblutete oder der bosnische Soldat, der von Niedringhaus noch lebend fotografiert wurde und wenige Momente später tot war.

Die Ausstellung in der Alten Post kann neben den Fotos mit einem Film aufwarten, der in Pirmasens praktisch Premiere feiert. Die Dokumentation über Niedringhaus soll erst später im Fernsehen gesendet werden.

Neben der Ausstellung in der Alten Post gibt es noch eine Schau mit Aufnahmen von Kai Rogler, dem Kurator der Fototage, zusammen mit Florian Sturm in der Kundenhalle der VR-Bank in der Alleestraße sowie eine Ausstellung im Foyer und Erdgeschoss des Pirmasenser Krankenhauses mit Fotos von Daniel Spohn, der Naturparadiese in Europa abgelichtet hat.

Info

Bis 30. November in der Alten Post, Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, in der VR-Bank Montag bis Mittwoch von 8.15 bis 12.15 Uhr sowie 13.30 bis 17 Uhr, Donnerstag von 8.15 bis 12.15 und 13.30 bis 18 Uhr sowie Freitag von 8.15 bis 13 Uhr. Im Krankenhaus ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet. Mit Ausnahme der Alten Post können alle Ausstellungen gratis besucht werden.

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